1.64.12.18 - Kassel, "Haus Ruhl", Entwurfsvariante zu Erdgeschoß und Beletage, Grundriß



1.64.12.18 - Kassel, "Haus Ruhl", Entwurfsvariante zu Erdgeschoß und Beletage, Grundriß


Inventar Nr.: L GS 13880
Bezeichnung: Kassel, "Haus Ruhl", Entwurfsvariante zu Erdgeschoß und Beletage, Grundriß
Künstler: Julius Eugen Ruhl (1796 - 1871), Architekt
Datierung: um 1837/38
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz und Rot, braun laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: "J WHATMAN / 1830"
Maße: 37,7 x 55,3 cm (Blattmaß)
Maßstab: unbezifferter Maßstab ohne Maßeinheit
Beschriftungen: oben links: "15." (Farbstift in Blau)
unten links: "Bel Étage" (Graphit)
unten mittig: "Rez de Chausée" (Graphit)
in der Darstellung: Maßangaben, Berechnungen und Erläuterungen (Graphit)


Katalogtext:
Die bereits 1837 beginnende Grundstücksauseinandersetzung mit dem Bankier Feidel behinderte die Baupläne Ruhls erheblich, wie er selbst 1840 schildert: "Mein Juwel war nun dafür gerichtet, das Hauptgebäude in Übereinstimmung dem Schwarzenberg'schen Haus, da dies die Architektur und die Symmetrie nothwendig erforderte, in Ausführung zu bringen. Hierzu war jedoch ein Teil des vorliegenden, dem Banquier Feidel zugehörigen Gartens erforderlich, dessen Abgabe der Besitzer, ungeachtet aller deshalbigen Offerten beharrlich verweigerte, wodurch ein Prozeß entstand" (StAM Best. 160 Nr. 18, zit. nach Lohr 1984, S. 145). Der asymmetrische Zuschnitt des Grundstücks, der auch aus dem Situationsplan auf L GS 13896 ersichtlich wird, hätte eine deutliche Verkürzung des Hauptgebäudes erfordert. Dementsprechend entwarf Ruhl auf diesem Blatt Grundrisse von Erdgeschoß und Beletage, die diese Gegebenheiten berücksichtigen. Die Bebauung endet an der rechten Seite jeweils mit einer geschlossenen Mauer entlang der schrägen Grenzlinie, die auch im Grundriß L GS 13895 eingezeichnet ist.
Die Hauptfassade umfaßt somit nur noch fünf Achsen, wodurch der Eingang, der an seinem alten Platz bleibt, an die rechte Seite des Gebäudes rückt. Die Treppe wird ebenfalls an die rechte Seite versetzt, wo sie als einläufiger halbrunder Aufgang in den ungünstig geschnittenen Raum zwischen dem Flur und der schrägen Abschlußmauer eingepaßt ist. Das Treppenhaus erhält dadurch jedoch kein natürliches Licht mehr. Ruhl gewinnt so aber mehr Wohnräume auf der linken Seite. Zur Verbesserung der räumlichen Situation dient auch die Erweiterung der Seitenfront des Vorderhauses auf sechs Achsen, so daß jedes Zimmer auf dieser Seite zwei Fenster erhält. Der linke Seitenflügel ist in dieser Zeichnung gänzlich weggelassen, während der rechte ebenso wie das Haupthaus durch die schräge Grenzlinie beschnitten ist. Hier sollten im Erdgeschoß wie in dem frühen Plan L GS 13895 Ställe untergebracht werden, während in der Beletage wie in L GS 13899 Wohnräume vorgesehen waren. Obwohl die Beletage durch die Verkürzung einen erheblichen Raumverlust hinzunehmen hat, wird sie doch weiterhin im vorderen Bereich mit großen Salons und Zimmern ausgestattet, während die Küche in den hinteren Flügel versetzt ist.
Das Blatt mit einem Whatman-Wasserzeichen von 1830, zu dem noch die Zeichnung des Grundrisses der zweiten Etage L GS 13878 gehört, dürfte in der frühen Planungsphase um 1837/38 entstanden sein. Möglicherweise diente der Entwurf dazu, deutlich zu machen, welche negativen Auswirkungen das Verhalten des Bankiers Feidel auf die Baugestalt hätte. Die zahlreichen Graphiteinzeichnungen und Notizen belegen, daß Ruhl weitere Überlegungen bezüglich der optimalen Raumnutzung anstellte.
Stand: August 2007 [UH]


Literatur:
Lohr 1984, S. 144ff.


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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