1.5.4.5 - Kassel, Weißes Palais (?), Entwurf zu einem neogotischen Vitrinenschrank, perspektivische Ansicht



1.5.4.5 - Kassel, Weißes Palais (?), Entwurf zu einem neogotischen Vitrinenschrank, perspektivische Ansicht


Inventar Nr.: Marb. Dep. 96
Bezeichnung: Kassel, Weißes Palais (?), Entwurf zu einem neogotischen Vitrinenschrank, perspektivische Ansicht
Künstler: Julius Eugen Ruhl (1796 - 1871)
Datierung: um 1840
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz
Träger: Papier auf graugrünem Trägerpapier
Wasserzeichen: nicht ermittelbar
Maße: 29,2 x 20,1 cm (Blattmaß)
22,7 x 13,8 cm (Darstellungsmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "Fuss"
Beschriftungen:


Katalogtext:
Die Federzeichnung zeigt ein zweigeschossiges kastenförmiges Möbel im neogotischen Stil mit geschlossenem Untersatz und wohl verglastem Aufsatz auf Blattornamentfüßen. Der Untersatz ist zweiteilig, wobei der obere Teil wohl als Schublade konzipiert ist. Die Ecken werden in beiden Geschossen durch gedrechselte Stäbe mit Mittelknauf und ein bekrönendes Blattornament betont. Die Füllungen im oberen Bereich sowie an den Seitenwangen zeigen geschnitztes Maßwerk in Form stehender Vierpässe und rotierender Fischblasen. Die Flachschnitzerei im unteren Bereich mit dem einander zugewandten Delphinpaar ist hingegen einer antikisierenden Formensprache verpflichtet. Ein gleichartiges Motiv findet sich an dem für das Palais Reichenbach bestimmten Entwurf eines Kaminschirms (Marb. Dep. 97), an dem Ruhl zu dieser Zeit wohl ebenfalls arbeitete. Damit entsprach Ruhls Entwurf der vorherrschenden Zeitströmung. Viele Künstler sahen in der Vermischung der Stile die Grundlage zu einem modernen, zeitgemäßen Stil.
Bei der Gestaltung des Vitrinenaufsatzes ahmte Ruhl gotische Kirchenfenster nach und entwarf verglaste Füllungen mit einer Binnengliederung in Form von Lanzettmaßwerk. Er hatte, wie die ausradierten Graphitlinien verdeutlichen, an dieser Stelle zunächst eine schmalere Unterteilung ins Auge gefaßt. Als oberer Abschluß sind eine gewundene Blattranke, ein gekehltes Gesims und ein dahinter zurückspringendes umgedrehtes Karnies ausgeführt. Auffälligerweise befinden sich an dem Möbel keine Beschläge, ebenso fehlen Hinweise auf die Funktionalität der Einzelteile.
Ein vergleichbarer zweigeschossiger Schrank mit gedrechselten Eckstäben und flachgeschnitzten Maßwerkornamenten befand sich ehemals im Empfangszimmer der bayrischen Königin Marie Friedericke (Gemahlin von Maximilian II.) in der Kaiserburg Nürnberg. Sein Aussehen ist einzig durch eine Photographie aus den 1930er Jahren überliefert, da das gesamte Mobiliar bis auf eine Sitzgarnitur, die die Bayerische Schlösserverwaltung 1989 wieder erwerben konnte (Sangl 1990), verloren ist. Das Nürnberger Möbel kann allerdings nicht als Vorbild gedient haben, da die Einrichtung erst 1855 nach einem Entwurf von August von Voit ausgeführt wurde. Vermutlich berufen sich die beiden Entwürfe auf ein gemeinsames Vorlagenwerk, das jedoch bisher nicht ermittelt werden konnte.
Auf dem Blatt L GS 13670 befindet sich zusammen mit weiteren Ausstattungsstücken eine Vorstudie zu diesem Entwurf in einer leicht abweichenden Ausführung.
Stand: August 2007 [MH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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