1.4.3.1 - Kassel, Friedrichsplatz, Lageplan mit Entwurf für ein neues Residenzschloß



1.4.3.1 - Kassel, Friedrichsplatz, Lageplan mit Entwurf für ein neues Residenzschloß


Inventar Nr.: GS 15871
Bezeichnung: Kassel, Friedrichsplatz, Lageplan mit Entwurf für ein neues Residenzschloß
Künstler: Johann Daniel Wilhelm Eduard Engelhard (1788 - 1856), Zeichner
Datierung: um 1840
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz und Grau
Träger: Papier
Wasserzeichen: "J WHATMAN / 1836"
Maße: 34,1 x 52,6 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "Casseler Fuß"
Beschriftungen: unten mittig: "Plan der Residenzstadt Cassel / mit Bezeichnung eines vortheilhaften Bauplatzes für das neue Residenzschloß / sowie verschiedner anderer aus der Wahl dieses Bauplatzes entwickelter Vergrösserungen und Verschönerungen der Stadt" (Feder in Schwarz)


Katalogtext:
Der "Plan der Residenzstadt Cassel / mit Bezeichnung eines vortheilhaften Bauplatzes für das neue Residenzschloß / sowie verschiedner anderer aus der Wahl dieses Bauplatzes entwickelter Vergrösserungen und Verschönerungen der Stadt" zeigt einen Umgebungsplan des Friedrichsplatzes mit den Straßenzügen von den "Neuen Anlagen" in der Aue bis zu dem "Neuen Stadttheil", der die Stadt im Norden mit der "Friedrich-Wilhelm-Straße" erweitert. Mit leicht geänderter Beschriftung wurde er in der Anlage zu Engelhards Aufsatz in der "Allgemeinen Bauzeitung" von 1845 gedruckt (Engelhard 1845/1, S. 63).
Als Grundlage diente wahrscheinlich der Plan von Koppen 1830 (vgl. Lometsch 1966, S. 32), der noch vor den ab 1832 beginnenden Planungen für den neuen Stadtteil entstanden ist. Engelhard versucht in seiner Zeichnung, die anstehenden Veränderungen mit seinen Ideen zur Umgestaltung und Bebauung des Friedrichsplatzes sinnvoll zu verknüpfen.
Ebenso wie in dem frühen Plan zur Umgestaltung des Friedrichsplatzes GS 16737 setzt Engelhard hier den Schloßbau an den unteren Rand des Platzes. Um Raum für die seitlich anschließenden, symmetrisch angelegten Gebäude zu schaffen, zieht er die Bebauung bis an die vordere Kante des Abhangs vor. Dies war seiner Meinung nach problemlos möglich, wie er in seinem Aufsatz erläutert: "Ferner hat die Bellevue-Straße noch Raum genug zwischen der Häuserlinie und der Bergkante, um eine 60 Fuß breite Straße und eine Häuserreihe von 120 Fuß Tiefe anzulegen, und von dieser Häuserreihe kann endlich noch eine Terrasse nach der ganzen Länge A B angebracht werden […] - Man denke sich nun, welch ein Bau sich an diese Stelle zaubern ließe, wenn man an dem Punkte D das Residenzschloß aufführte, dem zur Seite noch sechs Häuserquartiere in ganz symmetrischer Anordnung sich von selbst anschließen würden, denn das Publikum würde diese Plätze sehr gerne kaufen und bebauen, da es die schönsten sind, die man sich in Kassel kaufen kann. Es würde hier eine Stadtfronte von 3500 Fuß Länge entstehen können, die Ihres Gleichen nicht in der Welt haben dürfte" (Engelhard 1845/1, S. 56). Die Bebauung sollte sich also von der Bellevuestraße bis zum Marstall erstrecken, wobei auch der stadtseitige Flügel der noch im Umriß eingezeichneten "Chattenburg" überbaut würde. Anstelle der unvollendeten Anlage sollte eine Rennbahn entstehen. Auch die Gartenanlagen am Hang wären von den Veränderungen betroffen: ein "Neuer Schlangenweg" führt zum "Neuen Bassin", während ein "Neuer Botanischer Garten" sich nach Westen hin anschließt.
Das "Neue Residenzschloß" präsentiert sich auf diesem Plan als zum Hang hin offener Dreiflügelbau mit Eckpavillons. "Die für die innere Einrichtung sehr passende Grundrißform eines nach der schönen Aussicht geöffneten Rechtecks würde dem Hauptgebäude die herrlichste Aussicht des Landes nach Außen und die bedeutendste und großartigste nach der Stadt geben", betonte Engelhard (Engelhard 1845/1, S. 56). Ein niedriger Orangerieflügel mit Terrasse schließt diese Lücke allerdings ansatzweise. Eine ähnliche Gestaltung schlug bereits 1812 Grandjean de Montigny in seinem Entwurf für den Wiederaufbau des Landgrafenschlosses mit einem Wintergartenflügel an der Fuldaseite (GS 12982) vor.
Eine symmetrische Bebauung ist auch für den Friedrichsplatz vorgesehen, dessen Größe Engelhard in seinem Aufsatz kritisiert: "So ist zum Beispiel der Friedrichsplatz unverhältnismäßig groß für die Stadt; er ist bei rauher Witterung kaum zu passieren, weil er durch Gebäude zu wenig geschirmt ist; dabei ist er sehr uneben, indem der Punkt E bedeutend tiefer als die Königstraße bei F liegt, was der Ansicht des Museum Fridericianum sehr nachtheilig ist. Indem man nun den trefflichen Bauplatz C zu einem andern größern Hof- oder Staatsgebäude nutzte, würde die Regelmäßigkeit des Platzes vollkommner, seine Größe verhältnismäßiger und sein Niveau ebener werden" (Engelhard 1845/1, S. 57). Als Pendant zum Fridericianum schlug Engelhard zudem ein ebenfalls mit sechssäuligem Portikus versehenes "Neues Museum und Akademie" an der gegenüberliegenden Seite des Platzes vor. Dadurch erzeugte er eine an allen vier Seiten gleichartig bebaute Platzanlage in der von ihm auch bei der Bebauung der fuldaseitigen Stadtfront angestrebten Regelmäßigkeit. In Fortsetzung des Platzes schafft die Querverbindung "Neue Communication zum neuen Stadttheile" zwischen den paralell verlaufenden Bahnen von Königs- und Friedrich-Wilhelm-Straße eine insgesamt regelmäßige und symmetrische Anlage der Stadt mit dem Residenzschloß "mitten an dem Platze, um den sich die drei Stadttheil gruppiren, zwischen der Oberneustadt und der Altstadt und vor dem neuen Stadttheile" (Engelhard 1845/1, S. 56).
Stand: Mai 2005 [UH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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