12.1.2.1 - Akademieentwurf einer Schloßanlage, Lageplan



12.1.2.1 - Akademieentwurf einer Schloßanlage, Lageplan


Inventar Nr.: GS 16808
Bezeichnung: Akademieentwurf einer Schloßanlage, Lageplan
Künstler: Albrecht (Abraham) Rosengarten (1809 - 1893), Zeichner
Datierung: 1836 (nach)
Geogr. Bezug:
Technik: Graphit, Feder in Schwarz
Träger: Papier
Wasserzeichen: keine Angabe
Maße: 48,8 x 60,9 cm (Blattmaß)
42,5 x 54,3 cm (Darstellungsmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "Fuß"
Beschriftungen: oben mittig: "I." (Feder in Schwarz)
unten rechts: "Rosengarten" (Feder in Braun)
oben mittig: "Norden" (Feder in Schwarz)
links mittig: "Westen" (Feder in Schwarz)
rechts mittig: "Osten" (Feder in Schwarz)
unten mittig: "Süden" (Feder in Schwarz)


Katalogtext:
Rosengartens Situationsplan zu der idealtypischen Sommerresidenz verdeutlicht den Anspruch der weitläufigen Anlage, die, wie viele herrschaftliche Villen des 19. Jahrhunderts, in landschaftlich exponierter Lage auf einem Hügel errichtet werden sollte. Für das im Zentrum gelegene Schloß wählt Rosengarten einen rechteckigen Grundriß mit zwei langgestreckten Querflügeln, die durch einen breiten Mitteltrakt miteinander verbunden sind. Die beiden auf diese Weise entstandenen quadratischen Höfe trennt eine offene Arkadenstellung in der Flucht der beiden Querflügel von dem umgebenden Park.
Zur Hangseite hin wird das stark abschüssige Gelände durch Rampen für Kutschen erschlossen. Eine großzügige, spiegelsymmetrisch angelegte Terrassenanlage mit Treppen, Springbrunnen, einer Pergola und schattenspendenden Bepflanzungen ermöglicht in der Hauptachse des Schlosses den Zugang für Fußgänger und bietet abwechslungsreiche Plätze zum Verweilen. Auf der ebenen Nordseite erstreckt sich ein großes Wasserbassin über die gesamte Breite des Schlosses mit halbrunden Ausbuchtungen an den Schmalseiten sowie der dem Schloß abgewandten Seite. Rechts des Schlosses liegt eine Reithalle mit zwei seitlichen Ställen, links davon als spiegelbildliche Ergänzung ein großer, runder, von Bäumen umstandener Platz. Eine breite Allee führt von den Schmalseiten des Schlosses zum Marstall und zu der runden Platzanlage, von der aus ein breiter Weg nach Norden führt, wo ein weiteres Gebäude, ein Zentralbau, dessen Funktion aufgrund der verlorengegangenen Legende nicht mehr klar bestimmt werden kann, durch kreuzförmig auf ihn zulaufende Wege inszeniert wird. Oberhalb des Marstalls befindet sich die Rennbahn.
In der Konzeption eines herrschaftlichen Sommerwohnsitzes in terrassierter Hanglage steht der idealtypische Entwurf von Rosengarten in einer Tradition, die sich letztlich auf italienische Renaissancevillen zurückführen läßt, wie die auch im 19. Jahrhundert noch berühmte und vielfach besuchte Villa d'Este in Tivoli. Während bei diesen Villen die Hangseite jedoch stets die dem Garten zugewandte, nur dem geladenen Besucher zugängliche Seite war, scheint dort bei Rosengarten der Hauptzugang zum Schloß zu liegen. Dafür spricht außer der aufwendigen Kutschenauffahrt, die über mehrere Rampen bis zum Schloß emporführt, auch die Position des Treppenhauses im Innern des Gebäudes (vgl. GS 16806). Eine wichtige Funktion als zusätzliche Eingänge scheinen darüber hinaus die beiden Schmalseiten des Schlosses innezuhaben, die nicht nur durch die breite Allee hervorgehoben werden, die auf sie zuführt, sondern auch durch die Platzanlage davor, die in der Flucht der Eckrisaliten mit quadratischen Bosquets versehen ist. Über eine Art Ehrenhof erreicht der Besucher von hier aus zunächst einen achteckigen Vorraum und dann die zentrale Halle vor dem Treppenhaus.
Trotz der anderen topographischen Situation erinnert die Gesamtkonzeption von Rosengarten an die Entwürfe von Luigi Vanvitelli (1700-1773) zum Palazzo Reale in Caserta, die durch das Stichwerk von Carlo Nolli weit verbreitet waren. Bereits Heinrich Christoph Jussow hatte sich bei seinen Entwürfen zur Chattenburg an diesem monumentalen Bau in der Nähe von Neapel orientiert.
Stand: August 2007 [CL]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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