2.4.3.6 - Kassel-Wilhelmshöhe, Ballhaus, Entwurfsvarianten zu den Vorhängen



2.4.3.6 - Kassel-Wilhelmshöhe, Ballhaus, Entwurfsvarianten zu den Vorhängen


Inventar Nr.: GS 15779
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Ballhaus, Entwurfsvarianten zu den Vorhängen
Künstler: Johann Conrad Bromeis (1788 - 1855), Architekt, Entwurf
Israel Schwalm (1801 - 1856), Zeichner, Ausführung
Datierung: 26.11.1829
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, Pinsel in Rosa, Braun und Gelb, rosa und braun laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: "J WHATMAN / 1824"
Maße: 40,8 x 53,4 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: oben mittig: "4., 2 53" (Graphit)
in der Darstellung: "Desseins / für den Ballsaal zu Wilhelmshöhe." (Feder in Schwarz)
in der Darstellung: " b / b / a / a gleich b / a" (Graphit)
unten links: "2." (Graphit)
unten rechts: "Schwalm f. 26/11 29" (Feder in Schwarz)
verso: "18" (Graphit)
verso: "269/1926" (Feder in Schwarz)


Katalogtext:
Nach seinem Amtsantritt im Jahr 1821 plante Wilhelm II. eine Reihe von Umgestaltungen der Nebengebäude in Wilhelmshöhe. Dazu zählte auch die Errichtung eines neuen Gebäudes für Tanzveranstaltungen, das der Bevölkerung offenstehen sollte. Ein einfacher eingeschossiger Bau im Bereich des alten Wachtlokals, der bislang in dieser Weise genutzt worden war, wurde 1824 abgerissen. Anstelle eines Neubaus bot sich ein bereits bestehendes Gebäude für diesen Zweck an. Das von Leo von Klenze entworfene, nördlich der Schloßanlage gelegene Theater sollte in einen "Tanzsale für das Publicum" umgebaut werden. Im April 1828 erhielt Oberhofbaumeister Johann Conrad Bromeis den Auftrag für die entsprechenden Maßnahmen, die eine Entkernung des gesamten Innenraums und eine neue Ausstattung vorsahen. Vom beweglichen Inventar sind im Original nur noch die beiden zylinderförmigen Aufsatzöfen an der Südwand erhalten. Die Vorhänge für die vergrößerten Fensteröffnungen der Längsseiten ließen sich nach erhaltenen Zeichnungen detailgetreu rekonstruieren (Härtel 2004, S. 50ff.; Thümmler 2004, S. 66f. u. 74f.).
Das vorliegende Blatt zeigt drei Varianten für die anzufertigenden Vorhänge. Der Entwurf geht auf Bromeis zurück, die Umsetzung leistete der Mitarbeiter des Baubüros, Israel Schwalm, der in der rechten unteren Ecke auch signiert hat. Die erste Variante zeigt zwei messingfarbene Thyrsosstäbe in gekreuzter Anordnung, um die zwei Stoffbahnen drapiert sind, wobei die eine mittig durch einen Lorbeerkranz geschlungen ist. Der braune Vorhangstoff ist rosa hinterfüttert und so arrangiert, daß der Farbkontrast zur Geltung kommt. Die herabhängenden Enden sind mit pinienförmigen Quasten beschwert, die den beabsichtigten Faltenwurf gewährleisten. Der zweite Entwurf sieht zwei gekreuzte Lanzen vor, von denen gezackte Schabracken herabhängen. Auch hier wird die andersfarbige Futterseite für eine kontrastierende Inszenierung benutzt. Der dritte, schließlich zur Ausführung bestimmte Entwurf zeigt zwei gekreuzte Lanzen mit Lorbeerkranz. Dem ersten Entwurf vergleichbar findet sich hier ein Arrangement mehrerer Faltenbahnen, die jedoch üppiger drapiert sind, so daß der Farbkontrast beider Stoffseiten stärker betont wird. Linksseitig wurden am Saum geknotete Fransen in Graphit ergänzt (eventuell von Bromeis selbst?), die bei den ausgeführten Draperien die gesamte Stoffbahn umschlossen. Auf die Quasten konnte deshalb wohl verzichtet werden. Diese Abweichungen zeigt der ebenfalls von Schwalm im Dezember angefertigte Ausführungsentwurf (GS 15778).
Das Blatt gehört zu dem Konvolut von Entwürfen zu Innenausstattungen, die ehemals im Besitz des Hoftapezieres Carl Riehl - sein Firmenstempel befindet sich am unteren Blattrand - waren und die von seiner Witwe im Jahr 1926 an die Staatlichen Kunstsammlungen Kassel abgegeben wurden.
Stand: Mai 2005 [MH]


Literatur:
Thümmler 2004, S. 76, Abb. 38


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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