2.3.6.9 - Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Weißensteinflügel, Skizze zweier Armsessel "à la Reine" für das Kabinett, das Audienzzimmer und den Saal, perspektivische Ansicht



2.3.6.9 - Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Weißensteinflügel, Skizze zweier Armsessel "à la Reine" für das Kabinett, das Audienzzimmer und den Saal, perspektivische Ansicht


Inventar Nr.: GS 6126
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Weißensteinflügel, Skizze zweier Armsessel "à la Reine" für das Kabinett, das Audienzzimmer und den Saal, perspektivische Ansicht
Künstler: Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825)
Datierung: 1789
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit
Träger: Papier
Wasserzeichen: keine Angabe
Maße: 20,7 x 32 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: oben links: "Cabinet auch stühle ohne lehnen." (Graphit)
oben rechts: "audienz zim / mit Canapée und stühlen" (Graphit)
unten rechts: "im Saal ebensolche Lehnsessel Stühle und Canapees." (Graphit)


Katalogtext:
Die Skizze zeigt zwei Armsessel im Typus "à la Reine", die Jussow für den Weißensteinflügel entworfen hat. "À la Reine" bezeichnet hierbei Fauteuils mit einem rückseitig geraden Gestellrahmen und einer geraden Rückenlehne, die im Raum fest plaziert waren, d. h. vor der Wand aufgestellt wurden.
Der Armsessel der linken Seite sollte zusammen mit anderen Stühlen im Kabinett Aufstellung finden. Leider ist heute der genaue Standort nicht mehr verifizierbar, da die Inventare keine Einzelheiten der Fauteuils à bras beschreiben.
Der Armsessel steht auf konischen, nach unten verjüngten Beinen mit gedrehten Kanneluren. Mit Rosetten geschmückte Würfel markieren die Ecken des Gestellrahmens und bilden die Verbindung zu den Armlehnen. Die Rückenlehne verläuft oben in einem flachen Bogen und ist wie die Sitzfläche und die Manschetten der Armlehnen gepolstert. Die Zarge, die Rahmung der Rückenlehne sowie die geschwungenen Armstützen sind reich mit angedeuteten Ornamentbändern verziert.
Der rechts für das Audienzzimmer bestimmte Fauteuil à bras ist eine Formvariante des ersten. Hier hat er allerdings den Rang eines Thronsessels. Die Rückenlehne wird von einem stehenden Lorbeerkranz mit eingesteckten Zweigen bekrönt und dadurch besonders ausgezeichnet. Sie ist quadratisch geformt und mit einem hohen, runden Polster versehen. Die Zwickel der Lehne sind wiederum mit geschnitzten Ornamenten ausgefüllt.
Als Mustervarianten werden für den Saal, der mit ebensolchen Sitzmöbeln ausgestattet werden sollte, noch eine andere Beinform zusammen mit einer von einem Blattstab geschmückten Zarge vorgestellt. Die Variante der Lehnenrahmung zeigt statt des herausstehenden Kranzes eine mit Girlanden gefaßte Deckelschale.
Diese besonders ausgeschmückte Ausstattung charakterisiert Teile einer Garnitur, die analog als Sessel, Stühle und Kanapees ausgestaltet waren. In ihrer reichsten Ausführung fanden sie üblicherweise im ersten Appartement ihren Gebrauch. Im Hofzeremoniell sind solche Fauteuils à bras "à la Reine" das am höchsten zu bewertende Möbel, dessen Gebrauch der fürstlichen Familie und Gleichgestellten vorbehalten war.
Die Formentwicklung ist französischen Modellen aus der Zeit um 1780 entlehnt. Auffallend ist die Ähnlichkeit mit den Sitzgarnituren, welche Georges Jacob 1781/82 in Paris für Schloß Karlsberg angefertigt hat (vgl. Hojer/Ottomeyer 1995, S. 203, Nr. 50). Heinrich Christoph Jussow wird die Möbel Jacobs sehr wohl bei seinem Parisaufenthalt gesehen haben, wenn nicht sogar in Schloß Karlsberg selbst, das auf der Wegstrecke von Kassel nach Paris über Varennes lag.
Ausführungen aller drei Entwurfsvarianten in weiß-goldener Fassung haben sich erhalten. Die für das Kabinett vorgesehenen Fauteuils befinden sich heute in Schloß Wilhelmsthal im Schlafzimmer des Landgrafen, während die beiden anderen im Weißensteinflügel im Vestibül (Raum 100) und in der Bildnisgalerie aufgestellt sind. Ihre Bezüge in Seidendamast korrespondierten einst mit der Wandbespannung der Räume.

Text übernommen aus Katalog Kassel 1999/CD-Rom [ST]


Literatur:
Katalog Kassel 1999/CD-Rom


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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