2.6.7.1 - Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Entwurf zur Fassade der Kapelle, Aufriß
2.6.7.1 - Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Entwurf zur Fassade der Kapelle, Aufriß
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| Inventar Nr.:
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GS 5689 |
| Bezeichnung:
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Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Entwurf zur Fassade der Kapelle, Aufriß |
| Künstler:
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Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825), Architekt/-in
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| Datierung:
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1794/1795 |
| Geogr. Bezug:
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Kassel-Wilhelmshöhe |
| Technik:
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Graphit, Feder in Braun, braun und grau laviert |
| Träger:
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Papier |
| Wasserzeichen:
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keine Angabe |
| Maße:
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51 x 40,2 cm (Blattmaß)
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| Maßstab:
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unbezifferter Maßstab ohne Maßeinheit |
| Beschriftungen:
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Katalogtext:
Zur Fassadengestaltung der Burgkirche haben sich insgesamt drei Varianten erhalten. Sie bezeugen die besondere Aufmerksamkeit, die Bauherr und Architekt diesem Gebäudeabschnitt widmeten. Der früheste, noch eingeschossige Entwurf zur Fassade ist durch den Gesamtgrundriß der Hofseite des Westtrakts GS 5659 überliefert. Der vorliegende, für einen Detailentwurf ungewöhnlich großformatige Präsentationsriß gibt die zweite Lösung wieder. Der dritte Entwurf GS 5688 entspricht der Bauausführung.
Das zweite Fassadenprojekt muß bald nach dem Gesamtaufriß entstanden sein, denn die angrenzenden Remisen werden noch eingeschossig wiedergegeben. Die Fassade kann einen großen Höhenzuwachs verzeichnen und wurde auf diese Weise gegenüber den angrenzenden eingeschossigen Gebäuden besonders ausgezeichnet. Auf dem Gesamtaufriß sind dagegen die Gebäude auf der südlichen Seite in Graphit bereits zweigeschossig skizziert. Die angedeutete Fassadenlösung entspricht jedoch der zweiten Fassadengestaltung. Offensichtlich lagen die Pläne zur Aufstockung und zur neuen Fassadengestaltung eng beieinander.
Dittscheid hat den Aufbau, die Gliederung und einzelne Details überzeugend aus der italienischen Architektur des Trecento abgeleitet, nämlich von den Fassaden der Dome in Siena und Orvieto. Die Wahl dieser Vorbilder erklärt sich seiner Meinung nach aus der höheren Wertschätzung der italienischen Gotik in der zeitgenössischen Kunsttheorie (Dittscheid 1987, S. 201-203).
Wie häufig bei den Entwürfen von Jussow ist auch hier die ausgeführte Version in Graphit eingezeichnet. Die Präsentationsrisse dienten demnach als Diskussionsmaterial, anhand dessen neue Vorschläge und Lösungen gemeinsam mit dem Landgrafen erarbeitet wurden.
Dem Aufrißentwurf entspricht der Grundriß GS 5687.
Text übernommen aus Katalog Kassel 1999/CD-Rom [CL]
Literatur:
- Hans Reuther: Heinrich Christoph Jussow (1754-1825). Ausstellung des Nachlasses des Künstlers im Hessischen Landesmuseum zu Kassel. In: Kunstchronik 12, S. 49-52. 1959, S. 51.
- Jürgen Klein: Heinrich Christoph Jussow, Erbauer der "Löwenburg" zu Kassel und die englische Neugotik. In: architectura 1975, S. 138-169. 1975, S. 160, Kat.Nr. 7.
- Hans-Christoph Dittscheid, Wolfgang Einsingbach und Adolf Fink: Kassel. Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe. Amtlicher Führer. Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen. Bad Homburg v. d. H. 1976, S. 48, Kat.Nr. 37.
- Dittscheid, Hans-Christoph: Kassel-Wilhelmshöhe und die Krise des Schloßbaues am Ende des Ancien Régime. Charles de Wailly, Simon Louis Du Ry und Heinrich Christoph Jussow als Architekten von Schloß und Löwenburg in Wilhelmshöhe (1785-1800). Worms 1987, S. 176, 201-203, 352, Kat.Nr. Nr. 164, Abb. 319.
- Riedl, Wolfgang: Johann Christian Ruhl (1764-1842). Diss. Göttingen 1993, S. 157.
- Heinrich Christoph Jussow. 1754-1825. Ein hessischer Architekt des Klassizismus. Kassel 1999, S. 166, Kat.Nr. 47.
- Christiane Lukatis, Gerd Fenner und F. Carlo Schmid: H. C. Jussow (1754-1825). Ein hess. Architekt des Klassizismus. Kat. der Zeichnungen a. d. Besitz der Staatl. Museen Kassel, der Verwaltung der Staatl. Schlösser und Gärten Hessen & Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Kassel 1999.
Letzte Aktualisierung: 13.02.2026