2.6.4.1 - Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Entwurf zum Osttrakt, Aufriß von Osten



2.6.4.1 - Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Entwurf zum Osttrakt, Aufriß von Osten


Inventar Nr.: GS 5650
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Entwurf zum Osttrakt, Aufriß von Osten
Künstler: Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825), Architekt
Datierung: 1794/95
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit, Feder in Braun, braun laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: keine Angabe
Maße: 30,4 x 49,2 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen:


Katalogtext:
Bald nach dem Baubeginn im Dezember 1793 muß sich Landgraf Wilhelm IX. entschlossen haben, die Löwenburg ein erstes Mal erheblich zu vergrößern. Die sukzessive Zusammenfassung der anfangs stark ruinösen und separierten Gebäudeteile zu einem einheitlichen Osttrakt dokumentieren zunächst verschiedene Detailgrundrisse (GS 5684, GS 5677). Ein Gesamtaufriß, der für die Ausführung im Jahr 1794 verbindlich war, als sich nach den "Historischen Nachrichten" bereits der Bergfried, die südöstliche Gebäudegruppe mit dem ruinösen Eckturm, die Küche, die Türmerswohnung und das Nordtor im Bau befanden, hat sich dagegen nicht erhalten.
Die vorliegende Zeichnung ist in den Winter 1794/95 zu datieren, als auch das Südtor bereits geplant war. Der Entwurf scheint in einem Zuge entstanden zu sein. Dagegen versucht Dittscheid, aus der Zeichnung den für das Jahr 1794 verbindlichen Aufriß zu "destillieren" (Dittscheid 1987, S. 169). Seiner Meinung nach sollen einzelne Partien wie die beiden Tore, das Drillingsfenster und Teile der Zinnen beim Herrenbau erst nachträglich dem Entwurf hinzugefügt worden sein.
Der Befund vermag diese These nicht zu unterstützen: Alle Aufrißentwürfe zur Löwenburg sind so angelegt, daß die Gebäude annähernd mittig plaziert sind und an den Seiten ein nicht zu breiter gleichmäßiger Rand verbleibt. Wäre das Südtor nachträglich ergänzt worden, wie Dittscheid behauptet, so würde der Aufriß aus der Mitte erheblich nach rechts verrückt. Dies ist aber gänzlich unüblich (bezeichnenderweise rückt Dittscheid denn auch in seiner Rekonstruktionszeichnung des angeblichen ersten Zustands der Zeichnung das Gebäude in die Mitte und beschneidet die Blattmaße zu den Seiten hin; Dittscheid 1987, Abb. 301).
Zwar fertigte Jussow häufig seine neuen Entwürfe auf der Basis von Kopien älterer Planungszustände an, in der Regel sind die unterschiedlichen Phasen jedoch eindeutig zu unterscheiden. So sind die Kopien meist in grauer oder schwarzer, die Ergänzungen aber in brauner Feder angelegt (vgl. etwa GS 5657). Im Gegensatz dazu wurde dieser Entwurf ausschließlich in brauner Tinte ausgeführt und auch die Kolorierung scheint in einem Zuge erfolgt zu sein. Alles spricht dafür, daß die Zeichnung in einem Guß zeitgleich mit dem ersten Gesamtgrundriß zur Löwenburg Marb. Dep. 45 entstanden ist.
Hinweise auf einen früheren Planungszustand gibt allerdings der hofseitige Aufriß des Osttrakts GS 5657. Er wurde mehrfach überarbeitet und stellt mehrere Zustände übereinander dar, wobei der früheste vor dem vorliegenden stadtseitigen Aufriß entstanden sein muß. Er zeigt das Südtor noch ohne Aufsatz und zwischen Retraite und Donjon eine im oberen Bereich ruinös geschlossene Mauer.
Jussow hat häufig Anregungen und Veränderungsvorschläge, die sich vermutlich direkt in der Auseinandersetzung mit dem Bauherrn ergaben, zunächst flüchtig mit Graphit in seine Präsentationsrisse einskizziert. Auch hier findet sich ein derartiger Hinweis auf das weitere Baugeschehen: Im Original ist links vom Bergfried eine zarte Graphitlinie zu erkennen, die in Höhe des Laufgangs vom Bergfried einen Zinnenkranz andeutet. Offensichtlich handelt es sich um eine erste Ideenskizze zur Aufstockung des Gebäudes, wie sie spätere Aufrisse des Osttrakts zeigen (GS 5652). Die "Historischen Nachrichten" berichten 1795 zum ersten Mal von dem Plan, den Palas aufzustocken.
Wie Dittscheid festgestellt hat, ist der Aufriß von dem Grundriß Marb. Dep. 45 abgenommen worden, in dem eine entsprechende Konstruktionslinie eingezeichnet ist. Er entspricht dem frühesten, stellenweise ausradiertem Zustand des Grundrisses.

Text übernommen aus Katalog Kassel 1999/CD-Rom [CL]


Literatur:
  • Hanschke, Julian: Friedrich Weinbrenners Gotischer Turm in Karlsruhe. Neue Erkenntnisse zu einem frühen beispiel neugotischer Architektur in Baden. In: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg 48/49 (2011/2012), S. 45-65, S. 65.


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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