1.61.4.1 - Kassel, Palais Schaumburg, drittes Projekt, Entwurf zum Erdgeschoß, Grundriß (mit Klappe)



1.61.4.1 - Kassel, Palais Schaumburg, drittes Projekt, Entwurf zum Erdgeschoß, Grundriß (mit Klappe)


Inventar Nr.: Marb. Dep. 131d
Bezeichnung: Kassel, Palais Schaumburg, drittes Projekt, Entwurf zum Erdgeschoß, Grundriß (mit Klappe)
Künstler: Julius Eugen Ruhl (1796 - 1871), Zeichner, Entwurf
Datierung: 1836
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, Rot und Grau, braun laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: "J WHATMAN / 1831"
Maße: 52,6 x 73,1 cm (Blattmaß)
Maßstab: unbezifferter Maßstab ohne Maßeinheit
Beschriftungen: oben mittig: "Grundriss des Rez de Chausee in dem für / Ihre Erlaucht die Frau Gräfin von Schaumburg neu zu bauenden / Palais." (Graphit, Feder in Schwarz)
in der Darstellung: Maße und Erläuterungen (Graphit, Feder in Schwarz)
verso: "1587 (b, 5)" (Feder in Blau)


Katalogtext:
Innerhalb der langwierigen Planungsgeschichte des sog. neuen Palais war das dritte Projekt am weitesten fortgeschritten. Hierzu liegen ein von Friedrich Wilhelm approbiertes Plankonvolut mit dezidierten Maßangaben sowie ein ausführlicher Kostenvoranschlag vom 26. Mai 1836 vor (mhk, Graphische Sammlung, Marb. Dep. 131), wonach für den Bau insgesamt 150.028,20 Taler aufzubringen gewesen wären.
Hofbaudirektor Ruhl entwarf eine U-förmige Anlage mit rückwärtigen Hof, an den sich, wie der Lageplan verdeutlicht (Marb. Dep. 131h), ein weiträumiger Park mit einem radialen Wegesystem anschließen sollte. Zum Wilhelmshöher Platz ist dem Bau eine flach gerundete Auffahrt mit zentraler, zweiläufiger Treppenanlage vorgesetzt. Von dem axialen, die gesamte Gebäudetiefe einnehmenden Erschließungsbereich aus Atrium, Vestibül und "Cavaetium" (richtig: cavaedium) - wobei diese Bezeichnung für den Lichthof eines römischen Hauses irreführend ist, da die Belichtung über Fenstertüren vom Hof aus erfolgen sollte - können die den Innenhof umschließenden Flügeltrakte erreicht werden. Für die Wände und die Plafonds des Atriums, des Vestibüls, des Treppenhauses sowie eines in der Zeichnung nicht ausgewiesenen Raumes "m" war nach Aussage des Kostenvoranschlags eine leichte Arabeskenmalerei vorgesehen.
Wie dem Kostenvoranschlag zu entnehmen ist, sollte das kurfürstliche Appartement die linke Gebäudehälfte einnehmen. So sind neben der Erschließungshalle ein Arbeits- und Empfangssaal, ein Billardzimmer und ein sich über die gesamte Flügelbreite erstreckender Gartensaal untergebracht. Die Haupträume sollten dem Rang der hier logierenden Person entsprechend aufwendiger ausgestattet werden. Neben einer Lambrisverkleidung der Wände werden im Kostenvoranschlag Berliner Fayence-Öfen zur Beheizung der Zimmer aufgeführt. Dem stehen "Ciculier-Öfen" mit tönernem Aufsatz als Heizquelle für die anderen Räume gegenüber.
Für die äußere, zwischen Gartensaal und Arbeitszimmer gelegene Raumfolge wird mittels einer Klappe eine Alternativlösung präsentiert. Der mittlere, durch die eingezeichnete ovale Wanne als Badezimmer zu deutende Raum, wird hier vergrößert und durch einen rundbogigen Wandabschluß mit zusätzlicher Ofenausbuchtung gestalterisch aufgewertet. Auf der rechten Seite schließt sich an das Vestibül das Haupttreppenhaus mit der zweiarmigen, dreiläufigen Treppe an. Auf dieser Etage befinden sich die Zimmer für den Portier und den diensthabenden Adjutanten sowie ein Wartezimmer und ein Kabinett in der vorderen Gebäudeecke. Im hinteren, durch eine Durchfahrt abgetrennten Gebäudeteil plazierte Ruhl die große Küche.
Ein weiterer als verkleinerte Nachzeichnung angelegter Erdgeschoßgrundriß (Marb. Dep. 134a) veranschaulicht die Idee einer offenen Halle zum Hof.
Obwohl der Erdgeschoßgrundriß wie Marb. Dep. 131a sorgsam vermaßt ist, fungierte das Blatt weder als Werkzeichnung noch als Ausführungsentwurf. Ein approbierter Ausführungsentwurf mit verschiedenen Änderungen (Marb. Dep. 131f) entstand nach der vorliegenden Grundrißdarstellung. Daß es sich jedoch um einen weit fortgeschrittenen Planungsprozeß handelt, verdeutlicht der zu dieser Entwurfsserie vorliegende Kostenvoranschlag, der bei keiner der anderen Entwurfsserien angefertigt wurde.
Stand: August 2007 [MH]


Literatur:
Lohr 1984, Nr. 80, S. 119, 122, 140 m. Abb. 82


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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