2.6.4.2 - Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Entwurf zum Osttrakt, Aufriß von Osten



2.6.4.2 - Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Entwurf zum Osttrakt, Aufriß von Osten


Inventar Nr.: GS 5652
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Entwurf zum Osttrakt, Aufriß von Osten
Künstler: Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825), Architekt
Datierung: 1795
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit, Feder in Grau und Braun, grau und braun aquarelliert
Träger: Papier
Wasserzeichen: keine Angabe
Maße: 33,1 x 50,3 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: unten mittig: "sämtliche Fenster auf dieser Seite der Burg in der bel Etage wurden 6 fus hoch und 2 2/3 fus breit. / die Sohlbänke kommen 18'-9'' zoll über den Fusboden des Rez de chaussée zu liegen." (Feder in Braun)


Katalogtext:
Der Entwurf zur Aufstockung des Osttrakts dokumentiert beispielhaft die Zeichentechnik und die gestalterische Vorgehensweise, die Jussow bei der Löwenburg anwandte. Der Entwurf basiert auf einer Kopie des alten Planungszustandes von GS 5650, der, möglicherweise von einem Eleven, in grauer Tinte auf ein neues Papier übertragen wurde (vgl. dazu auch Dittscheid 1987, S. 352, Nr. 166). Auf diese Kopie hat Jussow die neuen Planungen in brauner Tinte eingetragen. Im Original ist der ehemalige Verlauf des Mauerwerks, etwa bei dem Eckturm oder beim Herrenbau, unschwer zu erkennen.
Das Arbeiten mit Kopien wird das Zeichnen der Entwürfe vereinfacht und beschleunigt haben. Diese Vorgehensweise ist aber auch charakteristisch für den Planungsverlauf der Löwenburg. Sukzessive wurde aus der Ruine eine vollständige Burganlage entwickelt, der ruinöse Eckturm im Südosten etwa zu einem funktionstüchtigen Treppenturm ausgebaut oder eine einfache Mauer zwischen zwei Gebäuden in einen Verbindungstrakt umgewandelt. Das Prozeßhafte der Planungen ist an den Zeichnungen deutlich ablesbar und bestimmt ihren Charakter.
Der Plan, den Osttrakt um ein Geschoß zu erhöhen, deutete sich bereits im vorangegangenen Aufriß an (GS 5650). Erstmals erwähnt wird dieses Projekt 1795 in den "Historischen Nachrichten". 1796 wurden die Pläne "resolviert" (Holtmeyer 1913, S. LXXIX) und die Aufstockung befand sich teilweise bereits im Bau. Vermutlich ist der Entwurf zu Beginn des Jahres 1795 entstanden. Für diese frühe Datierung spricht auch, daß der Zwinger, der 1796 bereits ausgeführt wurde, noch nicht dargestellt ist. Dittscheid setzt dagegen die Aufstockung der Burg später an und datiert das Blatt ins Jahr 1796. Eigenartig mutet an, daß er zum einen den Quellenwert der "Historischen Nachrichten" anzweifelt, sie zum anderen jedoch für seine Argumentation nutzt, sofern die angegebenen Daten seiner Vorstellung vom Bauverlauf entsprechen (Dittscheid 1987, S. 177f.).
Besonders intensiv scheint Jussow die Gestaltung des Küchentrakts im Nordosten beschäftigt zu haben, wie starke Radierspuren bezeugen. Die in diesem Blatt vorgeschlagene Dachlösung mit dem Turmaufsatz wurde nicht realisiert, sondern der seitliche Turm, den Jussow in Graphit grob einskizziert hat. In dem Entwurf zur Hofseite des Osttrakts taucht diese Dachform in der ausgeführten Version auf (GS 5657).
Daß Jussow in diesem wie in dem folgenden Aufriß das Nordtor unterschlagen hat, das im ersten Entwurf noch wiedergegeben war, erstaunt. Zeichnerisch reizvoll auf dieser Präsentationszeichnung sind die Detailstudien in brauner Tinte und in Graphit zu den Fenstern des Obergeschosses vom Herrenbau und zu dem kleinen Aufsatz zwischen den beiden Gebäudetrakten.

Text übernommen aus Katalog Kassel 1999/CD-Rom [CL]


Literatur:
Katalog Kassel 1958, S. 19, Nr. 50; Bangert 1969, S. 110, Anm. 12; Biehn 1970, S. 338, Abb. 11; Dittscheid 1987, S. 177f., 352, Nr. 166, Abb. 328 (1796); Katalog Kassel 1999/CD-Rom; Katalog Kassel 1999/1, S. 160, Kat.Nr. 42


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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