1.3.6.12 - Kassel, Chattenburg, Entwurf zu einer Längsfront, Aufriß von Norden



1.3.6.12 - Kassel, Chattenburg, Entwurf zu einer Längsfront, Aufriß von Norden


Inventar Nr.: GS 5733
Bezeichnung: Kassel, Chattenburg, Entwurf zu einer Längsfront, Aufriß von Norden
Künstler: Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825), Architekt
Datierung: 1816/17
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Feder in Grauschwarz
Träger: Papier
Wasserzeichen: "[H]ONIG"
Maße: 23,8 x 65,2 cm (Blattmaß)
Maßstab: unbezifferter Maßstab ohne Maßeinheit
Beschriftungen: in der Darstellung: Maßangaben (Feder in Braun)


Katalogtext:
Der Aufriß der nördlichen Längsfront entspricht in seiner Ausführung und den besonderen Eigenheiten im Bereich des Erdgeschosses (Rustizierung in unterschiedlich hohen Quaderlagen, abgeschlossen durch einen Zierfries mit Wellenband) so deutlich dem Aufriß der Ehrenhoffront GS 5899, daß man einen Entstehungszusammenhang annehmen kann. Es handelt sich bei diesen reinen Federzeichnungen vermutlich um Entwürfe aus der frühen Projektphase, die von anderen Varianten abgelöst wurden.
Die über 550 Kasseler Fuß (ca. 160 m) lange Front zählt 37 Achsen. Vom Aufriß der Hoffront ist die Gestaltung der Rücklagen und der Risalite der Eckpavillons übernommen. Wie der Mittelrisalit des westlichen Eingangsflügels zählt der Mittelrisalit des Längsflügels acht Säulenachsen. Über dem verkröpften Gebälk erhebt sich ein Dreiecksgiebel, für dessen Giebelfeld Jussow ein Relief in antikem Stil vorgesehen hat - auch hier wieder eine Victoria im Zentrum. Um die lange Gebäudeflucht mit der gleichmäßigen Reihung der Fensterachsen zu akzentuieren, bekrönt Jussow den Mittelrisalit mit einem attikaartigen Aufbau, der als Sockel eines zwölfsäuligen Rundtempels mit Flachkuppel dient. Die Kapitelle seiner Säulen folgen keiner der klassischen Säulenordnungen, sondern setzen sich aus lanzettförmigen Blättern zusammen.
Mit dem Tempietto auf dem Dach knüpft Jussow an eine Idee an, die in Kassel bereits Tradition hat. Zu nennen sind der Entwurf von Claude-Nicolas Ledoux für das Museum Fridericianum (Gallet 1983, Abb. 212), Charles De Waillys zweiter Entwurf für Schloß Weißenstein (Dittscheid 1987, Abb. 37, 38), sowie ein von Jussow selbst um 1788/90 gezeichnetes Projekt für das Wilhelmshöher Corps de Logis (Dittscheid 1987, Abb. 217). Allerdings handelte es sich bei diesen Projekten stets um einen zentralen Tempelbau, während Jussow im Falle des neuen Residenzschlosses auf beiden Mittelrisaliten der Längsseiten Tempietti plante, die in der Ansicht von Westen optisch den zentralen Triumphwagen flankieren sollten. In dem zugehörigen Aufriß GS 5899 fehlen diese Tempietti.
Stand: Mai 2005 [UH]


Literatur:
Katalog Kassel 1958, S. 39, Nr. 102; Katalog Kassel 1999/CD-Rom


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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