3.7.2.30 - Beberbeck, Gestüt, Fürstenhaus, zweites Obergeschoß, Vorzimmer, Entwurf zur Wand- und Deckengestaltung, Aufriß



3.7.2.30 - Beberbeck, Gestüt, Fürstenhaus, zweites Obergeschoß, Vorzimmer, Entwurf zur Wand- und Deckengestaltung, Aufriß


Inventar Nr.: GS 12629
Bezeichnung: Beberbeck, Gestüt, Fürstenhaus, zweites Obergeschoß, Vorzimmer, Entwurf zur Wand- und Deckengestaltung, Aufriß
Künstler: Johann Conrad Bromeis (1788 - 1855), Architekt, Entwurf
Israel Schwalm (1801 - 1856), Zeichner, Ausführung
Datierung: 01.12.1830
Geogr. Bezug: Hofgeismar-Beberbeck
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, koloriert
Träger: Papier
Wasserzeichen: "J WATHMAN / TURKEY MILL / 1827"
Maße: 45 x 54,2 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "Fus."
Beschriftungen: oben mittig: "Fürstenhaus zu Beberbeck, Vorzimmer in der Bel-Etage. Plafond." (Feder in Braun)
in der Darstellung: "Schmale Wände." (Feder in Braun)
unten rechts: "Schwalm f 1/12 30." (Feder in Braun)


Katalogtext:
Bei der von Israel Schwalm im Dezember 1830 angefertigten Zeichnung handelt es sich um einen Entwurf für die Wand- und Deckengestaltung im Vorzimmer der Beletage. Der Entwurf, der zur letzten Planungsphase zu rechnen ist, weist im Vergleich mit GS 12637 und GS 15466 einen reicheren Dekor auf und sollte wohl auch handwerklich aufwendiger ausgeführt werden. Dem Baubestandbericht von Ruhl zufolge zeigten die Wände 1831 stuckierte "Festons, und nach der Mitte gehenden mit Laubwerk umwundenen Stäben en bas relief" (StAM Best. 7b1, Nr. 700, 27.07.1831; zitiert nach Renner 2003, S. 45). Demgegenüber erscheint die Wandgestaltung in GS 12637 als Malerei geplant gewesen zu sein. War der Dekor in dem älteren Entwurf als ein die Wandöffnungen begleitendes Rahmungssystem gestaltet worden, präsentiert sich hier eine auf den Mittelpunkt orientierte Gestaltungsform mit einem gerahmten Medaillon. Innerhalb eines Fruchtkranzes befindet sich ein aus einer Arabeske hervorwachsende Jünglingsfigur mit Weinamphore und Schale. Das Weinmotiv taucht als seitliche Rahmung wieder auf, wo von Weinlaub umwundene Thyrsosstäbe ausgebildet sind. Der obere Wandabschluß wird durch einen zusätzlichen Fries aufgewertet, der mit Medaillons gefüllte Rauten zeigt. Der Aufriß der westlichen Querwand wurde nicht fertiggestellt. Nur links der Tür präsentiert die als Federzeichnung verbliebene Darstellung die geplante Wanddekoration aus Thyrsusstäben, die von Weinlaub umwunden und von einem Pinienzapfen bekrönt werden. Die Stabmitte akzentuiert ein Fruchtkranz. Die Stabzwischenräume füllen zwei Fruchtgirlanden, zwischen denen spitz zulaufende Blattgirlanden mit eingehängten Objekten in Gestalt einer Weintraube, eines Kelchs bzw. einer Schale gespannt sind. Dieses Wandgliederungsmotiv stammt aus Beunats "Recueil" (Beunat 1813 (1974), Taf. 67) und wird hier als Vorschlag für die Wanddekoration seitlich einer halbrunden Figurennische im Speisesaal vorgestellt. Bromeis griff häufig, u. a. auch bei der Ausgestaltung des Roten Palais in Kassel, auf dieses Vorlagenwerk zurück.
Die Plafonddekoration nimmt die Gestaltungsmotive der Wandgliederung wieder auf, indem das rechteckige Mittelfeld von zwei gekreuzten, umrankten Thyrsosstäben eingenommen wird, deren Kreuzungspunkt ein umkränztes Medaillon akzentuiert. An den Längsseiten finden sich schmale Rechteckfelder mit einer von Perlstäben eingefaßten Akanthusranke in der Mitte und einem Medaillon an jedem Ende. Als Variation dieser Gestaltung sind in der Verlängerung dieser oberen bzw. unteren schmalen Zone hochrechteckige Felder mit Akanthusfüllung ausgeführt. Das dazwischengelegene große hochrechteckige Feld ist mit einem Medaillon versehen, das mehrfach umrahmt wird. Alle Einzelfelder sind durch ein kettenartiges Zierband voneinander getrennt. Vorbilder für entsprechende Dekorationsdetails sind wie bei dem Wandgestaltungsmotiv in den Vorlagenwerken der Zeit zu suchen. Neben Beunats "Recueil" ist insbesondere auf das Werk von Charles Percier und Pierre François Léonard Fontaine "Recueil de décorations intérieures" (Percier/Fontaine 1801-1812) zu verweisen, das Bromeis nachweislich für seine Ausstattungsentwürfe verwendete (s. hier Bidlingmaier 2000, S. 285-287).
Stand: September 2004 [MH]


Literatur:
Katalog Kassel 1988/1, Kat.Nr. 47; Bidlingmaier 1991, Abb. S. 47; Hoffmann 1994, S. 173, Abb. 104; Renner 2003, S. 47, Abb. 52


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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