3.130.2.5 - Wilhelmsthal, Schloß, Entwurf zum Obergeschoß des Corps de Logis, Grundriß



3.130.2.5 - Wilhelmsthal, Schloß, Entwurf zum Obergeschoß des Corps de Logis, Grundriß


Inventar Nr.: Marb. Dep. 33
Bezeichnung: Wilhelmsthal, Schloß, Entwurf zum Obergeschoß des Corps de Logis, Grundriß
Künstler: Simon Louis Du Ry (1726 - 1799), Zeichner
Datierung: 1746
Geogr. Bezug: Wilhelmsthal
Technik: Feder in Schwarz, rosa laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: Lilie über Wappenschild mit zwei Schräglinksbalken, darunter "C & I H"
Maße: 29,4 x 46,3 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: oben mittig: "Plan de l'Attique ou du Pr: Etage du Chateau / d'Amelien Tahl." (Feder in Schwarz)
oben links: "Nro: 7." (Feder in Braun)
in der Darstellung: Bezeichnung der Räume (Feder in Schwarz)
verso: "Taf. 8" (Graphit)


Katalogtext:
Der von Simon Louis Du Ry angefertigte Obergeschoßgrundriß für Schloß Wilhelmsthal verzeichnet drei Appartements, die jeweils aus Schlafzimmer und Garderobe bestehen. Eine mit "A-B" bezeichnete Schnittlinie, die mitten durch das Gebäude geht, bezieht sich auf eine weitere, von Simon Louis Du Ry angefertigte Zeichung mit einem Schnitt des Corps de Logis (Marb. Dep. 31).
Zwar ist die symmetrische Aufteilung einer Raumfolge zu seiten der Mittelachse vorhanden, auf der architekturtheoretisch privilegierten Gartenseite liegt entlang dieser Achse jedoch ziemlich ungünstig die Trennlinie zweier Appartements. Im Zentrum des Geschosses befindet sich ein querovaler Billardraum, um den sich drei zusammengehörige Zimmerfolgen und eine dreiläufige Treppenanlage anordnen. Breite Korridore bilden eine nord-südlich ausgerichtete Erschließungsachse. Ein zweite, zweiläufig angelegte Treppe als Zugang zu den Wohnräumen des höhergestellten Hofpersonals im Mansardgeschoß schränkt die Möglichkeiten der Wohnraumnutzung ein. Die später ausgeführte Raumfolge mit einer Vestibül- und Saalanordnung auf der Mittelachse und einer Reduzierung der Appartements auf zwei bewirkte eine klarere Aufteilung in den Gebäudehälften und bedeutete für die Nutzung deutliche Vorteile.
Die zunächst ungewöhnlich erscheinende Nutzung eines Raumes als Billardzimmer entspricht durchaus dem Vorkommen beim französischen Schloßbautypus. So findet sich bei der Spätform der "maison de plaisance" in Frankreich wie im Fall der von François-Joseph Bélanger erbauten Bagatelle im Erdgeschoß ein hofseitig angeordneter längsrechteckiger Billardraum. Vorbildhaft könnte an dieser Stelle ein weitaus älterer Schloßgrundriß gewirkt haben, der bereits bei der Planung der Eckrisalite der Wilhelmsthaler Anlage zum Vergleich herangezogen werden konnte. Im Erdgeschoß des von Robert de Cotte entworfenen Planes des Schlosses Tilbourg in Brabant, das sich zwischen 1710 und 1754 im Besitz des hessischen Prinzen Wilhelm befand, ist in der rechten Gebäudehälfte ein Billardraum mit einseitig abgerundeten Ecken plaziert. Die Verlegung in die Gebäudemitte erscheint zusammen mit der Abrundung aller Raumecken in dem Blatt von Du Ry wie eine Weiterentwicklung des Raumentwurfs von de Cotte. Wilhelms anfängliche Vorstellungen von Gebäude- und Raumgestalt seines neu zu erbauenden Landschlosses können so mit diesen von ihm beauftragten Entwürfen in Verbindung gebracht werden.
Stand: September 2004 [MH]


Literatur:
Bleibaum 1926, S. 6f., 9, 149, Taf. 8; Hallo 1930/2, S. 71; Bleibaum 1932, S. 52, 57; Frank 1989, S. 192, Abb. 160; Schmidt-Möbus 1995, S. 147f., Kat.Nr. 29c, Abb. 70b


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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