2.3.6.1 - Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Weißensteinflügel, Entwurf zu einem Paradebett für das Schlafzimmer des Landgrafen im Erdgeschoß, Vorderansicht



2.3.6.1 - Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Weißensteinflügel, Entwurf zu einem Paradebett für das Schlafzimmer des Landgrafen im Erdgeschoß, Vorderansicht


Inventar Nr.: GS 6119
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Weißensteinflügel, Entwurf zu einem Paradebett für das Schlafzimmer des Landgrafen im Erdgeschoß, Vorderansicht
Künstler: Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825)
Datierung: 1789
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit, Feder in Grauschwarz, grau laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: keine Angabe
Maße: 50,9 x 33,1 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen:


Katalogtext:
Jussow entwarf das aufwendig gestaltete Bildhauermöbel als Staatsbett à la romaine mit verschieden hohen Kopf- und Fußenden. Es ist durch einen Baldachin und stark antikische Formen ausgezeichnet (vgl. Hojer/Ottomeyer 1995, S. 196, Nr. 47; zum Bett selbst vgl. Bleibaum 1926, S. 6, Taf. 34; Holtmeyer 1910, S. 314). Die detaillierte Ausführung des Blattes mit Licht und Schatten zeigt die skulpturale Wirkung des Möbels.
Das Bett ruht auf vier konisch nach unten verjüngten Füßen, die über einen blattbelegten Wulst eingezogen sind. Der holzgeschnitzte Rahmen ist am Fußende mit einem plastisch herausgearbeiteten Schraubenbanddekor besetzt, wobei die Füllungen mit Stoff bezogen und gepolstert zu denken sind. Mit Rosetten verzierte Klötzchen betonen nach dem frühklassizistischen Schema die Eckpunkte der Konstruktion. Das Betthaupt verziert ein römischer Adler im Lorbeerkranz auf einem Feld, das unten drei Guttae aufweist.
In Verlängerung des hinteren Vertikalrahmens stützen schlanke Pfeiler den rechteckigen, gewölbten Betthimmel, der auf mit Akanthusblättern belegten Voluten ruht. Der Himmel wird nach unten von einem Gesims abgeschlossen, das ein Wasserwogenband verziert und in der Mitte ein kreisrundes Medaillon mit Putto besitzt. Büsche aus Reiher- und Straußenfedern sind auf den Ecken und in der Mitte des Betthimmels aufgesetzt. Solche Aigrettenbüsche zeichnen herkömmlicherweise Paradebetten aus. Doch gerade hier wollte man wohl sparen, wie Eintragungen im Inventar belegen: "Zur anständigen Verzierung derer 2 neuen Fürstl. Bette" sollte der Plumasier Matthieu "zu jedem 3 Bouquets, eins zu 12 - und zwey jedes zu 8 stück Federn" liefern. "Sermus waren lezthin der Meynung, daß man denen Federn eine ähnliche Verzierung von Bildhauerarbeit in Holz substituiren könne, indeßen würde diese nach eingezogener Erkundung bey Sachverständigen noch theurer seyn als die Federn", und so entschloß man sich, doch die verlangten 76 Taler für die dekorativen Federbüsche aufzuwenden (zit. nach Holtmeyer 1910, S. 314).
Das Bett hatte Jussow als Parademöbel für das landgräfliche Schlafzimmer des Erdgeschosses im Weißensteinflügel entworfen, wo es in einem Alkoven hinter zwei dorischen Säulen (Dittscheid 1987, S. 97) frei im Raum mit dem Kopf vor der Wand stand. Nach der französischen Sitte wurde das Staatsbett auf einer Estrade und hinter einer Balustrade situiert. Ihm kam jene Rolle im Hofzeremoniell zu, wie wir sie üblicherweise bei Thronsesseln vermuten.
An der Herstellung der Möbel für den Weißensteinflügel waren nach den Akten der Hofschreiner Johannes Ruhl, der Hoftapezierer Wenderoth, der Hofpostamentier Koch, der Hofvergolder Mensing und als kleinere Handwerker die Tischler Emde, Rohrbach, Dalwig, Weymar, Mordt und der Posamentier Horstmann beteiligt, während die bildhauerischen Arbeiten für die Möbel von Nikolaus Vallois stammten (Bleibaum 1926, S. 16; Bleibaum vermutete dabei, daß Vallois mit jenem "sculpteur ornamentiste" Nicolas Valois identisch ist, der für den Pariser Ebenisten Jean Baptiste Claude Sené tätig war).
Im Zuge der Neueinrichtung des Weißensteinflügels unter dem Kurfürsten Wilhelm II. wurde das Bett 1822 mit weiteren Möbeln und den kostbaren Damasttapeten nach Schloß Wilhelmsthal überführt. Das Bett mit den dazugehörigen Sitzmöbeln wurde im Schlafzimmer der Südwohnung im Erdgeschoß des Hauptgebäudes wieder aufgeschlagen.

Text übernommen aus Katalog Kassel 1999/CD-Rom [ST]


Literatur:
Döring 1799, S. 7; Katalog Kassel 1958, S. 15, Nr. 33; Katalog Kassel 1999/CD-Rom


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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