1.12.1.1 - Kassel, Entwurf zum Französischen Hospital, Grundriß



1.12.1.1 - Kassel, Entwurf zum Französischen Hospital, Grundriß


Inventar Nr.: lfd. Nr. 6845
Bezeichnung: Kassel, Entwurf zum Französischen Hospital, Grundriß
Künstler: Simon Louis Du Ry (1726 - 1799), Architekt
Datierung: um 1770
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, grau und gelb laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: Lilie über Wappen mit Schrägbalken, darunter "C & J H"
Maße: 28 x 46,5 cm (Blattmaß)
Maßstab: unbezifferter Maßstab ohne Maßeinheit
Beschriftungen: oben mittig: "Plan au rez de Chaussée de l'hopital françois / a batir a la haute Ville Neuve" (Feder in Braun)
in der Darstellung: Erläuterungen (Feder in Braun)


Katalogtext:
Der Grundrißentwurf zu dem 1770 bis 1772 errichteten Hospital und Armenhaus für bedürftige französischstämmige Einwohner Kassels (Gerland 1895, S. 127f.; Holtmeyer 1923, S. 254f.; Boehlke 1958, S. 82; Katalog Kassel 1979, S. 211; Vanja 2000, S. 128) zeigt eine achsensymmetrische Raumdisposition seitlich der mittig angeordneten Durchfahrt ("Entrée de Carosse"). In üblicher Weise sind die Steinmauern durch graue Lavierung von den hölzernen Wänden und Bauteilen, die gelb erscheinen, unterschieden. Das Erdgeschoß wird so in zwei voneinander getrennte Bereiche gleicher Größe mit jeweils gleichem Raumprogramm aus zwei bis drei beheizbaren Zimmern ("Poele"), einer Küche mit Holzstall, dem Flur und jeweils eigener Treppe aufgeteilt. Das von der Durchfahrt erreichbare Treppenhaus ist dabei in seinen Dimensionen und durch die Abrundung der Flurwand sowie die Anordnung von zwei Fenstern auf dem Treppenabsatz deutlich großzügiger gestaltet als die zweite Treppe, die in der äußeren nordwestlichen Achse plaziert ist und nur durch einen unbelichteten Flur erschlossen wird. Der Grund für diese zweifache Erschließung in dem nicht sehr großen neunachsigen Gebäude ist nicht klar. Wie die im linken Teil vorgesehene Totenkammer ("Chambre des Morts") vermuten lassen könnte, sollte möglicherweise ein Bereich für kranke Insassen separiert werden. Um die Symmetrie der Fassade nicht zu beeinträchtigen, ist als Gegenstück zu der Tür in der nordwestlichen Achse ein ebenfalls flachbogig geschlossenes Blendfeld mit Fenster und dreistufiger Freitreppe vorgesehen (vgl. den Fassadenaufriß Du Rys im Stadtarchiv Kassel, Pläne und Risse, Oberneustadt; Holtmeyer 1923, Taf. 164,1).
Vergleichbare Lösungen hat Du Ry mehrfach angewandt (vgl. das "Prinzenhaus", L GS 12458, oder den Entwurf zum Modellhaus, StAM 300 P II 9344/5, Abb. Katalog Kassel 1979, Nr. 281), beim Hospitalbau wurde jedoch bei der Ausführung darauf verzichtet. Weder die Vorzeichnung Du Rys und Tischbeins zu dem Kupferstich von J. L. C. Zentner noch der Stich selbst (GS 12668; die Vorzeichnung in der Hessischen Hausstiftung, Schloß Fasanerie, vgl. Katalog Kassel 1979, Nr. 378, Abb. 239) oder spätere Darstellungen, so etwa F. Horn nach F. W. Selig 1828 (GS 12457), zeigen das zunächst vorgesehene Pendant. Auch die verschiedenen Radierungen sowie die stehengelassenen Hilfslinien in Graphit oder unvollendet gebliebene Teile wie die unteren Stufen der Freitreppen oder auch der Maßstab lassen darauf schließen, daß es sich bei dem Blatt noch nicht um den endgültigen Ausführungsentwurf handelt. Zudem spricht die Nadelung dafür, daß auf der Grundlage der vorliegenden Zeichnung noch ein weiterer Grundriß angefertigt wurde. Eine von Leonhard Müller 1809 angefertigte Bauaufnahme (StAM 300 P II 13.221/1) belegt allerdings, daß es bei der Ausführung nur noch zu geringfügigen Änderungen kam.
Stand: September 2004 [GF]


Literatur:
Holtmeyer 1923, S. 255, Anm. 2,Taf. 164, 2


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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