3.130.3.8 - Wilhelmsthal, Schloß, Garten, Entwurf zur Menagerie, perspektivische Ansicht und Lageplan



3.130.3.8 - Wilhelmsthal, Schloß, Garten, Entwurf zur Menagerie, perspektivische Ansicht und Lageplan


Inventar Nr.: Marb. Dep. 5
Bezeichnung: Wilhelmsthal, Schloß, Garten, Entwurf zur Menagerie, perspektivische Ansicht und Lageplan
Künstler: Johann Georg Fünck (1721 - 1757), Architekt
Datierung: 1746/47
Geogr. Bezug: Wilhelmsthal
Technik: Feder in Schwarz und Grau, grau, braun, blau, grün, gelbgrün und rosa laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: "C[...] H I" (angeschnitten)
Maße: 35,9 x 31,5 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "fus."
Beschriftungen: in der Darstellung: "Veuë de La Menagerie." (Feder in Grau)
oben links: "Nro 96" (Feder in Braun)
unten rechts: "B. 2" (Graphit)
verso: "Wilhelmsthal / Ententeich / landgräfl Bauamt?" (Graphit)


Katalogtext:
Das aus dem Nachlaß des Kasseler Hofarchitekten Heinrich Christoph Jussow stammende Blatt veranschaulicht einen Teil der südlichen Gartenachse von Wilhelmsthal in Form einer perspektivischen Ansicht in der oberen Blatthälfte und eines Lageplans in der unteren Blatthälfte. Dieser als "Menagerie" bezeichnete Achsenabschnitt, der sich in West-Ost-Richtung östlich der Grottenanlage erstreckte, war der exotischen Geflügelhaltung des Landgrafen vorbehalten. Das umzäunte längsrechteckige Gelände der Menagerie beherbergte im Innern einen Teich mit Brutinseln an den Längsseiten (g). Auf deren Höhe waren in unmittelbarer Zaunnähe Entenhäuser (A) angeordnet, die dem Geflügel insbesondere in den kalten Wintermonaten Brut- und Schwimmmöglichkeiten boten. An der Westseite des Teiches ist ein als Aussichtpunkt konstruierter "Balkon" (F) und ihm gegenübergestellt eine Kaskade mit zwei flankierenden Pavillons (d, e) eingezeichnet. Die verbleibende Restfläche zwischen Kaskade und Osttor wird von zwei Boskettfeldern auf quadratischer Grundfläche (H), einem zentralen runden Freiplatz und einem dazwischenliegenden breiten Mittelweg eingenommen, die in dieser Form dem Gesamtplan (Marb. Dep. 9) zufolge jedoch nicht ausgeführt worden sind. Zwei Baumreihen gliedern im Innern den Bereich zwischen Teich und Zaun und in gleicher Anordnung das nördlich und südlich außerhalb liegende Gelände.
Aufbau und Zeichentechnik des Lageplans erscheinen wie eine vergrößerte Detailzeichnung des großen Gartenplans von Wilhelmsthal (Marb. Dep. 9) und verweisen damit auf den Architekten, Zeichner und Kupferstecher Johann Georg Fünck. Ein Schriftvergleich mit einer der wenigen von Fünck signierten Zeichnungen, in diesem Fall einer Darstellung des Wilhelmshöher Oktogons mit seiner Wasserführung (Marb. Dep. 1), unterstreicht diese Annahme. Zur Datierung des Blattes kann auf die Baugeschichte der Menagerie und ihrer Gebäude zurückgegriffen werden. Mit den Arbeiten an der Menagerie muß spätestens 1747 begonnen worden sein, da laut archivalischer Überlieferung der Ententeich so weit fertiggestellt war, daß mit der Baumpflanzung begonnen werden konnte (StAM Best. 5, Nr. 11865; s. Schmidt-Möbus 1995, S. 104f.). Während sich der Balkon zu dieser Zeit bereits im Bau befand, waren die kleineren Menageriegebäude in Vorbereitung. Mit der Entwurfsplanung des Geländes, in deren Zusammenhang auch dieses Blatt gesehen werden kann, muß folglich spätestens im Jahr 1746 begonnen worden sein. Als terminus ante quem kann der Bau von vier über Eck angeordneten kleinen Menageriegebäuden angesehen werden, die sich 1748 in der Vorbereitung befanden, in der Zeichnung jedoch fehlen (StAM Best. 40, 10, 5; s. Schmidt-Möbus 1995, S. 105). Im Hinblick auf die im Grundriß dargestellten Entenhäuser kann zudem eine zeitliche Abgrenzung zu einer weiteren Zeichnung eines Entenhauses (Marb. Dep. 4) erfolgen. Dieses Blatt zeigt auf rechteckigem Grundriß konstruierte Eckpavillons, während das hier vorliegende entsprechend der späteren Ausführung einen Mittelpavillon mit abgerundeten Ecken und Eckpavillons mit konkav eingezogenen Ecken präsentiert. Das Blatt mit Ansicht und Lageplan muß daher nach dem Blatt mit Aufriß und halbem Grundriß entstanden sein.
Stand: September 2004 [MH]


Literatur:
Bleibaum 1932, S. 11 m. Abb. 3, S. 16f., 25f.; Braunfels 1938, S. 76, 104, Anm. 35; Katalog Berlin 1973, S. 312, Kat.Nr. P 47; Schmidt-Möbus 1995, S. 106f., 316, Kat.Nr. 12, Abb. 37


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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