3.120.1.2 - Volkmarsen, ev. Kirche, Entwurf zur Turmfassade, Aufriß



3.120.1.2 - Volkmarsen, ev. Kirche, Entwurf zur Turmfassade, Aufriß


Inventar Nr.: GS 15473
Bezeichnung: Volkmarsen, ev. Kirche, Entwurf zur Turmfassade, Aufriß
Künstler: unbekannt
Datierung: um 1840
Geogr. Bezug: Volkmarsen
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, rosa und braun laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: "J WHATMAN / 1836"
Maße: 63,2 x 46,3 cm (Blattmaß)
60 x 39,6 cm (Darstellungsmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab [...]
Beschriftungen: oben rechts: "22" (Farbstift in Rot)
oben rechts: ""V / 9,7" (Graphit)
in der Darstellung: diverse Maßangaben (Feder in Schwarz)
verso: "Entwürfe / zu einer evangelischen K[...] / zu Volkmarsen" (Graphit)
verso: "137" (Farbstift in Schwarz)


Katalogtext:
Die vorliegende Zeichnung, der eine nahezu identische aus dem Bestand des Landesamts für Denkmalpflege Hessen gehörige Darstellung (Marb. Dep. II, 401) zugeordnet werden kann, läßt sich aufgrund des WHATMAN-Wasserzeichens von 1836 mit der frühen Planungsphase des Kirchenbaus in Zusammenhang bringen.
Zwischen der unsignierten Zeichnung und dem ausgeführten Bau finden sich deutliche Parallelen. Wie in der vorliegenden Darstellung wurde eine dreiteilige, durch Lisenen gegliederte Fassade mit flach vortretendem Mittelrisalit umgesetzt. Ebenfalls realisiert wurde die Blendarkatur, die sowohl den Mittelteil und die Dachschrägen der Seitenfelder wie das Glockengeschoß des Turmes nach oben abschließt. Auch die zweigeschossige Fensteranordnung findet sich an dem ausgeführten Bau wieder. Zu den abweichenden Details zählt das große Kreisfenster, das ein gotisches Rosenfenster zitiert. Zur Ausführung gelangte statt dessen ein rundbogiges Zwillingsfenster. Unterschiedlich ist zudem die umgesetzte rundbogige statt der hier entworfenen spitzbogigen Fensterform im Untergeschoß der seitlichen Fassadenfelder. Die Binnengliederung der Fenster aus zwei Lanzetten und einem Kreiselement im Zwickel ist jedoch wieder vergleichbar. Der eingeschossige Turm wird hier von einem geknickten Spitzhelm bekrönt und nähert sich damit dem heutigen Erscheinungsbild der Kirche stärker an als der Ausführungsentwurf von Ruhl (GS 15475). Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es Bestrebungen, den Turm durch eine Spitze zu erhöhen, aber erst Ende der 1950er Jahre war die Finanzierung so weit geregelt, daß die Turmspitze im Jahr 1961 errichtet werden konnte (Hederich 1991, S. 52 u. 64f.).
Die gotisierende Fensterform in der vorliegenden Darstellung läßt sich mit einem von Lohr erwähnten Ruhl-Entwurf in Verbindung bringen (Lohr 1984, S. 106). Dabei handelt es sich Lohr zufolge um Ruhls ersten Beitrag zum Kirchenbau in Gestalt einer oblongen Halle mit vier gleich großen Nebenräumen in den Ecken, die sich zum Gemeindebereich öffnen und Treppen zu den Emporen aufnehmen. Altarraum und Turm mit Eingang liegen sich an den Schmalseiten gleichwertig gegenüber. Neben dem Haupteingang waren weitere Eingänge an den gotisierend gestalteten Seitenfronten vorgesehen. Dieser Entwurf wurde zwar genehmigt, allerdings sollten gestalterische Nachbesserungen vorgenommen und die mit 10000 Rthlr. veranschlagten Kosten gesenkt werden. In diesem Zusammenhang ist der Rest eines Schriftzugs in der rechten unteren Ecke bemerkenswert, der aufgrund einer breiten Fehlstelle am unteren Rand nur noch ansatzweise zu erkennen ist. Die schwungvolle Endung in schwarzer Feder läßt auf einen Approbationsvermerk des Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. schließen. Möglicherweise handelt es sich bei dem vorliegenden Blatt um den ersten genehmigten Entwurf von Ruhl. Lohr datiert die Zeichnung auf Februar 1844. Dieses Entstehungsdatum ist aufgrund des Wasserzeichens von 1836 bei GS 15473 jedoch unwahrscheinlich und läßt sich darüber hinaus aufgrund der datierten, darstellerisch identischen Zeichnung aus dem Jahr 1840 (Marb. Dep. II, 401) anzweifeln.
Stand: Mai 2005 [MH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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