1.80.1.1 - Kassel, Synagoge am Kornmarkt, Entwurf, Aufriß



1.80.1.1 - Kassel, Synagoge am Kornmarkt, Entwurf, Aufriß


Inventar Nr.: GS 6003
Bezeichnung: Kassel, Synagoge am Kornmarkt, Entwurf, Aufriß
Künstler: Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825), Zeichner
Datierung: 1781
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Grauschwarz, aquarelliert
Träger: Papier
Wasserzeichen: keine Angabe
Maße: 24,4 x 39,7 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: unten rechts: "Jussow del." (Feder in Schwarz)


Katalogtext:
Die symmetrisch konzipierte Baugruppe wird von dem in der Mitte angeordneten Synagogenbau dominiert. Er liegt zurückgesetzt hinter einem Gitter, das die beiden flankierenden Gebäude verbindet. Die zylindrische Form des Mittelbaus in Verbindung mit einer Kuppel sowie einem rechteckigen Vorbau mit Kolossalpilastern und Dreiecksgiebel weist auf das Pantheon als Vorbild hin.
Die Gliederung der Fassade des Vorbaus mit einer toskanischen Ordnung wird am Rundbau mit dem Gebälk aufgenommen, das in gleicher Höhe umläuft. Über dem unteren Teil mit den großen Rechteckfenstern erhebt sich eine auffällig hohe Attika, die von verdachten Rundfenstern durchbrochen wird. Zwei Stufen leiten zu der flachen Kuppel mit dem von einem Ring gefaßten Opaion über.
Die von allen Autoren konstatierte Anlehnung an das Pantheon geht nicht auf eine direkte Auseinandersetzung mit dem Vorbild in Rom zurück, sondern ist durch andere Bauten des 18. Jahrhunderts vermittelt (so weisen Norten 1986, S. 106-109, und Dittscheid 1987, S. 20, auf die Vorbildrolle von Kirchenbauten wie der Hedwigskirche in Berlin [1747-1773] oder der französischen Kirche in Potsdam [1751-1753] hin; vgl. auch Schuchard 1994, S. 111-114). Auch Jussows Kasseler Lehrer Simon Louis Du Ry hat seinen Schüler zweifellos in dieser Hinsicht beeinflußt.
Wie Kopien von Bauten oder Entwürfen Du Rys wirken auch die beiden flankierenden Gebäude, die wahrscheinlich als Rabbinerwohnung und Schulhaus gedacht waren (Hallo 1983, S. 524f.).
Bereits dieses erste bekannte Projekt Jussows zeigt die für seine späteren Zeichnungen charakteristischen Abstufungen durch die farbliche Differenzierung zwischen Vorder- und Hintergrund. Ein noch barocken Darstellungstraditionen verhaftetes Element ist die Landschaftsstaffage mit Architekturfragmenten im Vordergrund.

Text übernommen aus Katalog Kassel 1999/CD-Rom, überarbeitet Mai 2005 [GF]


Literatur:
Boehlke 1958, S. 138; Katalog Kassel 1958, S. 4f., Nr. 1 (mit Abb.), S. 45; Both/Vogel 1973, S. 61, Abb. 15, S. 204; Katalog Kassel 1979, S. 82, 214, Nr. 284; Hallo 1983, S. 524f.; Katalog Kassel 1986/2, S. 208, Nr. 157; Norten 1986, S. 11, 109f., Abb. 122; Dittscheid 1987, S. 20; Katalog Frankfurt a. M. 1988, S. 162f., Abb. 206a; Schuchard 1994, Abb. S. 111; Katalog Kassel 1999/CD-Rom; Katalog Kassel 1999/1, S. 204, Kat.Nr. 67; Schuchard 2000, Abb. 8


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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