2.20.1.1 - Kassel-Wilhelmshöhe, Bahnhof, Entwurf, Grund- und Aufriß



2.20.1.1 - Kassel-Wilhelmshöhe, Bahnhof, Entwurf, Grund- und Aufriß


Inventar Nr.: L GS 13646
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Bahnhof, Entwurf, Grund- und Aufriß
Künstler: Julius Eugen Ruhl (1796 - 1871), Architekt
Datierung: 1847
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit, Feder in Schwarz
Träger: Papier
Wasserzeichen: -
Maße: 47,9 x 64,1 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: in der Darstellung: Erläuterungen (Feder in Schwarz)
unten rechts: "Ruhl 1847" (Graphit)


Katalogtext:
Einen ersten Entwurf zum Bahnhof Wahlershausen unterhalb von Schloß Wilhelmshöhe präsentiert diese Zeichnung, die Aufriß und Grundriß im selben Maßstab verknüpft.
Der Aufriß, der durch die angedeutete Landschaft im Hintergrund verortet wird, zeigt eine langgestreckte Gebäudekombination mit Turm in der Art des 'italienischen Villenstils', der sich nach Börsch-Supan (Börsch-Supan 1997, S. 30; vgl. auch Börsch-Supan 1977, S. 108ff.) vor allem an der italienischen "fabbrica" des 15. Jahrhunderts orientierte. Kennzeichnend ist das asymmetrische Zusammenfügen verschieden hoher, mit Pult oder Satteldach gedeckter Bauteile, ergänzt um Altane, Pergolen oder Türmen. Ursprünglich für frei stehende Wohnhäuser in Berlin entwickelt, ließen sich diese Bauprinzipien aber auch sehr gut auf die Erfordernisse der Empfangsgebäude der Eisenbahn übertragen, da hier bereits bei kleineren Stationen Teile verschiedener Bestimmung (Bahnsteig, Wartesäle, Billetverkauf, Lagerräume) verknüpft werden mußten (Börsch-Supan 1977, S. 122).
Dies ist auch in Ruhls Entwurf deutlich zu erkennen, der quasi die verschiedenen Räume aneinanderreiht. Ähnlich wie in Stülers 1838 publiziertem Entwurf für ein Eisenbahngesellschaftsgebäude in Pawlowsk (Architektonisches Album Bd. 1, 1838; vgl. Börsch-Supan 1997, Abb. 68), dessen Ziel es war: "bei der Mannigfaltigkeit der Räume […] die Anlage zusammenzuhalten und den Eindruck der Großartigkeit zu erreichen, zugleich aber gefällige malerische Formen nach außen zu entwickeln, die der landschaftlichen Umgebung entsprachen" (zit. nach Börsch-Supan 1997, S. 30), wird das Ensemble dominiert von einem asymmetrisch gesetzten Turm. Zu seiner Linken erstreckt sich eine lange, nach vorne offene Wartehalle, die im Grundriß als "Zelt" bezeichnet wird. Rechterhand schließen mehrere zweigeschossige Gebäudeabschnitte an, bevor ein eingeschossiger Pavillon mit halbkreisförmiger Exedra, im Grundriß bezeichnet als "Wartesaal d. Prinzen", das Ensemble abschließt. Der durch seine dreigeteilte, regelmäßige Fassade mit Arkaden im Erdgeschoß auffallende siebenachsige Mittelteil der rechten Gebäudefolge umfaßt neben einem Vestibul die Wartesäle für die erste und zweite sowie für die dritte Klasse, ein "Damen Cabinet" und einen Raum für "Billets" und "Bagage".
Neben den Elementen des Villenstils zeigen sich in diesem Entwurf zudem deutliche Reminiszenzen an den mittelalterlichen Kirchenbau, vor allem in der Höhenabstufung vom Turm bis zur Exedra, aber auch bei den dekorativen Details wie dem gotischen Maßwerkfenster am rechten Pavillon oder der Figur in der Nische am Turmunterbau. Mit der Benutzung unterschiedlicher "Würdeformeln" versuchte Ruhl offenbar dem besonderen Charakter dieser Station als Fürstenbahnhof gerecht zu werden.
Die Beschriftung "Ruhl 1847" in der rechten unteren Ecke ist aufgrund der Schrift und des hierfür verwendeten Graphitstifts nicht unbedingt als Signatur zu werten, die Datierung dürfte aber korrekt sein.
Stand: August 2007 [UH]


Literatur:
Lohr 1984, S. 162f.


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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