12.1.3.3 - Akademieentwurf einer Schloßanlage, Schloß, Grundriß des Erdgeschosses



12.1.3.3 - Akademieentwurf einer Schloßanlage, Schloß, Grundriß des Erdgeschosses


Inventar Nr.: GS 16811
Bezeichnung: Akademieentwurf einer Schloßanlage, Schloß, Grundriß des Erdgeschosses
Künstler: Georg Rudolph (1813 - 1897), Zeichner
Datierung: 1836/37
Geogr. Bezug:
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, Pinsel in Schwarz
Träger: Papier
Wasserzeichen: "J WHATMAN / 1836"
Maße: 51,4 x 70,3 cm (Blattmaß)
38,9 x 60,7 cm (Darstellungsmaß)
Maßstab:
Beschriftungen: oben mittig außerhalb der Randlinie: "III." (Feder in Schwarz)
unten rechts: "Rdlph." (Feder in Schwarz)


Katalogtext:
Rudolph entwickelte den weitläufigen, dem repräsentativen Zweck untergeordneten Schloßkomplex auf der Grundfläche einer U-Form, die von einer langgestreckten, quer liegenden Achse durchkreuzt wird. An den Enden der Querachse sind ebenso wie an den Ecken des U-förmigen Komplexes pavillonartige Kopfbauten ausgebildet, die in sich abgeschlossene Raumkompartimente bilden und die Anlage zusätzlich akzentuieren. Einen vergleichbaren Grundriß, jedoch von wesentlich geringerem Ausmaß, hatte Pierre-Charles-Joseph Normand für ein "Ancien Château" in Rahmen seines "Recueil varié" aus dem Jahr 1823 (Taf. 15) vorgestellt, auf den sich Rudolph bezogen haben könnte. Allerdings bot auch ein Kasseler Projekt, der Bau der Chattenburg, ein Vorbild für die Grundrißgestaltung.
Der hier vorliegende Erdgeschoßgrundriß ist ein typisches Beispiel für ein akademisches Idealprojekt, das durch die Anhäufung unterschiedlich geformter Räume mit verschiedener Binnengliederung und differenzierter Deckengestaltung einerseits den bemüht anspruchsvollen Charakter der Anlage vor Augen führt und gleichzeitig eine Dokumentation der Kenntnisse des Schülers ermöglicht.
Im Vergleich mit dem Entwurf von Rosengarten lassen sich abgesehen von dem wesentlichen Merkmal der Anlage mit zwei Binnenhöfen erneut verbindende Elemente feststellen. In beiden Entwürfen wird das Gebäude durch einen axialen Mitteltrakt erschlossen, in dem sich ein Säulenvestibül mit dem anschließenden Haupttreppenhaus befindet. Bei Rudolph verbleibt seitlich der Haupttreppe ein breiter Gang, der im Karree beidseitig um die Innenhöfe geführt wird, wobei die Kreuzrippenwölbung an drei Seiten ebenso wie die mittig angeordneten Brunnen an mittelalterliche Klöster denken läßt. Im rückwärtigen Teil ist der Gang Teil einer transversalen Erschließung, die sich durch die gesamte Querachse zieht und auf halber Strecke von den vertikalen Gebäudetrakten geschnitten wird. In dem hinteren Gebäudeteil sind in ähnlicher Anordnung Nebentreppenhäuser untergebracht, die diesen Bereich erschließen. Zwar sind die verschiedenen Räume durch Buchstaben gekennzeichnet, diese lassen sich angesichts der fehlenden Legende jedoch nicht unmittelbar mit einer Funktion belegen.
Im unmittelbaren Vergleich der beiden Schülerentwürfe überzeugt die kompakte, funktional durchdachte Anordnung der Räume mit den entsprechenden Erschließungsmöglichkeiten bei Rosengarten (s. GS 16806). Rudolph kaprizierte sich zu stark auf die Anhäufung der Räume, die mit dem Variantenreichtum bei Rosengarten nicht mithalten können. Dies mag bei der Beurteilung unter anderem gegen seinen Entwurf gesprochen haben.
Stand: August 2007 [MH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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