1.63.1.1 - Kassel, Entwurf (?) für ein unbekanntes Palais, Aufriß



1.63.1.1 - Kassel, Entwurf (?) für ein unbekanntes Palais, Aufriß


Inventar Nr.: GS 15984
Bezeichnung: Kassel, Entwurf (?) für ein unbekanntes Palais, Aufriß
Künstler: Leonhard Müller (1799 - 1878)
Datierung: um 1820
Geogr. Bezug:
Technik: Graphit
Träger: Papier
Wasserzeichen: "DE ERVEN D. BLAUW"
Maße: 22,6 x 43,4 cm (Blattmaß)
Maßstab: unbezifferter Maßstab ohne Maßeinheit
Beschriftungen: oben rechts: "120/1924" (Graphit)
unten rechts: "Lh. Müller" (Graphit)
in der Darstellung: Maßangaben (Graphit)


Katalogtext:
Auf dem Blatt befindet sich die in Graphit ausgeführte Darstellung eines traufständigen Gebäudes zu sieben Achsen, das dem Zugangsinventar zufolge zum Konvolut "Palais Hessenstein" gehört. Die Blätter sind Teil des Nachlasses des Kasseler Architekten Leonhard Müller - seine Signatur befindet sich rechts unten auf dem Blatt -, der 1924 in die Staatlichen Kunstsammlungen gelangte.
Flache einachsige Seitenrisalite rahmen den sich über vier Geschosse erstreckenden Bau, der im Erdgeschoß eine Steinstruktur ohne Verputz zeigt, während die oberen Geschosse offensichtlich glatt verputzt sind. Die Fassadengliederung wird durch die Reihung gerahmter Rechteckfenster geprägt, die in der Beletage mit einer zusätzlichen Verdachung versehen sind. Im Bereich der Seitenrisalite werden die Fenster darüber hinaus von einem Giebel bekrönt und sind mit einer aus Konsolen auflagernden schmiedeeisernen Balkonbrüstung versehen. Rustikalisenen rahmen die Fensterachse auf dieser Etage. Darüber setzt eine Lisene mit zweifach abgesetztem Spiegel an, die die beiden oberen Geschosse zusammenschließt. Der obere Fassadenabschluß erfolgt durch einen breiten Dekorfries, einen Zahnschnitt und ein mehrfach abgestuftes Kranzgesims. Der Eingang in das Gebäude befindet sich innerhalb der rundbogigen Maueröffnung im rechten Seitenrisalit. Aus Gründen der Symmetrie wurde linksseitig eine gleichartige Blendnische ausgeführt, die hier ein Rechteckfenster umspannt.
Ob es sich bei diesem Gebäude tatsächlich um das ehemals in der Oberen Königsstraße 3 gelegene Palais Hessenstein handelt, ist nicht klar. Der aus der 'westphälischen' Zeit stammende frühklassizistische Bau erstreckte sich über neun Achsen und war zudem dreigeschossig (s. GS 13379; Photographie aus dem Jahr 1903). Zudem war die Fassade auf eine Betonung der Mittelachse hin ausgelegt. Der rundbogige Eingang mit dem darüber angeordneten dreiachsigen, von einer schmiedeeisernen Brüstung eingefaßten Balkon sowie der bekrönende Giebel sind Teil dieses Konzepts.
Der für die Renovierungsmaßnahme, in deren Zusammenhang die Innenraumentwürfe des Konvoluts zum Palais Hessenstein (GS 14435 - GS 14436, GS 14498 - GS 14504, GS 15829, GS 15997 - L GS 15998) entstanden, auch in Frage kommende Bau im Besitz des Grafen von Hessenstein in der Oberen Königstraße 4 aus dem Jahr 1805 war ein ursprünglich dreigeschossiger, siebenachsiger Bau mit Zwerchhaus, der um die Jahrhundertwende um ein Geschoß erhöht wurde (Holtmeyer 1923, S. 688). Möglicherweise gab es bereits früher Überlegungen, eine Aufstockung vorzunehmen. Vor diesem Hintergrund könnte Müller den vorliegenden Aufriß angefertigt haben. Eine eindeutige Zuordnung kann allerdings auch in diesem Fall nicht erfolgen.
Ein vergleichbares klassizistisches Fassadenbild findet sich bei dem nicht erhaltenen Gebäude Wilhelmshöher Allee 2. Das traufständige Gebäude neben dem rechten Torwachtgebäude zeigte die von Rechteckfenstern gegliederte Fassade zu sieben Achsen mit den von Rustikalisenen gerahmten flachen Seitenrisaliten. Zudem wies das Erdgeschoß ebenfalls in Abgrenzung von den glatt verputzten Obergeschossen eine Rustikastruktur auf. Der rundbogige Eingang betonte hier allerdings zusammen mit dem darüber angeordneten dreiachsigen Balkon mit schmiedeeiserner Brüstung die mittlere Fassadenachse.
Stand: August 2007 [MH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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