2.6.9.24 - Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Entwurf zu einem Schrank im neogotischen Stil, Vorder-, Seiten- und Innenansicht



2.6.9.24 - Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Entwurf zu einem Schrank im neogotischen Stil, Vorder-, Seiten- und Innenansicht


Inventar Nr.: GS 5712
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburg, Entwurf zu einem Schrank im neogotischen Stil, Vorder-, Seiten- und Innenansicht
Künstler: Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825)
Datierung: um 1800
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, gelb und braun aquarelliert
Träger: Papier
Wasserzeichen: keine Angabe
Maße: 25,1 x 32,4 cm (Blattmaß)
Maßstab: unbezifferter Maßstab ohne Maßeinheit
Beschriftungen:


Katalogtext:
Die Inventare verzeichnen, daß zum einen für die Ausstattung der Löwenburg historische Möbel - meist des Frühbarocks - aus anderen hessischen Schlössern, so aus Wabern, ausgewählt wurden ("Verzeichniß derjenigen Möbel aus Schloß Wabern [...], 28. Jan 1798", StAM Best. 5, 11869, fol. 5; vgl. Dittscheid 1987, S. 189), zum anderen wurden Einrichtungsgegenstände im neogotischen Stil beauftragt, wie dieser von Jussow entworfene Aktenschrank (zum Schrank vgl. Biehn 1965, Abb. 12; Himmelheber 1973, S. 136, Abb. 609).
Der Schrank ist in Seiten-, Front- und Innenansicht wiedergegeben. Der Maßstab an der Seite des Blattes zeigt die sorgfältige Proportionierung des Möbels. Der Entwurf stellt in der Grundgliederung einen klassizistischen Kasten dar, der entsprechend auf Rahmen und Füllung gearbeitet ist.
Der gotisierende Dekor wurde allein auf den Schrank appliziert, ohne seinen klassizistischen Aufbau zu durchdringen und zu verändern. Sogar bestimmte Ornamente sind noch der klassizistischen Formensprache entnommen. Dementsprechend ruht der Schrank auf Löwenmonopodien, die mit geschweiften Akanthusblättern belegt sind. Eine Münzschnur auf der Schlagleiste betont die Mittellinie des Schrankes. In der Mitte der Türen sitzen Löwenköpfe. Auch das profilierte Abschlußgesims mit seiner ornamentierten Kehle ist dem klassizistischen Repertoire entnommen. Gotisierend ist allein das aufgestiftete und aufgeleimte Schnitzwerk der Türen. Der über einem Sockel aus Maßwerk aufstrebende Wimperg wird von Fialen, Krabben und einer Kreuzblume abgeschlossen. Er ist entsprechend der starken vertikalen Proportionierung des Pfeilerschrankes ausgebildet.
Jussow lehnte sich bei diesem Schrank nicht an mittelalterliche Vorbilder an. Das Komposit aus klassizistischen und gotischen Formelementen entspricht ganz dem literarischen "gothic revival" um 1800. Der Aktenschrank, der nach der Zeichnung gefertigt wurde, wurde im Schreibkabinett der Löwenburg aufgestellt. Jedoch verzeichnet das Inventar von 1799 den Schrank noch nicht ("Inventarium über Meubles und Effecten zur Fürstl. Löwenburg zu Wilhelmshöhe aufgenommen den 4ten Febr. 1799", StAM Best. 4b, 57 Nr. 3). Er wird erst in den Akten von 1816 verzeichnet, so daß das Möbel bei der abschließenden Möblierung der Burg im Sommer 1800 hinzugekommen sein wird (StAM "Mobiliar Inventarium über die kurfürstl. Löwenburg. Neu aufgestellt im Oktober 1816", fol. 32).

Text übernommen aus Katalog Kassel 1999/CD-Rom [ST]


Literatur:
Klein 1975, Abb. 11; Dittscheid 1987, S. 189; Katalog Kassel 1999/CD-Rom; Katalog Kassel 1999/1, S. 172, Kat.Nr. 50


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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