1.84.11.2 - Kassel, Karlsaue, Entwurf zu Wirtschaftsgebäuden an der Orangerie, Grundriß



1.84.11.2 - Kassel, Karlsaue, Entwurf zu Wirtschaftsgebäuden an der Orangerie, Grundriß


Inventar Nr.: Marb. Dep. 254,7
Bezeichnung: Kassel, Karlsaue, Entwurf zu Wirtschaftsgebäuden an der Orangerie, Grundriß
Künstler: Giovanni Ghezzi (1677 - 1746), Architekt/-in
Datierung: 1738-1740
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, grau und gelb laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: -
Maße: 57,9 x 44,5 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab ohne Maßeinheit
Beschriftungen: oben links: "Zweÿte Anlage / Zwischen der Orangerie und / der Aue / nebst der Hofküche und Hofgärtner- / Wohnung und Lorbeer-Hauses / i. Jahr: 17[..]" (Feder in Schwarz)
oben rechts: "2c" (Feder in Schwarz)
unten rechts: "Ghezzy" (Feder in Schwarz)
in der Darstellung: diverse Erläuterungen (Feder in Schwarz)


Katalogtext:
Blatt 2c im Klebeband “Plans von Fürstlichen Gärten in Hessen” (zum Klebeband vgl. den Einleitungstext "Orte in Hessen, Hanau, Gartenanlagen") enthält die "Zweÿte Anlage / Zwischen der Orangerie und / der Aue / nebst der Hofküche und Hofgärtner- / Wohnung und Lorbeer-Hauses. / i. Jahr: 17[..]". Dieses von dem hessischen Landbaumeister Giovanni Ghezzi signierte Blatt steht in engem Zusammenhang mit der als “Erste Anlage” bezeichneten vorhergehenden Zeichnung (Marb. Dep. 254,6), die die Wirtschaftsgebäude westlich des Marmorbades, ein auf der alten Meierei basierendes Gebäudekonglomerat, zeigt. Demgegenüber handelt es sich bei der vorliegenden Zeichnung um einen Entwurf für die Reduzierung der Wirtschaftsgebäude. Erhalten bleiben sollten nur zwei rechtwinklig zueinander stehende Gebäude, die auch im vorherigen Plan besonders markiert sind, wodurch mehr Fläche für den Garten freigeworden wäre. Das langgestreckte Gebäude unweit des Marmorbades beinhaltet hier die “Herrschaftliche Küche” mit kleinem “Speisezimmer vor den Hof- und Küchenmeister” und “Gärtners brau und backhaus”. Am unteren Ende liegen noch die “Stallungen vor den Hofgärtner”. Die anschließende Einfahrt verbindet diesen Bau mit dem rechtwinklig anschließenden Gebäude, das im vorderen Drittel die “Gärtners-Wohnung”, im hinteren Teil einen “Saal vor die Lorbeerbäume” aufnehmen sollte. Sämtliche Details, Raumaufteilung, Treppen und Öfen sind so genau geschildert, das man eine konkrete Planung annehmen kann.
Ein Plan im Archiv der Stadt Kassel, gezeichnet von C. M. B. de Degenfeldt um die Mitte des 18. Jahrhunderts (Stadtarchiv Kassel, Zug.Inv. 820), gibt an dieser Stelle zwei vergleichbare, rechtwinklig aufeinandertreffende, längliche Gebäude wieder, denen aber noch ein weiterer Bau im Bereich der in dem ersten Blatt (Marb. Dep. 254,6) eingezeichneten Stallungen angefügt ist. Weitere Informationen liefert eine Gemälde der Tischbeinschule um 1750-1754, das den Ausritt von drei Prinzen in der Aue zeigt (mhk, Neue Galerie, AZ 751; frdl. Hinweis von Stefanie Heraeus), auf dem man deutlich zwei Gebäude parallel zur Orangerie erkennen kann. Bei dem vorderen, größeren von beiden dürfte es sich um die große “Scheuer und vorherige Ochsenstallung” des ersten Plans handeln, die in Ghezzis Entwurf die Gärtnerwohnung und Lorbeerbäume aufnehmen sollte. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um jenes Haus, das in einer Reisebeschreibung von 1753 wie folgt beschrieben wird: “In selbigem [Lustgarten] stehet auch ein altes, schlechtes und nicht gar grosses Gebäude, so vor diesem zu den Gewächsen gebraucht worden. Wie dann noch wirklich ziemlich viele, aber meist Lorbeer-Bäume darinnen stunden” (Uffenbach 1753, S. 26). Das hintere, niedrigere Gebäude, von dem man nur die Stirnseite sieht, wäre demnach identisch mit den Stallungen des ersten Plans.
Man kann deshalb davon ausgehen, daß der Entwurf Ghezzis, der auf der Bauaufnahme des ersten, um 1740 zu datierenden Plans beruht, nur teilweise nach und nach zur Ausführung kam. Der Abbruch einiger Gebäude ist allerdings belegt; nach Holtmeyer kaufte Landgraf Wilhelm VIII. 1740 einen Garten unter dem Weinberg zur Anlage einer Meierei “und baute aus dem Material des in der Aue abgebrochenen Viehhofs eine Stallung” (Holtmeyer 1923, S. 630). Die übrigen Meiereigebäude in der Aue waren verpachtet. Der Entwurf Ghezzis dürfte also auf Überlegungen des Landgrafen zur Nutzung der alten Meiereigebäude zurückgehen und damit ebenso wie der erste Plan um 1738/40 zu datieren sein. Spätestens zum Zeitpunkt des Baues des Küchenpavillons als Pendant zum Marmorbad auf der anderen Seite der Orangerie wurden offensichtlich sämtliche Wirtschaftsgebäude abgerissen, da sie 1767 in Schminckes genauer Beschreibung der Aue nicht mehr auftauchen. Auch ein Nachstich des Gemäldes der Tischbeinschule von W. C. Mayr aus dem Jahre 1783 läßt die Gebäudegruppe gänzlich wegfallen.
Stand: September 2004 [UH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017



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