1.2.5.1 - Entwurf für eine Wandgestaltung, Aufriß, Schnitt und Untersicht



1.2.5.1 - Entwurf für eine Wandgestaltung, Aufriß, Schnitt und Untersicht


Inventar Nr.: Marb. Dep. 35
Bezeichnung: Entwurf für eine Wandgestaltung, Aufriß, Schnitt und Untersicht
Künstler: Johann Georg Fünck (1721 - 1757), Architekt, fraglich
Datierung: um 1740
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, Pinsel in Schwarz, grau laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: "IV"
Maße: 30,2 x 51,1 cm (Blattmaß)
Maßstab: unbezifferter Maßstab ohne Maßeinheit
Beschriftungen:


Katalogtext:
Der Schnitt durch einen Raum zeigt eine aus fünf Feldern bestehende symmetrische Wandgestaltung, die von einer mittig angeordneten rundbogigen Nische mit einem ornamental und figürlich aufwendig gestalteten Ofen dominiert wird. Im unteren Blattbereich, wo Deckenuntersicht und Schnitt kombiniert sind, wird die Betonung der Mittelachse durch die Ofennische nochmals deutlich. Von den seitlich flankierenden Wandabschnitten, die jeweils durch schmale gefelderte Streifen gerahmt werden, sind zwei für eine Wandbespannung freigehalten, während die äußeren flachbogige Türen enthalten. In das linke Wandfeld ist mit Graphit eine alternative Lösung mit niedrigem Lambris eingetragen. Die dann folgenden Felderungen stellen die Vertäfelungen der ebenfalls flachbogig geschlossenen Fensternischen dar, und sind nicht, wie von Schmidt-Möbus irrtümlich angenommen, Alternativen der Türblätter (Schmidt-Möbus 1995, S. 208, Anm. 558). Der aus dieser Fehlinterpretation des Raumschnittes abgeleiteten Abschreibung als "Alternativentwurf für einen der Wilhelmsthaler Säle" (Schmidt-Möbus 1995, S. 209) ist gleichwohl zu folgen, wie sich schon aus den Maßvergleichen mit diesen beiden Räumen ergibt. Dagegen sprechen sowohl die Maße wie die Anordnung der Türen und die flachbogigen Fensternischen für die von Schuchard in Erwägung gezogene Zuordnung zum Residenzschloß in Kassel, in dem Wilhelm VIII. nach seiner Regierungsübernahme 1751 Umbauarbeiten vornehmen ließ (Manuskript Schuchard; zu den Baumaßnahmen vgl. Heppe 1995, S. 194f.). Hier ist vor allem an den Thronsaal zu denken, der mit etwa 38 Fuß Innenmaß die gesamte Raumbreite des Backhausflügels einnahm und beidseitig flachbogige Fenster besaß. Das Maß von 38 Fuß läßt sich auch für das vorliegende Blatt errechnen, weiterhin stimmen die Anordnung der beiden Türen sowie der zentralen Nische für den Ofen überein (vgl. die Grundrissse von 1753 im StAM P II 9580/19 oder von Johann Henrich Wolff von 1774, StAM 300 P II 342/3; Abb. 109 u. Abb. 68 bei Heppe 1995).
Schmidt-Möbus glaubt, das Blatt Simon Louis Du Ry zuschreiben zu können (Schmidt-Möbus 1995, S. 209). Dessen Zeichenstil, der bei aller sorgfältigen und genauen Anlage der Zeichnung gerade bei der Darstellung von Ornamenten stets eher weich und flüchtig wirkt, unterscheidet sich jedoch von der präzisen und um vollständige Wiedergabe aller ornamentalen Details bemühten Art beim vorliegenden Blatt. Die dabei zu beobachtende etwas zögerliche und kleinteilige Zeichenweise findet sich bei dem vor allem in Wilhelmsthal, aber auch in Wilhelmshöhe tätigen Johann Georg Fünck. Vergleichbar sind dessen Entwürfe zum Entenhaus und zur Kaskade in Wilhelmsthal (Marb. Dep. 2 - Marb. Dep. 4) sowie zur Wasserführung beim Oktogon in Wilhelmshöhe (Marb. Dep. 1). Demnach wurde Fünck für verschiedene Bauprojekte des Hofes eingesetzt; das Blatt könnte somit zur bislang nicht geklärten Frage nach Füncks Tätigkeit nach seiner Rückkehr aus Paris 1752 beitragen (Bleibaum 1926, S. 10; Schmidt-Möbus 1995, S. 214; Heckmann 1998, S. 394).
Stand: September 2004 [GF]


Literatur:
Schmidt-Möbus 1995, S. 208f., Abb. 150


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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