2.3.1.2 - Kassel, Schloß Weißenstein, Bauaufnahme des Corps de Logis, Längsschnitt



2.3.1.2 - Kassel, Schloß Weißenstein, Bauaufnahme des Corps de Logis, Längsschnitt


Inventar Nr.: L GS 13807
Bezeichnung: Kassel, Schloß Weißenstein, Bauaufnahme des Corps de Logis, Längsschnitt
Künstler: unbekannt
Datierung: um 1786
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit, Feder in Schwarz
Träger: Papier
Wasserzeichen: Krone über Medaillon mit Umschrift "PRO PATRIA EIUSQUE LIBERTATE" und Darstellung eines Löwen auf Sockel mit Beschriftung "VRYHEIT", links daneben: "C & J HONIG"
Maße: 27,8 x 40,8 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "Fuß Cassell"
Beschriftungen:


Katalogtext:
Das von Landgraf Moritz 1606 bis 1610 an der Stelle eines früheren Klosters erbaute Schloß Weißenstein wurde von den hessischen Fürsten bis Ende des 18. Jahrhunderts als Lust- und Jagdschloß genutzt. Bis dahin konnte keines der Neu- und Umbauprojekte, die besonders von den Landgrafen Karl und Friedrich II. angestrebt worden waren, verwirklicht werden (Kramm 1939; Heidelbach 1909; Holtmeyer 1910; Paetow 1929; Dittscheid 1987; Bergmeyer 1999). 1766 bis 1769 ließ Landgraf Friedrich II. die Dreiflügelanlage durch den Obristen von Gohr erneuern und dabei das Corps de Logis um ein Geschoß erhöhen. 1786 wurden unter Landgraf Wilhelm IX. die Flügel weitgehend und 1790 alle noch vorhandenen Teile abgebrochen, um Platz für den von Simon Louis Du Ry und Heinrich Christoph Jussow geplanten Schloßneubau zu schaffen.
Die Zeichnung, die einen Schnitt durch das Hauptgebäude und die beidseitig anschließenden niedrigeren Flügel von Osten her gesehen zeigt, kann erst nach den Umbauten in den 60er Jahren entstanden sein. Das mittlere Zwerchhaus ist bereits um ein Geschoß erhöht und hat die von vielen Darstellungen bekannten flach geneigten Giebeldächer, die mit einem Segmentbogen verblendet sind (vgl. Holtmeyer 1913, Abb. 10, 11, 14 u. 15). Darüber hinaus sind jeweils zwei der ebenfalls im Verlauf dieser Baumaßnahme errichteten Rundbogentüren im Erdgeschoß und in der Beletage eingetragen. Der Schnitt ist so gelegt, daß die im westlichen Teil von Hauptgebäude und Seitenflügeln befindlichen vier Treppenanlagen sichtbar werden. Hier ergibt sich allerdings eine Abweichung vom Baubefund, der durch Grundrißzeichnungen gesichert ist (Holtmeyer 1913, Abb. 14 u. 15). Während drei Treppen im Hauptflügel untergebracht waren, lag die südliche (in der Darstellung die rechte) bereits im Flügelbau. Möglicherweise wurde sie erst nach dem Abbruch des Südflügels 1786 in das Hauptgebäude verlegt, um dessen weitere Nutzung zu erleichtern.
Demnach ist das Blatt in den Zusammenhang der Veränderungen von 1786 zu datieren. Dafür spricht auch, daß in den beiden Giebeln der niedrigeren Flügelteile jeweils nur ein Fenster im Dachgeschoß markiert ist. Wie eine Ansicht der Ostseite (Holtmeyer 1913, Abb. 11) erkennen läßt, waren hier zunächst zwei steile Giebel als Abschluß vorgesehen. In die letztgenannte Zeichnung ist jedoch bereits in der äußersten rechten Achse nachträglich ein weiteres Fenster einskizziert, das auf die spätere Dachlösung mit Satteldächern über den Seitenteilen hinweist. Der 1787 entstandene Stich von Gotthilf Wilhelm Weise nach Johann Heinrich Tischbein zeigt die verändert ausgeführte Form mit einem Zwerchhaus, das von zwei Gauben flankiert wird.
Das Interesse des Zeichners von L GS 13807 galt jedoch nicht den Dächern, sondern vornehmlich den Räumlichkeiten des Schlosses, deren Höhen in der eher schematischen Bauaufnahme verzeichnet sind.
Stand: September 2004 [GF]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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