2.7.1.9 - Kassel-Wilhelmshöhe, Aquädukt, Variante des ersten Entwurfs, Aufriß



2.7.1.9 - Kassel-Wilhelmshöhe, Aquädukt, Variante des ersten Entwurfs, Aufriß


Inventar Nr.: GS 5845
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Aquädukt, Variante des ersten Entwurfs, Aufriß
Künstler: Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825), Architekt
Datierung: 1789 (vor)
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit, Feder in Grau, grau und rosa laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: keine Angabe
Maße: 30,8 x 98,7 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: unten rechts: "Jussow del" (Feder in Grau)


Katalogtext:
Eine reizvolle Architekturzeichnung im landschaftlichen Kontext gelingt Jussow mit diesem Aufriß vom geplanten Aquädukt in Verbindung mit einem römischen Rundtempel. Die Zeichnung ist Anfang 1788 oder früher entstanden, denn sie steht noch ganz unter dem Eindruck von Jussows Italienaufenthalt. Vor dem malerischen Hintergrund aufsteigender Zypressen und Pinien, die den Eindruck einer südländischen Landschaft wie der Campagna vermitteln, verläuft die römische Wasserleitung vom Berg ins Tal. In nördlichen Gefilden wurden in englischen Landschaftsgärten als Ersatz für diese südlichen Bäume Pappeln und Libanon-Zedern gepflanzt (Manuskript Schuchard/Dittscheid). Ein ruinöses Wasserkastell läßt den Wasserfall an höchster Stelle im freien Fall herabstürzen. Hinter dem Wasserfall-Szenario erhebt sich ein überkuppelter Rundtempel, mit der der Italienkundige das Grabmal der Caecilia Metella assoziieren kann (vgl. Manuskript Schuchard/Dittscheid). In der hier vorgestellten Aquädukt-Szene kommen zweifelsohne arkadische Motive zum Tragen. Der Einfluß des großen römischen Vedutenmalers Giovanni Battista Piranesi (1720-1778) auf den jungen Architekten ist spürbar deutlich (vgl. Giovanni Battista Piranesi, Della Magnificenza ed Architettura de'Romani, Rom 1765). Der Aquädukt ist in seiner ganzen Länge mit acht Bögen dargestellt. Er trifft auf ein römisches Wasserkastell, an das der römische Rundtempel rückwärtig anschließt. Die Bögen der imposanten Wasserleitung, die zugleich einen Durchblick nach Norden in die Landschaft ermöglichen, überbrücken das Gefälle zwischen der Zulaufrinne und dem Ruinenkastell. Dieses springt deutlich vor. Auffallend ist der im Vergleich zu späteren Skizzen relativ niedrige Wasserfall, der über den letzten Bogen des Wasserkastells herabfällt. Er stürzt in keine Schlucht, sondern lediglich die Gebäudehöhe hinab. Nun strömt das Wasser über Felsbrocken, die am Fuße der Ruine scheinbar natürlich postiert sind. Der abgebrochene Bogen an der Ostflanke des Tempio tondo, insbesondere aber der pflanzliche Bewuchs auf der Kuppel sowie auf dem Castello und entlang des Acquedotto untermalen den Ruinencharakter.
Im Unterschied zum Entwurf GS 5846 scheint der Rundtempel kein Opaion zu besitzen. Auffällig ist aber auch hier Jussows Bemühen um eine getreue Wiedergabe römisch-antiker Baukunst. Auf die horizontale Wandgliederung des römischen Rundtempels wird ebenso geachtet wie auf die figürlichen Details. Jussow zeigt in der unteren Wandzone einen schmalen Läuferverband aus Ziegelsteinmauerwerk, der den großen doppelten Entlastungsbogen aufnimmt. Weiter oben, auf Höhe der Wasserabsturzstelle, grenzt er die beiden oberen Entlastungsbögen mit einem Bukranienfries ab. Sämtliche Entlastungsbögen erscheinen in feiner Keilsteintechnik. Ein Zahnschnittfries unter dem Gesims der Kuppel markiert den Eintritt in die Dachzone.

Text übernommen aus Katalog Kassel 1999/CD-Rom [HB]


Literatur:
Katalog Kassel 1958, S. 24f., Nr. 65; Katalog Kassel 1986/1, S. 131, Abb. 24e; Katalog Kassel 1999/CD-Rom; Katalog Kassel 1999/1, S. 178, Kat.Nr. 53; Becker 2005, Abb. 139; Becker/Karkosch 2007, S. 139, Abb. 138


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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