1.29.7.1 - Kassel, Ständehaus, Projekt C, Entwurf, Aufriß



1.29.7.1 - Kassel, Ständehaus, Projekt C, Entwurf, Aufriß


Inventar Nr.: GS 12575
Bezeichnung: Kassel, Ständehaus, Projekt C, Entwurf, Aufriß
Künstler: Julius Eugen Ruhl (1796 - 1871), Architekt
Datierung: 1832
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, braun, grau und schwarz laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: -
Maße: 34,1 x 49,3 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "Cassler Fus."
Beschriftungen: unten mittig: "Projekt zu einem Stände-Haus in Cassel zu erbauen." (Graphit)
unten rechts: "Ruhl" (Graphit)


Katalogtext:
In seinem dritten Entwurf für das Ständehaus konzipierte Ruhl im Gegensatz zu den beiden anderen Alternativen nur einen zweigeschossigen Bau. Dieser mußte deshalb länger gestreckt und mit 13 Achsen versehen werden. Bei der Fassadengestaltung kombinierte Ruhl verschiedene Motive der italienischen Renaissancearchitektur miteinander. So werden im Erdgeschoß mit den Rundbogenfenstern und den rahmenden Bossierungen florentinische Palazzi zitiert, während die von Säulen gerahmten Fenster mit alternierenden Verdachungen des Obergeschosses auf das erste Obergeschoß des Palazzo Farnese in Rom Bezug nehmen. Im gestalterischen wie stilistischen Kontrast dazu ist mit dem viersäuligen Portikus korinthischer Ordnung ein Architekturmotiv des Klassizismus mit starker Vertikalwirkung vor die Fassade gestellt. Für diese insgesamt nicht sehr überzeugende und kompromißhafte Lösung könnte der Wunsch nach Verwendung einer bewährten Würdeformel aus der antiken Architektur für das neue Parlamentsgebäude den Anstoß gegeben haben. Das lassen auch die anderen Beiträge der am Wettbewerb beteiligten Kasseler Architekten Bromeis (GS 12560; Holtmeyer 1923, Taf. 312,2), Engelhard (GS 16762), Wolff (L GS 15188), Rudolph (Holtmeyer 1923, Taf. 312,1) erkennen. Insofern kann die Entwurfsvariante auch als eine Art "Rückversicherung" und Zugeständnis an den "älteren Geschmack" gesehen werden (vgl. Ganßauge 1950/1, S. 307 u. Lohr 1984, S. 116). Ob sich Ruhl dabei in besonderer Weise vom Museum Fridericianum in Kassel inspirieren ließ, wie Lohr annimmt (Lohr 1984, S. 116), muß offenbleiben. Dieses Bauwerk hatte in der Zeit des Königreichs Westphalen als Ort der Ständeversammlung gedient.
Stand: August 2007 [GF]


Literatur:
Holtmeyer 1923, S. 451; Ganßauge 1950/1, S. 307; Lohr 1984, S. 116, S. 73 Abb. 65, S. 135 Abb. 67; Katalog Kassel 1986/3, S. 45, Nr. 19


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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