2.6.2.4 - Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Detailentwurf zum Erd- und Zwischengeschoß des Bergfried, Grundriß



2.6.2.4 - Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Detailentwurf zum Erd- und Zwischengeschoß des Bergfried, Grundriß


Inventar Nr.: GS 5678
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Detailentwurf zum Erd- und Zwischengeschoß des Bergfried, Grundriß
Künstler: Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825), Architekt
Datierung: 1793/94
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit, Feder in Grau, grau laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: keine Angabe
Maße: 48,8 x 34,6 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: oben links: "das Entresol ist / 10 fus bis auf die / Balken hoch. / die Mauerdicke ist / 4 fus 6 zoll." (Feder in Grau)
oben rechts: "die Höhe des Treppen- / tritts ist 6 2/3 zoll auf / eine Umwindung, die 10 fus / Höhe bekomt, gehen 18 tritte. / die Pritsche hat vier tritt- / Breiten. / der innere durchmesser des / Treppenhauses ist 10 fus. / der durchmesser des Zirkels / in welchem das 8 Eck beschrieben / wird, ist 18 fus." (Feder in Grau)
unten links: "das rez de chaussée / ist bis auf die Balken / 17 fus 9 1/3 zoll hoch. / die Mauerdicke ist / 4 fus 6 zoll" (Feder in Grau)
unten rechts: "approbirt. bloß mit Lambry. Die Wände / gemahlt / Wilhelm L" (Feder in Braun)
unten rechts: "die höhe der 14 ersten / Tritte oder bis auf die / erste Pritsche beträgt / 7 fus 9 1/3 zoll. / die vestibule liegt mit / dem Fusboden der / Zimmer, im rez de / chaussée in gleicher / höhe." (Feder in Grau)
in der Darstellung: "Plan de l'Entresol / Plan du Rez de chaussée" (Feder in Grau)


Katalogtext:
Die vier Blätter, die beiden Originale (GS 5678, GS 5680) und die Kopien (GS 5679, GS 5681), gelten der Raumverteilung in den vier Etagen des Bergfrieds. Für eine frühe Datierung dieser Entwürfe in den Winter 1793/94 spricht nicht nur die sechseckige Form des Treppenturms, der oktogonal ausgeführt wurde. Die Wohnfunktionen, die den einzelnen Etagen zugewiesen werden, verdeutlichen zudem, daß zu diesem Zeitpunkt der Turm noch die gesamte Raumabfolge eines Appartements aufnehmen sollte. Andere Nebengebäude, die diese Aufgaben hätten übernehmen können, waren demnach noch nicht geplant. Mit dem Ausbau der Ruine zu einem "ganzen gothischen Bergschloß" (Holtmeyer 1913, S. LXVIII) veränderten sich auch die Funktion und die Aufteilung der Räume im Bergfried entscheidend.
Vom Treppenturm aus, der hier als "vestibule" bezeichnet wird, gelangte der Besucher im Erdgeschoß über eine "antichambre" ins "Cabinet". Die erste Etage übernahm mit der "garderobe", der "chambre à coucher" und einem "cabinet" die Funktion des inneren privaten Gemachs. Es folgten in der "bel Etage" der "Sallon" und im vierten Stock drei Kammern für Bedienstete.
Der Außenlaufgang in Höhe des zweiten Stockwerks, der durch die sieben Türen des Salons zu betreten war, taucht bei diesen Entwürfen zum ersten Mal auf. Der approbierte Aufriß GS 5648 vom November 1793 sah ihn noch nicht vor. Detailskizzen auf der Plankopie GS 5681 zeigen die Konsolen, die den Laufgang in Höhe des ersten Geschosses mit den Rundfenstern tragen.
In den Originalen (GS 5678, GS 5680) sind in Graphit die Veränderungen in der Raumaufteilung einskizziert, die im Zuge der Vergrößerung der Burganlage und der Verlagerung der landgräflichen Wohnung in den Palas vorgenommen wurden. Wie Radierspuren andeuten, entfiel im Erdgeschoß dabei die Trennwand, um deren Position bereits bei der Ausführung des Grundrisses gerungen wurde. Aus "antichambre" und "cabinet" wurde ein großer "Speisse Saal". Im ersten Stock zog Jussow eine Wand ein und unterteilte den Raum in ein Vorzimmer und eine Bibliothek. Die beiden oberen Stockwerke behielten annähernd ihre Raumaufteilung bei.
Die "Historischen Nachrichten" erwähnen diese spätere Nutzung der Räume im Bergfried erstmals im Jahr 1795: "Diese Burg mit zwey Thoren, Zugbrücken und Graben versehen, begrenzt in ihrem Umfange nicht nur alle Nothwendigkeiten, sondern auch selbst Bequemlichkeiten, die ein ehemaliger Bewohner, nach jener Zeiten Sitte, für sich nur verlangt haben könnte. Ein großer 100 Fus hoher und 35 Fus im Durchmeßer haltender Thurm begreift in vier Stockwerken, zu denen eine Windeltreppe von unten hinaufführt, einen Speisesaal eine Bibliothek mit einem Vorzimmer, einen Rittersaal und eine Ritterwohnung" (Holtmeyer 1913, S. LXX). Die Pläne werden also spätestens 1795 überarbeitet worden sein.
Von beiden Entwürfen haben sich Kopien (GS 5679, GS 5681) erhalten, die bereits von einer oktogonalen Form des Treppenturmes ausgehen. Die Wasserzeichen der beiden Originale und der beiden Kopien stimmen nicht überein; Original und dazugehörige Kopie zeigen dagegen jeweils ein und dasselbe Wasserzeichen. Dies könnte dafür sprechen, daß die Entwürfe unmittelbar nach ihrer Fertigstellung kopiert wurden.

Text übernommen aus Katalog Kassel 1999/CD-Rom [CL]


Literatur:
Dittscheid 1987, S. 167f., 199, 348, Nr. 143, Abb. 297 (1793); Katalog Kassel 1999/CD-Rom


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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