1.3.6.4 - Kassel, Chattenburg, Präsentationszeichnung der Ehrenhoffassade, Aufriß



1.3.6.4 - Kassel, Chattenburg, Präsentationszeichnung der Ehrenhoffassade, Aufriß


Inventar Nr.: Marb. Dep. II, 134
Bezeichnung: Kassel, Chattenburg, Präsentationszeichnung der Ehrenhoffassade, Aufriß
Künstler: Heinrich Christoph Jussow (1754 - 1825), Architekt
Datierung: 1816/17
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, braun, grau und rot laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: "J WHATMAN 1813"
Maße: 50,6 x 79,7 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "Cass. fuß"
Beschriftungen: oben mittig: "Aufriss der vordern Seite des / Kurfürstlichen neuen Residenz-Schloss/ zu Cassel." (Feder in Schwarz)
oben rechts: "c." (Feder in Schwarz)
unten rechts: "Jussow" (Feder in Schwarz)


Katalogtext:
Der sorgfältig gerahmte und von Jussow signierte Präsentationsriß gehört zusammen mit Marb. Dep. II, 133 und Marb Dep. II, 135 zu einer bisher unbekannten Serie mit dem Deckblatt "Plane von dem Kurfürstlichen neuen Residenz-Schlosse zu Cassel" (Marb. Dep. II, 143). Gezeigt wird die Ehrenhoffront der geplanten neuen Residenz, die erst nach der Grundsteinlegung 1820 den Namen "Chattenburg" erhielt.
Die unterschiedliche Tiefe der dreigeschossigen Fassade, die den zentralen Querflügel und die beiden vorspringenden Seitenflügel umfaßt, wird durch die Valeurs der Lavierung genau differenziert. Risalite mit einer kolossalen ionischen Säulenordnung vor den glatten Rücklagen der beiden oberen Geschosse akzentuieren die Fassaden über den in das Erdgeschoß mit Quadermauerwerk eingeschnittenen Eingängen im Zentrum und an den beiden Eckpavillons der Seitenflügel, wobei eine Quadriga und zwei Rundtempel auf abgetreppten Sockeln als Hoheitssymbole markante vertikale Akzente setzen. Das Wappen des Kurfürsten in einem Medaillon, gehalten von zwei Genien, ist in der Mitte unterhalb der Quadriga vor der Attika positioniert. Weitere antikische Figuren in der Achse der Säulen kennzeichnen den Abschluß der Risalite vor der Attika. In dieses Programm antiker Machtsymbole gehören auch die Figuren der beiden Siegesgöttinnen zu Pferde, die, symmetrisch zur Mitte hin ausgerichtet, am inneren Ende der beiden Freitreppensockel vor den seitlichen Eingängen errichtet werden sollten.
Diese offensichtlich zu Präsentationszwecken angelegte, in Grautönen lavierte Zeichnung Jussows stimmt weitgehend überein mit einem großformatigen Aufriß in Marburg (StAM P II 13.614/4; vgl. Katalog Kassel 1999/1, Abb. 89), der in seiner differenzierten Ausarbeitung ebenfalls als Präsentationsriß angelegt ist. Abweichungen betreffen vor allem die Gestaltung der Erdgeschosse an den Eckpavillons auf dem Marburger Blatt, die fünf gleichartige Fensteröffnungen und keine Tür aufweisen. Diese Veränderung geht einher mit einer Verlegung der funktionell nicht mehr notwendigen Freitreppen an die äußeren Begrenzungen des Baus, wodurch die gesamte Anlage stärker zentriert wird. Da auch der Aufriß von Engelhard in seinem Aufsatz von 1845 (Engelhard 1845/1, S. 65) eine solche Gestaltung der Seitenrisalite wiedergibt, kann man davon ausgehen, daß der Entwurf Jussows vor Baubeginn auf dem großformatigen Marburger Blatt noch einmal modifiziert wurde.
Der auf dem Blatt GS 5901 vorliegende gleichartige Aufriß der Ehrenhoffassade unterscheidet sich von dem vorliegenden Blatt einzig in Lavierung und Schattenwurf. Die wenig überzeugende Einzeichnung von einzelnen Schattenkonturen hinter den Säulen der Risalite, die auch auf dem in gleicher Farbigkeit gehaltenen Aufriß der Längsfront Marb. Dep. II, 137 erscheint, läßt vermuten, daß es sich bei diesem unsignierten Blatt um einen später verworfenen Entwurf Jussows handelt.
Stand: Mai 2005 [UH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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