1.56.1.1 - Kassel, Entwurf zum Vier-Flüsse-Brunnen, Aufriß und Schnitt



1.56.1.1 - Kassel, Entwurf zum Vier-Flüsse-Brunnen, Aufriß und Schnitt


Inventar Nr.: GS 12337
Bezeichnung: Kassel, Entwurf zum Vier-Flüsse-Brunnen, Aufriß und Schnitt
Künstler: Hugo Schneider (1841 - 1925), Architekt
Datierung: 1880
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit
Träger: Karton
Wasserzeichen: -
Maße: 40,3 x 29,2 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "mtr"
Beschriftungen: unten rechts: "Hugo Schneider. / Cassel 1880" (Graphit)


Katalogtext:
Der auf 1880 datierte Aufriß eines Brunnens in Formen der Neorenaissance ist zwar in Teilen sorgfältig schraffiert, um der Ansicht Tiefe zu geben, in vielem aber nur skizzenhaft ausgeführt. Dargestellt ist der Vierflüssebrunnen, für den Schneider im Auftrag der Stadt Kassel Entwürfe vorlegte, doch ist eine Verwendung dieses Blattes als Präsentations- oder Werkriß ausgeschlossen; es handelt sich eher um ein Zwischenstadium bei der Erstellung der eingereichten Planunterlagen, während die perspektivischen Ansichten der Brunnenanlage L GS 18276 und lfd. Nr. 4334 deutlich repräsentativeren Zwecken gedient haben müssen.
In die Mitte eines runden Brunnenbeckens mit leicht einschwingender Umrandung setzt Schneider den Brunnenaufbau. Dieser besitzt einen quadratischen Grundriß mit diagonal vorgelegten Verstärkungen an den Ecken, die am massiven Sockelgeschoß über einer profilierten Basis wasserspeiende Delphine stützen. Durch ein schmales Gesims abgesetzt, umgeben den Brunnen oberhalb der sich hoch emporstreckenden Fischschwänze zu allen vier Seiten flache Brunnenschalen, deren Korpus ein Muschelmotiv und einen profilierten Rand mit Hohlkehle zeigt, in die jeweils drei Löwenköpfe als Wasserauslaß eingesetzt sind. Die diagonalen Vorlagen treten zwischen den Brunnenschalen noch schwach in Erscheinung, um oberhalb derselben in einem Zwischengeschoß Säulenstühle für den aufwendigeren architektonisch-plastischen Schmuck des Hauptgeschosses auszubilden. In die Seiten dieses Zwischengeschosses sind zudem Nischen eingeschnitten, die mit einem Korbbogen abschließen. Als Schlußsteine weisen die Bögen Löwenkopf-Konsolen auf; aus dem Maul der Tiere ergießt sich Wasser in die Brunnenschalen.
Auf die Löwenkopf-Konsolen sind im Hauptgeschoß des Brunnens spärlich bekleidete Frauenfiguren aufgesetzt. Sie stehen vor Rundbogennischen mit Muschelornament in der Apsiskalotte und werden von Säulen korinthischer Ordnung mit Beschlagwerk im unteren Säulendrittel eingefaßt. Die Zwickel links und rechts des Rundbogens füllen Tondi; ein über den Ecken verkröpftes Gebälk mit hohem, mit Beschlagwerk und Diamantquadern geschmücktes Gebälk liegt den Säulen auf.
Seinen Abschluß findet der Brunnen in einem zurückspringenden Geschoß, das auf den Seiten Ädikulen mit gesprengten Giebeln, in die Obelisken eingestellt sind, und Löwen als Wappenhalter auf den Ecken aufweist. Eine vierseitige Haube vermittelt zur schlanken, von einer Wetterfahne bekrönten Spitze.
Oben rechts ist zudem in kleinerem Maßstab ein Schnitt durch den Brunnen oberhalb der Figurensockel beigefügt.
Der Brunnen konnte nach Schneiders Entwurf in Sandstein realisiert und 1881 eingeweiht werden. Wegen der Wappenhalter und Wasserspeier erhielt er vereinzelt auch den Namen "Löwenbrunnen", obwohl die vier allegorische Frauenfiguren, die die hessischen "Ströme" Fulda, Werra, Lahn und Eder symbolisieren, optisch und thematisch dominanter sind. Aufstellungsort war eine rondellartige Anlage in der Mitte des Friedrich-Wilhelm-Platzes (heute Scheidemannplatz) in Kassel, einer repräsentativen Platzanlage zwischen Königsplatz und Hauptbahnhof. Die Skulpturen fertigte Carl Friedrich Echtermeier (Denkmaltopograhie 2005/3, S. 579; Brier/Dettmar 1986, S. 184 u. 186).
Der Brunnen überstand den Zweiten Weltkrieg, wurde aber 1952 im Zuge der Neugestaltung des Platzes demontiert und eingelagert.
Stand: September 2007 [LK]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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