2.7.1.2 - Kassel-Wilhelmshöhe, Aquädukt, erster Entwurf, Grundriß und Schnitt



2.7.1.2 - Kassel-Wilhelmshöhe, Aquädukt, erster Entwurf, Grundriß und Schnitt


Inventar Nr.: GS 5846
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Aquädukt, erster Entwurf, Grundriß und Schnitt
Künstler: Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825), Architekt
Datierung: 1789 (vor)
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Feder in Grau, schwarz, grau und rosa laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: keine Angabe
Maße: 30,7 x 96,3 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "Fuß"
Beschriftungen: unten rechts: "Jussow del" (Feder in Grau)
verso: "Ite Idee von dem Aqueduc zu Wilhelmshoehe, welche aber zu theuer war und deshalb nicht ausgeführt worden ist." (Feder in Braun)


Katalogtext:
Abgesehen von Johann Heinrich Tischbeins (1722-1789) Ansicht eines Aquädukts auf seinem Idealprospekt für den Weißensteiner Park aus dem Jahr 1786 (Johann Heinrich Tischbein, Der Aquädukt, Öl auf Leinwand, 1786; Bad Homburg v. d. H., Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, Inv.Nr. 1.1.523), ist dies der früheste und erste konkrete Hinweis auf den Plan, eine römische Wasserleitung im Bergpark Wilhelmshöhe - damals noch Weißenstein genannt - zu errichten. Auch auf drei weiteren Ölgemälden, die alle 1786 bis 1787 entstanden, gibt Tischbein bereits vor der Umgestaltung des Gartens von Friedrich II. eine Vorausschau auf die zukünftige Gestaltung des romantischen Landschaftsgartens durch Wilhelms IX. Bemerkenswert sind dabei die weitreichenden Übereinstimmungen mit der später ausgeführten Anlage. Dies spricht dafür, daß der Maler Tischbein, der Architekt Jussow und der Gärtner Schwarzkopf eng zusammengearbeitet haben und daß Wilhelm IX. bereits sehr früh ein Konzept zur Neugestaltung der Anlagen gehabt haben muß (vgl. dazu Plaßmann 1993, S. 21-29).
Die Zeichnung stammt wohl vom Beginn des Jahres 1788, denn der Bau des Aquädukts erfolgte von 1788 bis 1792. Damit ist der Aquädukt der früheste der romantischen Wasserfälle im Bergpark. Mit diesem Entwurf, der nicht ausgeführt wurde, präsentiert Jussow die für einen Landschaftspark wohl einzigartige Verbindung von ruinöser Wasserleitung und Rundtempel. Beide Architekturmotive sind der römisch-antiken Baukunst entnommen und sollen Assoziationen an den 'locus amoenus' erwecken (Manuskript Schuchard/Dittscheid).
Der Aquädukt wird über acht Bögen an einen querliegenden Baukomplex herangeführt. Dieser setzt sich aus einem Wasserkastell - einem Kubus, der zwei Bögen tief und drei Bögen lang ist - und dem rechtwinklig dahinter liegenden Rundbau zusammen. Der auf dem Grundriß dargestellte, an den Rundbau anschließende Bogen wird auf dem Schnitt nicht gezeigt. Hingegen wurde auf die Darstellung der Innendekoration großen Wert gelegt. Den Tempel überwölbt eine halbkugelige Kalotte, in die ein Opaion eingelassen ist. Die Bogenarchitektur ist durch Archivolten und einen Bukranienfries ornamentiert. Im Inneren des Rundbaus wiederholt sich mit Nischen, Festons, Gebälk, Figurenfries und Kassettierung der antikisierende Einschlag der Louis-Seize-Dekoration (Manuskript Schuchard/Dittscheid).
Der Schnitt durch einen Pfeiler zeigt die frühe Version der Rinnenführung für den Zulauf des Wassers. Sie liegt etwas oberhalb des Kranzgesimses, das Rinnenprofil ist halbkreisförmig. Auf späteren Darstellungen (vgl. GS 5848) ist das Profil viereckig und liegt auf gleicher Höhe mit dem Kranzgesims. Kennzeichnend für das frühe Stadium der Planung ist trotz des ruinösen Habitus die starre Schematisierung der Anlage. Typologisch und stilistisch ergeben sich Abhängigkeiten vom Werk Robert Adams' (1728-1792; vgl. Manuskript Schuchard/Dittscheid; schon 1757 hat Robert Adam in Rom unter Einfluß von Clérisseau die ersten benutzbaren Ruinenbauten für Parks geplant).

Text übernommen aus Katalog Kassel 1999/CD-Rom [HB]


Literatur:
Bangert 1969, S. 32, Abb. 26; Katalog Kassel 1999/CD-Rom


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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