1.60.1.4 - Kassel, Palais Reichenbach, Rosa Kabinett, Entwurf für einen Armlehnsessel, perspektivische Ansicht



1.60.1.4 - Kassel, Palais Reichenbach, Rosa Kabinett, Entwurf für einen Armlehnsessel, perspektivische Ansicht


Inventar Nr.: Marb. Dep. 103
Bezeichnung: Kassel, Palais Reichenbach, Rosa Kabinett, Entwurf für einen Armlehnsessel, perspektivische Ansicht
Künstler: Julius Eugen Ruhl (1796 - 1871)
Datierung: um 1840
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, Aquarell- und Dechfarben
Träger: Papier
Wasserzeichen: -
Maße: 25,7 x 18,6 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: unten rechts: "R." (Feder in Schwarz)


Katalogtext:
Der Armlehnsessel mit einem rosa Bezugsstoff in Streifenmusterung, der dem beiliegenden Text zufolge einem Rosa Kabinett zuzuordnen, zeigt ein elegantes Möbel, das auf stark gebogenen, astartig gestalteten Beinen, die unter der Sitzfläche einen nahezu vollkommenen Rundbogen entstehen lassen. Dabei ist die Konstruktionsweise dieses dem Typus des Scherenstuhles nachempfundenen Möbels nicht recht ersichtlich. Offensichtlich bilden Rücklehne und Vorderbein keine Einheit, so daß eine Konstruktion gekreuzter Hölzer entstände (s. dagegen ein Stuhlmodell für das Braunschweiger Schloß; Wedemeyer 1998, Kat. Nr. 152, S. 265), sondern die Beine haben eine direkte Verbindung, auf der die Zarge aufliegt. Die Anregung hierfür könnte von dem Schinkel-Entwurf eines Lehnsessels für Wilhelm III. ausgegangen sein (Berlin, SPSG; Katalog Berlin 1981, Kat. Nr. 241, S. 298f.), der das "Motiv der aus zwei gegensinnig angeordneten Bogensegmenten" zeigt. Allerdings erscheint die Verbindung von Vorder- und Hinterbein in dem vorliegenden Entwurf bei gleichzeitiger Auflage der Seitenzarge angesichts derart fragil ausgeführter Hölzer nur schwer realisierbar. Möglicherweise hatte Ruhl bei dieser Konstruktion, die auch bei Marb. Dep. 98 zu finden ist, an das Material Eisen gedacht (frdl. Hinweis von Henriette Graf, München), das von Schinkel bereits um 1830 seriell im Bereich der Gartenmöbel eingesetzt worden war.
Die gebogene, niedrige Rückenlehne wird seitlich von gewundenen, eingebogenen Hölzern mit tierkopfartigen Schnabel-Endstücken gerahmt, die gleichzeitig als Quastenaufhänger dienen. Auch die als üppiges Blattgebilde gearbeiteten Armlehnstützen enden in Tierköpfen - hier als greifenartige Wesen ausgebildet -, die in ihren Schnäbeln einen Ring für die Quastenaufhängung halten. Wie bei anderen Sitzmöbelentwürfen der Serie (s. a. Marb. Dep. 104 a und b) verdeckt auch hier ein Fransenbesatz den Zargenrahmen. Dieses Ziermotiv wird unter dem Quersteg der Rückenlehne motivisch wieder aufgenommen.
Auch bei dem vorliegenden Entwurf werden unterschiedliche Stilmotive miteinander vermischt. Während die geschwungenen, üppig verzierten Teile der Rahmenkonstruktion vom Rokoko beeinflußt sind, kommen bei den Tiermotiven auch Elemente einer Dekorationsauffassung des Biedermeiers zum Tragen. Die Stützenkonstruktion ist in Form und Ausprägung dagegen eher ein Gestaltungsmerkmal der Neorenaissance.
Stand: August 2007 [MH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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