8.15.1.1 - Pozzuoli, Bauaufnahme und Rekonstruktionsversuch des Macellum ("Serapis-Tempel"), Grundriß



8.15.1.1 - Pozzuoli, Bauaufnahme und Rekonstruktionsversuch des Macellum ("Serapis-Tempel"), Grundriß


Inventar Nr.: GS 6086
Bezeichnung: Pozzuoli, Bauaufnahme und Rekonstruktionsversuch des Macellum ("Serapis-Tempel"), Grundriß
Künstler: Simon Louis Du Ry (1726 - 1799), Zeichner
Datierung: um 1754
Geogr. Bezug: Pozzuoli (Italien)
Technik: Graphit, Feder in Grau, rot und rosa laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: Bekröntes Lilienwappen, darunter "VDL"
Maße: 39,9 x 26,5 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "Palmes."
Beschriftungen: oben mittig: "Plan d'un temple antique de Serapis decouvert à Pouzzol près de Naples en 1752." (Feder in Braun)
in der Darstellung: "voute" (Graphit)
in der Darstellung: Buchstaben A-D zur Kennzeichnung der mit Graphit eingetragenen Schnittlinien (Graphit)


Katalogtext:
Am 14. Mai 1753 ernannte Landgraf Wilhelm VIII. Simon Louis Du Ry zu seinem Baumeister und gewährte ihm gleichzeitig einen zweijährigen Italienaufenthalt, der bis zum Frühjahr 1756 verlängert wurde. Im Zentrum dieser Studienreise stand die Begegnung mit der Antike. Im Oktober 1753 besuchte Du Ry im Auftrag des Landgrafen die Ausgrabungen in Herculaneum und beschrieb Wilhelm VIII. in zwei Briefen ausführlich die dortigen Wandmalereien (vgl. auch im folgenden Dittscheid 1987, S. 12). Vermutlich wird der Kasseler Baumeister bei dieser Gelegenheit einen Abstecher nach Pozzuoli unternommen haben, einer griechischen Stadtgründung aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. In römischer Zeit hatte sich "Puteoli" zu einer bedeutenden Hafenstadt entwickelt und zum Einfallstor für orientalische Kulturen und Religionen durch den florierenden Fernhandel. Von der Bedeutung der einstigen Metropole zeugen etliche antike Ruinen, die bis 1752 ausgegraben wurden und deshalb die Aufmerksamkeit Du Rys auf sich gezogen haben werden.
Du Ry hat in Italien mehrfach antike Bauwerke aufgenommen und gezeichnet, darunter auch den "Temple antique de Serapis" in Pozzuoli. Bei dieser komplexen Anlage handelt es sich um einen öffentlichen Markt aus flavischer Zeit, der später mehrfach umgebaut wurde. In der Mitte des quadratischen, von Säulenportiken umgebenen Hofes befand sich ein Brunnenhaus in Form eines runden Podiums mit 16 Säulen, die ein Gebälk trugen. Zwischen den Säulen waren Skulpturen aufgestellt. Die seitlichen Anräume hinter den Portiken dienten als Läden. Eine offene Säulenstellung an der Seeseite betonte den Eingangsbereich. Auf der gegenüberliegenden Seite befand sich eine Cella. Dort wurde 1750 eine Statue der ägyptischen Gottheit Serapis gefunden.
Wie Dittscheid hervorgehoben hat, handelt es sich bei dem von Du Ry gezeichneten Grundriß der Anlage nicht um eine Bestandsaufnahme des Ergrabenen, sondern um eine Rekonstruktion, die in den Details von heutigen Grundrissen mit Ergänzungen abweicht.
Über 20 Jahre später hat sich Du Ry nochmals mit dem Serapeion von Pozzuoli auseinandergesetzt. Am 12. Februar 1777 hielt er vor der Kasseler Altertümergesellschaft einen Vortrag zum Thema "Extrait du Journal d'un voyage en Italie en 1776 et 77 [...] contenant la description du Temple de Serapis près de Pouzzol et quelques réflexions sur les batiments anciens comparés aux édifices modernes" (zit. nach Dittscheid 1987, S. 247, Anm. 139). In diesem Zusammenhang berichtete er auch, daß er 1753 und erneut 1755 den Tempel besucht und exakt gezeichnet habe (ebd.).
Ein Stichwerk nach den Antiken von Pozzuoli erschien 1768 (Paoli 1768). Es wurde von Paolo Antonio Paoli angefertigt, der später auch die vielfach rezipierten Stiche der Tempel in Paestum herausbrachte (vgl. GS 6082). Ob die Zeichnung von Du Ry wirklich noch in Italien entstand oder ob sie erst nach den Stichvorlagen angefertigt wurde, müßte noch überprüft werden.
Text übernommen aus Katalog Kassel 1999/CD-Rom [CL]


Literatur:
Gerland 1895, S. 70 und 136; Klein 1975, S. 143, Anm. 30 (dort fälschlich Jussow zugeschrieben); Dittscheid 1987, S. 12, Anm. 139; Katalog Kassel 1999/CD-Rom


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


Wissenschaftliche Kommentare:

Hier können Sie uns Anmerkungen und Kommentare zu unseren Objekten hinterlassen, die nach Sichtung durch unsere Mitarbeiter allen Lesern angezeigt werden. Bitte beachten Sie, dass die Kommentare nach Freischaltung vollständig öffentlich einsehbar sind und auch von Suchmaschinen durchsucht und verarbeitet werden können - geben Sie daher bitte keine persönlichen Daten an. Möchten Sie uns direkt kontaktieren, wenden Sie sich bitte per E-Mail an info@museum-kassel.de

Bisher wurden keine Kommentare geschrieben.

Einen neuen Kommentar hinzufügen.




© Museumslandschaft Hessen Kassel 2020
Datenschutzhinweis | Impressum