8.10.1.3 - Paestum, Athena-Tempel nach P. A. Paoli, Grundriß, Aufriß und Schnitt



8.10.1.3 - Paestum, Athena-Tempel nach P. A. Paoli, Grundriß, Aufriß und Schnitt


Inventar Nr.: GS 6082
Bezeichnung: Paestum, Athena-Tempel nach P. A. Paoli, Grundriß, Aufriß und Schnitt
Künstler: Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825), Zeichner/-in
Datierung: 1785/1786
Geogr. Bezug: Paestum
Technik: Feder in Braun, schwarz, grau und rosa laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: keine Angabe
Maße: 49,4 x 63,6 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "palme Neapl."
Beschriftungen:


Katalogtext:
Als Architekt interessierte sich Jussow in erster Linie für die Abmessungen und die Konstruktion der drei Tempel. Deshalb zeichnete er ausschließlich strenge Schnitte und Grundrisse und kopierte nicht die Landschaftsansichten von Bartolozzi und Volpato in Paolis Publikation, welche die Tempel in das Umland eingebettet zeigen.
Der spätarchaische Athena-Ringhallentempel liegt nördlich der Hera-Tempel in einem gesonderten Temenos. Im 18. Jahrhundert bezeichnete man das Heiligtum auch als Ceres-Tempel. Paoli widmete ihm das vierte Kapitel seines Buches mit dem Titel: "De Minori Templo et Paestanae architecturae ornamentis dissertatio quarta / Del Tempio minore e degli ornati dell'Architettura pestana dissertazione quarta". Jussow ordnete seine Detailkopien nach diesem Kapitel auf einem Blatt in Reihen übereinander an, wobei er allerdings großes Augenmerk darauf legte, daß sein Studienblatt kompositorisch abgerundet erschien.
In der oberen Reihe zeichnete er den Aufriß der Westfront von Westen und den Querschnitt mit Blick nach Westen. Zwischen beide Wiedergaben fügte er den Detailgrundriß und -aufriß einer Ecksäule mit Gebälk ein. Die Fehler in der Rekonstruktion Paolis - beispielsweise sind die Triglyphen nicht wiedergegeben - übernahm Jussow (Manuskript Schuchard/Dittscheid). Er stützte sich für Aufriß und Querschnitt auf Tafel XXIX von Paolis Abhandlung, wobei hier der Querschnitt über dem Aufriß der Front angeordnet ist. Jussow gab die in der Vorlage im Aufriß sichtbaren Innenmauern des Tempels nicht wieder, berücksichtigte sie aber beim Querschnitt.
Die Säulendetails entlehnte Jussow Tafel XXX. In der unteren Reihe zeigt er die Basis einer der ionischen Vorhallensäulen und in der Mitte den Grundriß mit einem Längsschnitt durch den Stylobat, wobei er die Säulenstümpfe überpointiert wiedergab. Nach rechts schließt sich der Teilgrundriß des Gebälks in Ecksituation mit Unteransicht des Geisons an. Während er den Grundriß und den Teillängsschnitt aus Tafel XXVI übernahm, befinden sich die übrigen architektonischen Elemente wiederum auf Tafel XXX. Er ordnete diese Details kalkuliert um die Schnitte und Risse herum an. In der Zeichnung sind zahlreiche Maßangaben notiert, die auf eine intensive Auseinandersetzung mit dem Bauwerk hinweisen.

Text übernommen aus Katalog Kassel 1999/CD-Rom [FCS]

Literatur:
  • Staatliche Kunstsammlungen Kassel [Hrsg.]: Aufklärung und Klassizismus. Ausstellung Kassel, Orangerie 7.7.-7.10.1979. 1979, S. 263, Kat.Nr. 503.
  • Antike Bauten in Modell und Zeichnung um 1800. Vollständiger Katalog der Korkmodelle und der Sonderausstellung 1986. Kassel 1986, S. 166, Kat.Nr. 36c.
  • Dittscheid, Hans-Christoph: Kassel-Wilhelmshöhe und die Krise des Schloßbaues am Ende des Ancien Régime. Charles de Wailly, Simon Louis Du Ry und Heinrich Christoph Jussow als Architekten von Schloß und Löwenburg in Wilhelmshöhe (1785-1800). Worms 1987, S. 22, 261, Kat.Nr. Anm. 274.
  • Christiane Lukatis, Gerd Fenner und F. Carlo Schmid: H. C. Jussow (1754-1825). Ein hess. Architekt des Klassizismus. Kat. der Zeichnungen a. d. Besitz der Staatl. Museen Kassel, der Verwaltung der Staatl. Schlösser und Gärten Hessen & Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Kassel 1999.


Letzte Aktualisierung: 12.02.2026



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