2.3.9.6 - Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Vorentwurf zu einem Triumphbogen am Platz des Corps de Logis, Aufriß von Osten



2.3.9.6 - Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Vorentwurf zu einem Triumphbogen am Platz des Corps de Logis, Aufriß von Osten


Inventar Nr.: GS 5803
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Vorentwurf zu einem Triumphbogen am Platz des Corps de Logis, Aufriß von Osten
Künstler: Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825), Architekt/-in
Datierung: um 1791
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit, Feder in Grau, grau laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: keine Angabe
Maße: 25,9 x 36,3 cm (Blattmaß)
Maßstab: unbezifferter Maßstab ohne Maßeinheit
Beschriftungen:


Katalogtext:
Als eine weitere Entwurfsvariante sah Jussow einen freigestellten Triumphbogen vor. Er hätte von der Stadt aus freie Sicht auf den Park gewährt und diesen dadurch in seiner Bedeutung unterstrichen. Wilhelm IX. war von dem Plan immerhin so angetan, daß er 1791 den Bogen in vereinfachten Formen an Ort und Stelle in Originalgröße als Holzmodell errichten ließ. Da ihn das Modell nicht überzeugte, wurde die Idee fallengelassen. Die Ausführung von Entwürfen als Holzmodell in Originalgröße war nicht ungewöhnlich. Schon der Entwurf von Ledoux für einen Triumphbogen am Friedrichsplatz war durch Du Ry in Holz provisorisch ausgeführt worden (Gerland 1895, S. 121).
Trotz der Ablehnung übte der Entwurf von Jussow lange eine Faszination aus. Das belegt eine aquarellierte Zeichnung Leonhard Müllers von 1821, in der er dieses Projekt darstellte (mhk, Graphische Sammlung, o. Inv.Nr.; Dittscheid 1987, S. 125, 336, Nr. 93, Abb. 220, Farbtaf. VI oben).
In dem Entwurf GS 5803 sollte die Verbindung zwischen dem Triumphbogen und den Flügelbauten über geschwungene, getreppte Terrassen mit Balustraden erfolgen. Um diese Terrassen für den Betrachter unsichtbar zu machen, zeichnete Jussow Felsblöcke davor. Diese erscheinen angesichts der topographischen Situation unmotiviert, spielen aber auf den "Weißenstein" an, der dem Schloß den Namen gab, und verleihen dem Triumphbogen eine heroische Ausstrahlung. Jussow gestaltete ihn als aufwendiges Bauwerk, wobei er die seitlichen Durchgänge mit kleinen Tempelvorbauten betonte. Diese konnten in der Zeichnung mittels heute verlorener Deckblätter verdeckt werden (s. die Klebereste über den Portiken). Was Jussow dabei alternativ vorschlug, ist unbekannt.

Text übernommen aus Katalog Kassel 1999/CD-Rom [FCS]

Literatur:
  • Albrecht Bangert: Architektur von H. Chr. Jussow in Kassel um 1800. Diss. München 1969, S. 28, 93, 111, Kat.Nr. Fig. 15 (Ausschnitt), Anm. 10.
  • Ekhart Berckenhagen: Architektenzeichnungen 1479-1979 von 400 europäischen und amerikanischen Architekten aus dem Bestand der Kunstbibliothek Berlin. Berlin 1979, S. 176.
  • Antike Bauten in Modell und Zeichnung um 1800. Vollständiger Katalog der Korkmodelle und der Sonderausstellung 1986. Kassel 1986, S. 115.
  • Dittscheid, Hans-Christoph: Kassel-Wilhelmshöhe und die Krise des Schloßbaues am Ende des Ancien Régime. Charles de Wailly, Simon Louis Du Ry und Heinrich Christoph Jussow als Architekten von Schloß und Löwenburg in Wilhelmshöhe (1785-1800). Worms 1987, S. 124, 336, Kat.Nr. Nr. 87, Abb. 221.
  • Wir Wilhelm von Gottes Gnaden. Die Lebenserinnerungen Kurfürst Wilhelms I. von Hessen 1743-1821. Frankfurt am Main - New York 1996, S. 271, Kat.Nr. 52.
  • Christiane Lukatis, Gerd Fenner und F. Carlo Schmid: H. C. Jussow (1754-1825). Ein hess. Architekt des Klassizismus. Kat. der Zeichnungen a. d. Besitz der Staatl. Museen Kassel, der Verwaltung der Staatl. Schlösser und Gärten Hessen & Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Kassel 1999.


Letzte Aktualisierung: 12.02.2026



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