1.20.1.1 - Kassel, Königsplatz, Posthaus nach S. L. Du Ry, Aufriß



1.20.1.1 - Kassel, Königsplatz, Posthaus nach S. L. Du Ry, Aufriß


Inventar Nr.: Marb. Dep. 81
Bezeichnung: Kassel, Königsplatz, Posthaus nach S. L. Du Ry, Aufriß
Künstler: Johann Henrich Wolff (1753 - 1801), Zeichner
Datierung: um 1790
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Feder in Schwarz, Grau und Rot, grau und rot laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: -
Maße: 28,4 x 68 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "pieds de Cassell."
Beschriftungen: unten rechts: "JHWolff" (Feder in Schwarz)


Katalogtext:
1771/72 wurde nach dem Entwurf von Simon Louis Du Ry das Posthaus am Königsplatz erbaut. Außer der Post war hier eines der führenden Gasthäuser der Stadt untergebracht, in dem später auch Goethe bei seinen Kasselaufenthalten abstieg (StAM Best. 53f, Kassel Rubr. 4, Nr. 49; Holtmeyer 1923, S. 596-598; Boehlke 1958, S. 57; Katalog Kassel 1979, S. 210f., Nr. 269 und Nr. 271). Da der Bauplatz auf dem Gelände des zugeschütteten Festungsgrabens lag, konnte das Gebäude nicht als Steinbau, sondern lediglich als leichterer Fachwerkbau errichtet werden (Casparson 1800, S. 270). Wie in der Zeit üblich, suchte man durch Verputz den Eindruck eines Steinbaus zu erwecken. Gegenüber dem ursprünglichen anspruchsvollen Entwurf Du Rys wurde dabei jedoch die Fassade wesentlich vereinfacht (Gerland 1895, S. 96; Holtmeyer 1923, S. 597; Katalog Kassel 1979, S. 82).
Den ersten Entwurf Du Rys, der sich im Staatsarchiv Marburg erhalten hat (StAM P II 15.515/2; vgl. Katalog Kassel 1979, Nr. 271), verwendete Wolff als Vorlage für seine Nachzeichnung. Wie bei anderen Zeichnungen nach Vorbildern veränderte er dabei einige Details der Fassade, um diese dem Zeitgeschmack anzupassen. So fallen besonders die vergrößerten und mit Girlanden behangenen Vasen seitlich der beiden Zwerchhäuser auf. Wie auch bei den reduzierten und variierten Schmuckformen über den Durchfahrten des Erdgeschosses oder den Konsolen des Balkons kommen hier Elemente des Louis Seize-Stils stärker zur Geltung. Dem Mittelrisalit verlieh Wolff durch die reichere Rahmung der Balkontür, das aufwendigere Gitter und das von Löwen gehaltene Wappen im Giebeldreieck einen stärkeren Akzent. Die Initiale "W" in der Kartusche über der Tür zum Balkon, die mehrfach bei Wolffs Zeichnungen erscheint, dürfte auch hier auf Landgraf Wilhelm IX. bezogen sein. Demnach ist das Blatt in die Zeit nach dem Regierungsantritt dieses Fürsten 1785 zu datieren, obwohl eine Entstehung im unmittelbaren Zusammenhang mit den Planungen Du Rys um 1770/72 ebenfalls denkbar wäre.
Stand: September 2004 [GF]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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