1.5.5.1 - Kassel, Rotes Palais, Präsentationszeichnung zu den Fassaden, Aufriß



1.5.5.1 - Kassel, Rotes Palais, Präsentationszeichnung zu den Fassaden, Aufriß


Inventar Nr.: Marb. Dep. 235
Bezeichnung: Kassel, Rotes Palais, Präsentationszeichnung zu den Fassaden, Aufriß
Künstler: Johann Conrad Bromeis (1788 - 1855), Architekt/-in, Entwurf
Israel Schwalm (1801 - 1856), Zeichner/-in, Ausführung
Datierung: 1824
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Feder in Schwarz; braun, grün, gelb, blau, grau und schwarz laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: "AN DER LEY" (Anfang fehlt)
Maße: 50,4 x 62,4 cm (Blattmaß)
49 x 58 cm (Darstellungsmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "Fus."
Beschriftungen: mittig in der Darstellung: "Facaden des Neubaues am Residenz Palais." (mit Feder in Schwarz);
oben links: "II." (mit Graphit);
oben rechts: "No 4" (mit Feder in Braun);
oben rechts: "4." (mit Feder in Rot);
unten links: "Schwalm 14/2. 24." (mit Feder in Schwarz);
unten rechts: "Wilhelm K" (mit Feder in Schwarz);
verso: "15" (mit Farbstift in Rot);
verso: "5586" (mit Graphit);


Katalogtext:
Die von Kurfürst Wilhelm II. genehmigte Präsentationszeichung gibt den ausgeführten Zustand der beiden Fassaden mit allen Details wieder, da das Rote Palais bereits Ende 1822 im Rohbau vollendet war. Damals fehlten allerdings noch die Fenster und Türen sowie das Geländer. Die Hauptfassade gegen den Friedrichsplatz gliedert sich in den fünfachsigen, leicht hervortretenden Mittelrisalit mit vorgelagertem Portikus, die dreiachsigen Rücklagen und je einem noch etwas weiter zurückspringenden, einachsigen Wandfeld. Das Erdgeschoß zeigt eine Quaderrustika, in die Rundbogenfenster mit glatten Rahmen und darunter liegenden, querrechteckigen Feldern mit Rosetten einschneiden. Ein Kämpfergesims verbindet die Fenster mit den fünf rundbogigen, grünen Eingangstüren. Ein schmales Gesims trennt das Erdgeschoß vom Obergeschoß, das auf dem Kaffgesims aufsitzende Rechteckfenster mit waagrechten Verdachungen zeigt. Je ein dreiteiliges Venezianisches Fenster mit Lünette und kassettiertem Bogen akzentuiert die Mitte der Rücklagen. Die Fenster der beiden äußeren Achsen sind durch korinthische Doppelpilaster und Dreiecksgiebel hervorgehoben.
Der Mittelrisalit weist sechs kannelierte korinthische Pilaster aus weißem Schaumburger Sandstein auf, zwischen denen fünf rundbogige Fenstertüren mit Kämpfergesims sitzen. Den oberen Abschluß der Fassade bildet ein umlaufendes Gebälk. Der vorgelagerte Portikus besteht aus sechs kannelierten dorischen Säulen und einem reich mit Steinbildhauerarbeiten verzierten Architrav. Von den fünf Feldern gegen den Friedrichsplatz enthält das mittlere die Inschrift, während die anderen Felder Armaturen sowie Löwenköpfe, Palmetten und Donnerkeile zeigen. Den oberen Abschluß des Portikus bildet ein Kranzgesims, auf dem ein blau lackiertes und teilweise vergoldetes Geländer sitzt.
An der Fassade gegen die Karlsstraße nahmen die linken drei Achsen mit einem etwas hervortretenden Risalit noch auf den Flügel gegen den Friedrichsplatz Bezug, während die anschließende siebenachsige Fassade in sich symmetrisch gegliedert ist. Die Formen der ebenfalls mit rotem Sandstein verkleideten Fassade sind dieselben wie jene am Friedrichsplatz. Die Fassade sitzt aufgrund des abfallenden Geländes auf einem hohen Kellergeschoß mit lünettenartigen Fenstern. Den Rundbogenfenstern im Erdgeschoß entsprechen im Obergeschoß Rechteckfenster mit waagrechten Verdachungen. Die mittlere Achse des Risalits wie auch der anschließenden Fassade des Karlsstraßenflügels sind durch je ein Venezianisches Fenster mit Lünette und Kassettenbogen betont, wobei in der Mitte des Karlsstraßenflügels im Erdgeschoß eine hohe rundbogige Durchfahrt in die Quaderrustika einschneidet.
Sowohl die Fassade als auch die Bronzetore imitierenden grünen Türen und Tore sind von Vorbildern der italienischen Renaissance geprägt. Die Venezianischen Fenster entnahm Bromeis einem Stichwerk des Architekten Grandjean de Montigny über toskanische Architektur. Der Portikus hingegen gründet auf griechischen Vorbildern.
Stand: September 2004 [RB]

Literatur:
  • Klaus Hoffmann:: Die Schloss- und Parkanlagen von Philippsruhe im 19. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der beiden Umgestaltungsphasen von 1826-1829 und 1875-1880. In: Hanauer Geschichtsblätter 32, S. 115-188. 1994, S. 433, Kat.Nr. 264.
  • Bidlingmaier, Rolf: Das Residenzpalais in Kassel. Regensburg 2000, S. 314, Abbildung S. 119, Kat.Nr. 86.


Letzte Aktualisierung: 12.02.2026



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