2.1.2.1 - Kassel-Wilhelmshöhe, Bestandsaufnahme, Lageplan



2.1.2.1 - Kassel-Wilhelmshöhe, Bestandsaufnahme, Lageplan


Inventar Nr.: GS 18298
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Bestandsaufnahme, Lageplan
Künstler: unbekannt
Datierung: um 1778
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit, Feder in Schwarz und Braun
Träger: Papier
Wasserzeichen: Wappen mit Schrägbalken, "HONIG / ZOON" (zweimal)
Maße: 83 x 48,3 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "Ruthen"
Beschriftungen: unten links: "Explication / Von dem Grund-Riß vom Carlsberg, bis wider (?) das Schloß Weißenstein" / "Wilhelmshoehe im Jahr 1784. Damals Weißenstein genannt." (Feder in Schwarz)
unten links: "Fuchs" (Feder in Schwarz)


Katalogtext:
Der großformatige Plan mit dem unten links aufmontierten Blatt für die Legende zeigt den Zustand der Gartenanlagen von Weißenstein in der Zeit um 1778. Diese Datierung ergibt sich aus der noch fehlenden Darstellung des ab 1781 begonnenen "chinesischen" Dörfchens Mulang sowie insbesondere der "türkischen" Moschee, deren Entstehung für das Jahr 1779 angenommen wird. Die Zeichnung wird bei Both/Vogel irrtümlich in das Jahr 1784 datiert (Both/Vogel 1973, S. 168). Diese Angabe erscheint in dem nachträglich von Heinrich Christoph Jussow notierten Vermerk "Wilhelmshoehe im Jahr 1784. Damals Weißenstein genannt", der sich auf dem Blatt mit der - möglicherweise von Wilhelm IX. angefertigten - Legende befindet (Dittscheid 1987, Abb. 7). Schuchard/Dittscheid geben "um 1782" an (Katalog Kassel 1979, S. 217f., Nr. 295), was bei Dittscheid 1987, S. 32, zu "vor 1780" korrigiert ist.
Der Kartenausschnitt erstreckt sich in Ost-West-Richtung vom Rondell, an dem die zur Stadt führende Allee beginnt, bis zu einem vergleichbaren "Neu angelegten Platz" östlich des Oktogons. Im Norden und Süden sind die zu diesem Zeitpunkt noch teilweise im bäuerlichen Besitz befindlichen Wiesen- und Huteflächen außerhalb der Grenzen des herrschaftlichen Gartens wiedergegeben. In dem Plan läßt sich das Achsensystem der Anlage gut erkennen, das aus der von Baumreihen flankierten dominierenden Mittelallee vom "Basin zur grosen Fontaine" bis zum "Huden-Platz", dem in der barocken Ursprungsplanung für ein großes Wasserparterre vorgesehenen Gelände, sowie mehreren Schneisen besteht. Die dabei aus Überschneidungen resultierenden Formen von zwei Andreaskreuzen finden sich noch bis in das 19. Jahrhundert auf vielen Plänen und Ansichten des Parks als markante Gestaltungselemente.
Der besondere Wert dieses Planes liegt in der sehr sorgfältig und detailliert ausgeführten Darstellung sämtlicher Bestandteile und Bauten des Parks. Diese sind numeriert und in der beigefügten Legende, die 101 Nummern sowie weitere sieben durch Buchstaben gekennzeichnete Objekte umfaßt, benannt. Die Darstellung ist dadurch eine der wichtigen Quelle für den unter Landgraf Friedrich II. geschaffenen Zustand des Weißensteiner Parks. Der Plan wurde an mehreren Stellen durch Aufkleben von Papierstücken mit aktualisierten Gestaltungszuständen auf den jeweils neuesten Stand gebracht. Hierin unterscheidet er sich von einigen anderen gezeichneten Bestandsaufnahmen des Weißensteiner Schloßparks, die ebenfalls um 1780 von Carl Ferdinand Bosse (1776, Technische Universität Berlin; vgl. Becker/Humborg 2002, S. 9), J. P. Muller (um 1780, Darmstadt, Hessische Landes- und Hochschulbibliothek, Plansammlung, Mappe 236/19; vgl. Dittscheid 1987, Taf. 5) oder C. F. P. von Baumbach (um 1780; vgl. Holtmeyer 1913, S. XIX, Abb. 2) angefertigt wurden.
Über den Planverfasser besteht trotz des unten links außerhalb der Darstellung notierten Namens "Fuchs" keine Klarheit. Schuchard schlägt den seit den 1760er Jahren als Bauaufseher und zeitweilig als Pförtner in Weißenstein tätigen Lucas Fuchs (gest. 1806) vor, dem als früheren Angehörigen der Artillerietruppe zeichnerische Kenntnisse zuzutrauen wären (Manuskript Schuchard). Auch ein Namensvetter, Johann Emil Simon Fuchs, der 1778-1787 als Seconde-Leutnant ebenfalls bei der hessischen Artillerie diente und seit 1778 an der Kriegsschule Feldfortifikation lehrte (Woringer-Kartei), käme als Autor in Frage. Auszuschließen ist dagegen der von Dittscheid als Zeichner angegebene "Hofgärtner Fuchs" (Dittscheid 1987, S. 32). Wahrscheinlich ist damit August Fuchs gemeint, der von 1817 bis 1873 in den fürstlichen Gärten in Kassel arbeitete. Etwa um 1780 geboren, kommt er als Autor des Planes nicht in Betracht. Die Namensnennung kann dagegen als Besitzvermerk des jahrzehntelang in Wilhelmshöhe tätigen Gärtners interpretiert werden.
Stand: Mai 2005 [GF]


Literatur:
Both/Vogel 1973, S. 168; Katalog Kassel 1979, S. 217f., Nr. 295; Dittscheid 1987, S. 32, Taf. 6-8; Becker 2005, Abb. 60; Becker/Karkosch 2007, S. 91, Abb. 94 u. 100


Letzte Aktualisierung: 26.10.2017


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