2.3.24.35 - Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Verbindungsbau, Beletage, Entwurf für die Wanddekoration eines Saales, Längs- und Schmalseite, Aufriß



2.3.24.35 - Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Verbindungsbau, Beletage, Entwurf für die Wanddekoration eines Saales, Längs- und Schmalseite, Aufriß


Inventar Nr.: SM-GS 1.3.946
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Verbindungsbau, Beletage, Entwurf für die Wanddekoration eines Saales, Längs- und Schmalseite, Aufriß
Künstler: Johann Conrad Bromeis (1788 - 1855), Entwurf
Datierung: um 1830
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit, Feder in Schwarz
Träger: beiger dünner Zeichenkarton, auf Karton aufgelegt
Wasserzeichen: -
Maße: 69,5 x 52 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "Fuss"
Beschriftungen: verso: "N = 55, S. 5" (Rotstift)


Katalogtext:
Das durch mehrere, z. T. durchgehende Risse stark beschädigte Blatt kann ebenso wie VSG 1.3.903 den Verbindungsbauten des Schlosses zugeordnet werden. Durch die Fensterform und die Wandaufteilung läßt sich diese Verortung konkretisieren. Die hohen vierflügeligen Rechteckfenster stoßen auf einen marmorierten Lambris, der unter den Fenstern mit achteckigen Bildfeldern dekoriert ist. Das Erdgeschoß scheidet somit wegen der dort verwendeten Rundbogenfenster aus. Im zweiten Obergeschoß sind die Fenster dagegen nicht hoch genug, so daß die Beletage anzunehmen ist. Diese Zuschreibung bestätigt sich durch einen Ausführungsentwurf für ein Zimmer (Raum 156/157) in der Beletage des südlichen Verbindungsbau (Potsdam, SPSG, Plankammer, Inv.Nr. 19876), der die gleiche Fensterform zeigt. Die Beletage der Flügelbauten und des Corps de Logis kommt wegen der zum Boden herabgeführten Fensteröffnungen nicht in Frage. Durch die dreiteilige Fenstergliederung der oberen Wand kann der große, inmitten der Zimmerfolge gelegene Raum identifiziert werden. Da sich im Roten Salon (Raum 113), dem mittleren Saal des südlichen Verbindungsbaus, eine abweichende Wandgestaltung befindet, kann es sich bei der vorliegenden Zeichnung um einen Alternativentwurf oder um eine Planung für den nördlichen Verbindungsbau handeln. Eine Übereinstimmung läßt sich bei der achteckigen Felderung unter den Fenstern ausmachen, die im südlichen Verbindungsbau ebenfalls anzutreffen ist.
Die als reine Federzeichnung angelegte Darstellung zeigt oben einen Ausschnitt der Längsseite, für die eine abwechselnde Anordnung von Fenster- und schmalem Wandfeld mit Trumeauspiegel vorgesehen ist, sowie die darunter angeordnete Schmalseite des Raumes mit einer im Schnitt dargestellten Fensteröffnung, um das ebenfalls dekorierte Fenstergewände sichtbar zu machen. Grundlegend für die Gestaltung ist dabei die horizontale Dreiteilung der Wand in Sockelzone, Wandfläche und Fries- bzw. Gesimsabschluß, der hier in Form einer Akanthusranke mit eingestelltem Chimärenpaar nach der Vorlage von Beunat (Beunat 1813 (1974), Pl. 19, Nr. 441) ausgeführt ist. Die Gestaltung der achteckigen Wandfelder, die an erster Position beispielhaft mit einer mythologischen Darstellung von Triton und Nereide gefüllt sind, und die mit Arabesken verzierten Türfelder gehen auf antike Vorbilder der Groteskenmalerei wie in der Villa Hadriana, der Domus Aurea oder in den Thermen der Livia bzw. deren rezeptionsgeschichtliche Werke zurück, unter denen die von Raffael gestalteten Vatikanischen Loggien sicherlich das wichtigste Vorbild darstellen. Als Motivquelle für das Anfertigen derartiger Ornamententwürfe wurden zumeist Stichwerke herangezogen wie das von Nicolas Ponce (Ponce 1789) oder dasjenige von Volpato und Ottaviani (1772-1777) zu Raffaels Loggien. Unter den 'modernen' rezeptionsgeschichtlichen Werken bildete das Werk von Charles Normand (Normand 1803; ders., Recueil de décorations intérieures […], Paris 1801-1812) eine wichtige Quelle für derartige Ornamententwürfe im Arabeskenstil.
Der vertikale Ornamentaufbau der Fensterlaibung mit den entsprechenden Einzelteilen kann dagegen mit den Entwürfen von Daniel Marot in Zusammenhang gebracht werden. Die Kombination von Einzelmotiven - bestehend aus einem Bildnismedaillon, einem Blumenkorb und darüber angeordneten Vögeln - findet sich auf einem Wandpaneel in Bougthon House, dem Landsitz des ersten Earl of Montagu in Northamptonshire, dessen Entwurfsvorlage aufgrund zweier Zeichnungen im British Museum in London inzwischen Marot zugeschrieben wird (Jackson-Stops 1980, S. 248 u. Abb. 6 u. 7). Allerdings liegt hier eine stark reduzierte und vereinfachte Variante vor. Möglicherweise fand der Entwurf von Marot später Eingang in ein Vorlagenwerk, das ähnlich wie das Ornament-Kompendium von Joseph Beunat unterschiedliche Autoren zitiert und hier als Quelle gedient hat.
Stand: August 2007 [MH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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