1.84.2.1 - Kassel, Bellevue-Berggarten, Bestandsaufnahme, Lageplan



1.84.2.1 - Kassel, Bellevue-Berggarten, Bestandsaufnahme, Lageplan


Inventar Nr.: Marb. Dep. 254,8
Bezeichnung: Kassel, Bellevue-Berggarten, Bestandsaufnahme, Lageplan
Künstler: Johann Georg Christoph Lange (1763 - 1822), Zeichner
Datierung: 1787
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, grün, rosa, gelbbraun und blau laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: Krone über Wappenschild mit Lilie und "D & C BLAUW"
Maße: 51,5 x 69 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "pieds"
Beschriftungen: oben links: "PLAN / de Bellevue / & du / JARDIN DE SON / A.S.me MonSeigneur Le / Landgrave / dessiné par / J.G.C. Lange" (Feder in Schwarz und Braun)


Katalogtext:
1744 kaufte der Statthalter Prinz Wilhelm, der spätere Landgraf Wilhelm VIII., das Palais Bellevue von den Erben des verstorbenen Regierungspräsidenten und Geheimen Rates Johann Friedrich von Stain für das hessische Fürstenhaus. Das Bauwerk, von Landgraf Karl 1714 als Observatorium errichtet, hatte sich bereits vorher seit seiner Fertigstellung bis 1725 in fürstlichem Besitz befunden (Brunner 1916, S. 237f.; Holtmeyer 1923, S. 371f.; Both/Vogel 1973, S. 173f.; Katalog Kassel 1979, S. 82 und 216). Prinz Wilhelm überließ das Gebäude seinem Sohn, dem Erbprinzen Friedrich, als Stadtwohnsitz. Bereits vor seinem Regierungsantritt ließ dieser den seitlich des Palais zwischen der Frankfurter Straße und dem Aueabhang liegenden Garten umgestalten. Beeinflußt vom englischen Landschaftsgarten entstand hier ein frühes Beispiel des anglo-chinesischen Gartens in Deutschland. Schuchard/Dittscheid sehen darin sogar "das erste Beispiel dieses Gartenstils nicht nur in Deutschland, sondern auf dem Kontinent" (Katalog Kassel 1979, S. 82).
Der in dem Klebeband mit Gartenplänen (vgl. den Einleitungstext "Orte in Hessen, Hanau, Gartenanlagen") montierte Lageplan von Johann Georg Christoph Lange zeigt die Anlage im Zustand von 1787, vor den Veränderungen, die Landgraf Wilhelm IX. daran vornehmen ließ (vgl. den Stadtplan von 1803 von G. W. Weise nach H. J. Martens, GS 12467). Bezeichnend für die Übergangsphase ist dabei das Nebeneinander traditioneller Elemente wie der von kleinen Bäumen flankierten, breiten, geraden Wege oder des regelmäßig geformten Rasenparterres und andererseits des Bosketts mit Schlängelwegen und Kleinarchitekturen oder des unregelmäßig geformten Teiches mit vier Inseln. Der ursprünglich kleinere Garten, der erst durch den 1763 erfolgten Zukauf auf die in der Zeichnung wiedergegebe Größe gebracht worden war, wurde von Le Rouge als "Jardin chinois ou Labyrinthe du Prince de Hesse-Cassel" in seine Sammlung von "Jardins anglo-chinois" aufgenommen. (Le Rouge 1776-1786, 9. Heft 1781; vgl. Bleibaum 1926, S. 33f., Anm. 7; Both/Vogel 1973, S.173f., Abb. 47; Katalog Kassel 1979, S. 216). Der dort publizierte Stich basiert auf einer 1761 im Auftrag des französischen Generals Delisle entstandenen Zeichnung und informiert über den Zustand des Gartens um 1760. Dessen Gestalt nach der Erweiterung ist der Beschreibung Schminckes von 1767 wie auch dem Stadtplan von 1781 von Gotthilf Wilhelm Weise nach der Zeichnung von Friedrich Wilhelm Selig zu entnehmen (Schmincke 1767, S. 310f.; vgl. auch Günderode 1781, S. 37f.).
Von Lange sind zwei weitere Lagepläne in der Graphischen Sammlung vorhanden, die ebenfalls um 1787 im Zusammenhang mit anstehenden Veränderungen des Bestands unter Landgraf Wilhelm IX. angefertigt wurden. Es handelt sich um zwei Gesamtdarstellungen des Gesundbrunnens bei Hofgeismar, die bereits das 1787 projektierte Schloß Schönburg berücksichtigen (Marb. Dep. 255a u. Marb. Dep. II, 329).
Stand: September 2004 [GF]


Literatur:
Katalog Kassel 1979, S. 216, Nr. 289, Abb. 289


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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