3.130.2.7 - Wilhelmsthal, Schloß, Seitenflügel, Entwurf zur Hoffront, Aufriß



3.130.2.7 - Wilhelmsthal, Schloß, Seitenflügel, Entwurf zur Hoffront, Aufriß


Inventar Nr.: Marb. Dep. 22
Bezeichnung: Wilhelmsthal, Schloß, Seitenflügel, Entwurf zur Hoffront, Aufriß
Künstler: Simon Louis Du Ry (1726 - 1799), Zeichner
Datierung: 1746
Geogr. Bezug: Wilhelmsthal
Technik: Feder in Schwarz und Grau, blau und grau laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: -
Maße: 30,8 x 31,6 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab ohne Maßeinheit
Beschriftungen:


Katalogtext:
Nach einer Ausbildung beim Vater und am Collegium Carolinum in Kassel konnte Simon Louis Du Ry als Zwanzigjähriger sein Studium bei dem schwedischen Oberhofbaumeister Carl Hårlemann in Stockholm fortsetzen. Bereits in seinem ersten Studienjahr 1746 sandte er Schülerentwürfe für Schloß Wilhelmsthal an den Statthalter Wilhelm von Hessen-Kassel, den späteren Landgrafen Wilhelm VIII., vermutlich um dem Wohltäter einen Eindruck von seinen Fortschritten zu geben. Zu dieser ersten Entwurfsfolge zählt Schmidt-Möbus den vorliegenden Aufrißentwurf eines Seitenflügels von Schloß Wilhelmsthal mit Alternativvorschlag (Klappe) zur Gestaltung des Dachausbaus (Schmidt-Möbus 1995, S. 147f., 206).
Über einem niedrigen Kellergeschoß mit kleinen segmentbogigen Fenstern erhebt sich der siebenachsige Bau in zwei Geschossen. Der Entwurf betont das Erdgeschoß, das durch seine gegenüber den Rechteckfenstern des Obergeschosses größeren Segmentbogenfenster hervorgehoben ist. Genutete Lisenen an den Gebäudeecken und als Rahmung der Mittelachse gliedern zusammen mit einem Horizontalgesims die Fassade. Dabei wird die Mittelachse wie häufig bei Du Ry durch Scheitelagraffen und eine besondere Dachgestaltung akzentuiert. In der ersten Version bereichern Volutenabschlüsse die geohrte Rahmung der Dachgauben. Eine zusätzliche Lisenenrahmung und Übergiebelung dieses Bereichs, die, wie Graphitspuren zeigen, angedacht war, ist hier wieder verworfen worden. An deren Stelle trat eine aufwendigere Zwerchhausvariante, die mittels einer Klappe auf den ersten Entwurf geklebt wurde. Eine Fensterbrüstung mit Blendfeld sowie ein von Konsolen getragener Segmentgiebel und eine Uhr mit rollwerkartiger Rahmung bereichern diesen Teil der Mittelachse. Beinahe alle Elemente des zwischen 1746 und 1749 ausgeführten nördlichen Seitenflügels sind in dieser Zeichnung Du Rys bereits verarbeitet worden. Als wesentliches Merkmal der Erdgeschoßgestaltung fehlt allein die auf den Putz aufgebrachte Bandgliederung. Die Übereinstimmung deutet darauf hin, daß Simon Louis vermutlich durch seinen Vater Informationen über den im Bau befindlichen nördlichen Seitenflügel erhielt, die er dann in seiner Zeichnung berücksichtigen konnte.
Die Zeichnung ist zwar sorgfältig ausgeführt, zeigt aber deutlich die noch etwas ungelenke Schülerhand. Typische stilistische Merkmale der späteren Arbeiten, wie die L-förmige Schattengestaltung im Fensterinnern, fehlen. Ein weiteres Indiz für die Unsicherheit bei der Planung ist in den verworfenen Lösungen zu sehen. Neben den beiden vorhandenen Vorschlägen muß ein weiterer Entwurf existiert haben. Klebespuren und Reste eines kleinen Blattes deuten auf einen Entwurf hin, der die erste Lösung ersetzen sollte, später verworfen und schließlich von der Zeichnung wieder abgerissen wurde. Erst danach entstand die Alternativversion unter Zuhilfenahme einer Klappe. Auch innerhalb der ersten Entwurfsfolge bildet dieses Blatt eine schwächere Arbeit. Ein Umstand, der darauf hindeuten könnte, daß Simon Louis Du Ry diesen Aufrißentwurf noch in Kassel ausgearbeitet hat. Es erscheint unwahrscheinlich, daß ein durch das Abreißen des zweiten Entwurfs unsauber erscheinendes Blatt von Du Ry zur Präsentation seiner Fähigkeiten aus den Händen gegeben worden wäre.
Stand: September 2004 [MH]


Literatur:
Schmidt-Möbus 1995, S. 147f., Kat.Nr. 29d, Abb. 76


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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