2.4.4.7 - Kassel-Wilhelmshöhe, Entwurf für eine Verbindungsgalerie zwischen Kirchflügel und Ballhaus, Grund- und Aufriß



2.4.4.7 - Kassel-Wilhelmshöhe, Entwurf für eine Verbindungsgalerie zwischen Kirchflügel und Ballhaus, Grund- und Aufriß


Inventar Nr.: SM-GS 1.3.988
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Entwurf für eine Verbindungsgalerie zwischen Kirchflügel und Ballhaus, Grund- und Aufriß
Künstler: Johann Conrad Bromeis (1788 - 1855)
Datierung: 1831 - 1836
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit und Feder, aquarelliert
Träger: Papier, auf Unterkarton aufgelegt
Wasserzeichen: "J WHATMANN 1831"
Maße: 45 x 57,5 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit XXX
Beschriftungen: verso: "S. 9 und (Tanzsaal) (Graphit)
verso: "N = 3" (Rotstift)


Katalogtext:
Der Wunsch nach Erweiterung des Spielplans um große Opern und Ballettaufführungen machte Modifizierungen an dem Theaterbau Klenzes notwendig. Klenze selbst hatte daran jedoch keinen Anteil mehr, da er seine Reputation durch die sich abzeichnenden Baumängel verloren hatte. Die Bauleitung ging an den Hofbaudirektor Heinrich Christoph Jussow (Buttlar 1986, S. 189), unter dessen Ägide die Statik durch eine Eisenverankerung verbessert wurde (s. a. GS 5823, GS 5825, GS 6304, GS 6327). Neben diesem notwendigen, nach außen nicht sichtbaren Eingriff in die Bausubstanz veränderte sich durch mehrere Maßnahmen auch das äußere Erscheinungsbild des Baues. So wurde, um einen witterungsunabhängigen Übergang zwischen Schloß und Theater zu gewährleisten, eine Verbindungsgalerie im chiniosen Stil errichtet mit einem oktogonalen Pavillon im Zentrum und zwei kleinen quadratischen Pavillons an den Seiten, an die offene dreiachsige Verbindungsgänge in den Kirchflügel bzw. ins Theater anschließen. Als ein Relikt der französischen Fremdherrschaft wurde die Verbindungsgalerie nach dem Ende des Königreichs Westphalen abgetragen und unter den chiniosen Gebäuden des Parkdorfs Mulang wieder aufgebaut (s. das Stammbuchblatt von Wiederhold in Göttingen; Engelhard 1842, S. 56f. u. 154f.). Holtmeyer weist auf die Fundamente nordwestlich der Pagode hin, die die Stelle kennzeichnen, wo der Bau ehemals stand (Holtmeyer 1910, S. 363).
Offensichtlich gab es nach der Umgestaltung des Theaters in einen Ballsaal Bestrebungen, die Verbindungsgalerie im chiniosen Stil wieder zu errichten (Bidlingmaier 2003, S. 17; Härtel 2004, S. 64). In der Plankammer in Potsdam befindet sich eine Zeichnung (SPSG, Plankammer, Inv. Nr. 20551) die die Verbindungsgalerie zusammen mit dem zum Tanzsaal umgebauten Innenraum des ehemaligen Theaters zeigt. In diesen Planungszusammenhang gehört auch das vorliegende Blatt, das gestalterisch mit dem Potsdamer Blatt zu vergleichen ist. Es zeigt einen vergleichbaren Aufbau einer in der unteren Blatthälfte angeordneten Grundrißdarstellung mit dem in Rot eingetragenen hölzernen Verbindungsgang im Zentrum und den angeschnittenen, als Baubestand ausgewiesenen Gebäuden an den Seiten (Holtmeyer 1910, S. 362, spricht irrtümlich von einer Eisenkonstruktion). In der oberen Blatthälfte findet sich eine Aufrißdarstellung, die verdeutlicht, daß es sich bei der geplanten Architektur um einen überdeckten, an den Seiten jedoch offenen Gang handelt. Eine entsprechende Konstruktion, allerdings nur über jeweils drei Achsen, ist auch auf dem Potsdamer Blatt seitlich von den chiniosen Pavillons zu sehen. Demnach gab es zwei alternative Entwürfe für die Gestaltung des Verbindungsgangs, von denen hier die einfachere Konstruktion vorliegt.
Die Aufrißdarstellung der chiniosen Galerie des Potsdamer Blattes läßt sich mit der Ausführung auf mehreren Blättern aus dem Jussow-Nachlaß (GS 5826, GS 5827, GS 5828) in Verbindung bringen, so daß zu überlegen wäre, ob diese Jussow zugeschriebenen und damit in die 'westphälische' Zeit datierten Zeichnungen nicht vielmehr in die spätere Planungsphase nach dem Theaterumbau gehören.
Stand: August 2007 [MH]


Literatur:
Holtmeyer 1910, S. 362


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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