3.130.3.12 - Wilhelmsthal, Schloß, Garten, Entwurf zur Grotte, Grundriß



3.130.3.12 - Wilhelmsthal, Schloß, Garten, Entwurf zur Grotte, Grundriß


Inventar Nr.: Marb. Dep. 8
Bezeichnung: Wilhelmsthal, Schloß, Garten, Entwurf zur Grotte, Grundriß
Künstler: unbekannt
Datierung: um 1743
Geogr. Bezug: Wilhelmsthal
Technik: Feder in Grau, grau, blau, rosa und gelbgrün laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: -
Maße: 43,2 x 41 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: oben rechts, unten rechts: "1:90" (Graphit)
in der Darstellung: Maßangaben (Feder in Grau)
in der Darstellung: Buchstaben (Feder in Braun)
verso: "1618 (a,5)" (Feder in Türkis)
verso: "Wilhelmsthal / Cuvillies" (Graphit)


Katalogtext:
Im Rahmen des Wilhelmsthaler Grottenbaus entstanden zwei Planungskonvolute, von denen das eine nach Kassel geschickt wurde, während das andere in Berlin verblieb. Eine Anzahl Berliner Blätter wurde von Anneliese Streichhan im Hohenzollernmuseum Schloß Monbijou wiederentdeckt und dabei für den Knobelsdorff-Schüler und Mitarbeiter Johann Georg Fünck in Anspruch genommen (Streichhan 1932, S. 13). Jüngste Forschungsergebnisse unterscheiden zwei Hände, wobei die in Graphit ausgeführten Zeichnungen als erste Entwürfe von Knobelsdorff angesehen werden, die später von Fünck kopiert und sogar weiter gestaltet wurden (Schmidt-Möbus 1995, S. 96). Die vorliegende Zeichnung kann jedoch nicht Fünck zugeschrieben werden, da die etwas dilettantische Ausführung - die Linien variieren in ihrer Dicke, sind unterbrochen und werden über ihre Berührungspunkte hinweg fortgeführt - nicht mit einem erfahrenen Zeichner in Zusammenhang gebracht werden kann und sich zudem deutlich von den Fünck zugeschriebenen Zeichnungen unterscheidet.
Die hier im Grundriß gezeigte Grottenanlage, zu der in Verlängerung nach Osten eine Geflügelmenagerie entstehen sollte, setzt sich aus der querovalen Grotte, einem vorgelagertem querovalen Becken mit anschließendem Wasserkanal und einem rechteckigen Becken zusammen, das bei der Darstellung jedoch wegfiel. Die Grotte schneidet mit drei Nischen in eine das ansteigende Gelände abstützende Futtermauer, die hier in doppelter Ummauerung dargestellt ist. Die später zur Ausführung gelangten flachen querovalen Nischen zwischen dem Grottenbau und der zweischaligen Futtermauer fehlen auf diesem Blatt ebenso wie der zwischen Becken und Grotte verlaufende Weg, so daß dem Blatt ein entsprechend früher Platz innerhalb der Planungsgeschichte zugewiesen werden kann. Ein in Graphit ausgeführtes Blatt in Potsdam (SPSG, Plankammer, O-Nr. 94) mit einer Grundrißdarstellung der Grotte und dem oberen Teil des Beckens zeigt im übrigen dieselben Merkmale. Ungeklärt scheint bei Entstehung der Zeichnung die Form der Wasserspeier gewesen zu sein, deren Plätze mittels Distanzmaßen zwar eingezeichnet, die aber nicht weiter ausgeführt worden sind. Zum Wasserbecken hin gliedert sich die Fassade in drei Öffnungen, die mit Fenstertüren versehen wurden, um den Ausblick auf die vorgelagerte Wasserfläche zu ermöglichen. Abweichend vom Baubestand schließt das Becken direkt an das Grottenmauerwerk an. Die Zugänge ins Grotteninnere liegen an den Schmalseiten und stehen mit einem Weg zwischen Futtermauer und Wasserbassin in Verbindung. Den Zugang von dem höheren Gartengelände gewährleisten zwei Treppenanlagen, jeweils am Übergang vom Bassin zum Kanal gelegen. Die hier eingezeichnete zweiteilige Treppe mit Podest ist beim Bau einer einfacheren Konstruktion ohne Podest gewichen.
Angesichts der Diskrepanz zu der umgesetzten Architektur sprechen die zahlreichen, in die Darstellung eingebrachten Maßangaben gegen eine Werkzeichnung. Eventuell sind sie der Zeichnung später hinzugefügt worden (Schmidt-Möbus 1995, S. 89). Um eine spätere Ergänzung handelt es sich bei den in Braun ausgeführten Buchstaben a-d, die vermutlich mit einem bisher unbekannten Beschreibungstext in Zusammenhang stehen. Die jüngsten Hinzufügungen, die eine Umrechnung in Metermaße betreffen, sind in Graphit ausgeführt. In Verbindung mit den starken Gebrauchsspuren, die das Blatt aufweist, ist davon auszugehen, daß die Zeichnung trotz der Abweichung zum Baubestand beim verantwortlichen Bauamt in Benutzung war. Ein für den Planungsablauf wichtiges Detail bezieht sich auf die später umgesetzte geschweifte Beckenform mit dem vorgelagerte Durchgang. Auf dem Blatt sind eine eingetiefte Linie und ein in Graphit gezogener Strich auszumachen. Während der Graphitstrich auf der Lavierung liegt, also nachträglich eingezeichnet wurde, gehört die Linie zum ersten Entwurfskonzept, das bei Anfertigung der Zeichnung offensichtlich wieder verworfen und in einem späteren Entwicklungsstadium dann doch umgesetzt wurde. Die Graphitlinie beschreibt den entsprechenden Baubestand.
Stand: September 2004 [MH]


Literatur:
Schmidt-Möbus 1995, S. 88, Kat.Nr. 9, Abb. 27


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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