1.52.2.1 - Kassel, Entwurf zu einer Kolonnade am Landgrafenschloß, Grund- und Aufriß



1.52.2.1 - Kassel, Entwurf zu einer Kolonnade am Landgrafenschloß, Grund- und Aufriß


Inventar Nr.: GS 6321
Bezeichnung: Kassel, Entwurf zu einer Kolonnade am Landgrafenschloß, Grund- und Aufriß
Künstler: Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825), Architekt
Datierung: 1817-1821
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Grauschwarz
Träger: Papier
Wasserzeichen: keine Angabe
Maße: 27,8 x 44 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: mittig links: "Der halbe Umkreis des Zirckels, von 256 2/3 im Durchmesser, / ist 403 1/3 Fus, von der Mitte der Seulen genommen. / Die Hälfte von diesem Umkreis ist 201 Fus 8 Zoll. / Hiervon geht ab für die Hälfte des Thors bis in die / Mitte des danebenstehenden Pilasters 9 Fus 8 Zoll / bleiben 192 Fus. Diese in 19 Seulen weiten getheilt / giebt die Seulenweite von Mitte zu Mitte 10 Fus 1 5/19 Zoll. / Die Seulen Weiten an den Wachthäusern werden / genau l0 Fus angenommen. / Die Seulen sind 2 Fus dick und 16 Fus hoch. / Dorischer Ordnung jedoch ohne Triglyphen. / Der Sockel, zwischen welchem 2 Tritte, ist 1 Fus hoch. / Das Thor ist im Lichten 16 Fus weit, und / bekomt zwischen den beiden Nebenstehenden / Pilastern ein zurückgeseztes Piedroit. / Die Höhe des Thors ist 29 Fus / Die aus wendigen Pilaster in der kleinen / Rundung sind 3' Breit, 24' hoch mit / Postamenten von 7 Fus Höhe." (Feder in Braun)


Katalogtext:
Im Zusammenhang mit der Entfestigung Kassels nach dem Siebenjährigen Krieg wurde ab 1766 das südwestlich des Landgrafenschlosses gelegene Gelände, das auf die Ende des 16. Jahrhunderts entstandene Rennbahn des Landgrafen Moritz zurückging, nach Plänen von Simon Louis Du Ry neu angelegt (Holtmeyer 1923, S. 311-314, Taf. 190). Eine auf halbkreisförmigem Grundriß erbaute Kolonnade bildete den Abschluß der neuen Rennbahn zum Friedrichsplatz hin. Das Bauwerk bestand aus zwei Pavillons an den Endpunkten und einer dominierenden Triumphbogenarchitektur im Scheitel. Zum Platz hin war die Architektur bis auf den Triumphbogen weitgehend in Säulen aufgelöst; die Rückseite war dagegen geschlossen. Der aus Statuen und Trophäen bestehende plastische Schmuck bezog sich auf die Person und die militärischen Verdienste des Erbauers Landgraf Friedrich II.
1782 bezog Charles De Wailly die Kolonnaden Du Rys in seinen Umbauentwurf für Schloß und Rennbahn ein und stellte ihnen eine größere viertelkreisförmige Kolonnadenarchitektur seitlich des Schlosses gegenüber (Holtmeyer 1923, S. 313, Taf. 189).
In der Zeit des Königreichs Westphalen wurde die Kolonnade für größer dimensionierte Projekte, die jedoch unverwirklicht blieben, abgebrochen.
Bei dem Projekt zur Errichtung der Chattenburg griff man wieder auf das Motiv der Kolonnade als Abschluß des vorgelagerten Platzes zurück, wobei Zeitgenossen der Untergang des alten Bauwerks nun sogar als vorteilhaft erschien, "[...] würde es doch mit dem neuen in einem kolossalen Syle zu erbauenden Schlosse nicht harmoniert haben. Der prächtige Vorhof des neuen Schlosses wird mit diesem Gebäude in besserem Verhältniß stehen" (Apell 1823, S. 4; zu den Planungen in der 'westphälischen' Zeit vgl. Heppe 1995, S. 285-291).
Jussow wiederholte die Disposition der alten Kolonnade in vergrößerter Form und verschob den Bau auf dem verbreiterten Gelände in Richtung Fulda und Friedrichsplatz, so daß er die hier stehende Elisabethkirche erreicht hätte. Graphiteintragungen, die später radiert wurden, lassen zwei Vorstufen mit kleinerem Umfang erkennen.
Neu war die Umformulierung des zentralen Bauteils in eine Durchfahrt, die sich, mit einer abgewinkelten Achse, zur Bellevuestraße in einer großen Exedra öffnete. Dem nur ansatzweise dargestellten Aufriß ist zu entnehmen, daß die Durchfahrt in ihrer Höhe über die verbindenden Flügel hervorgehoben werden sollte. Zum Schloß hin war eine Wandgliederung mit sechs Nischen und Pilastern geplant, die dem Bau den Charakter eines Triumphbogens gegeben hätte.
An den beiden Enden der Säulengänge sollten große Wachhäuser mit vorgelegten Portiken entstehen, für deren Säulen Jussow in der Beischrift zu der Zeichnung die dorische Ordnung festlegte. Durch das im Aufriß wiedergegebene Geländegefälle von der mittleren Durchfahrt in Richtung auf das neue Schloß hätten die Wachgebäude hohe Sockel erhalten und dementsprechend markant gewirkt.
Ein nach Jussows Entwürfen von Modellinspektor Friedrich Blaue angefertigtes Modell der Chattenburg mit Umgebung, das sich im Hessischen Landesmuseum Kassel befindet, vermittelt einen Eindruck von dem geplanten Bauwerk und dessen Wirkung (Modell der Chattenburg und der Umgebung, mhk, Angewandte Kunst; Abb. bei Holtmeyer 1923, Taf. 194,2 und Reuther/Berckenhagen 1994, S. 90f., Abb. 205).
Wie die Chattenburg wurde auch die neue Kolonnade nicht ausgeführt.

Text übernommen aus Katalog Kassel 1999/CD-Rom [GF]


Literatur:
Katalog Kassel 1999/CD-Rom


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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