2.3.23.8 - Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Weißensteinflügel, Beletage, Thronsaal (Raum 102), Entwurf für die Innenwand mit Bogenöffnung, Aufriß



2.3.23.8 - Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Weißensteinflügel, Beletage, Thronsaal (Raum 102), Entwurf für die Innenwand mit Bogenöffnung, Aufriß


Inventar Nr.: SM-GS 1.3.989
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Weißensteinflügel, Beletage, Thronsaal (Raum 102), Entwurf für die Innenwand mit Bogenöffnung, Aufriß
Künstler: Johann Conrad Bromeis (1788 - 1855), Architekt
Datierung: 1828/1829
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit und Feder
Träger: Büttenpapier, auf Unterkarton aufgelegt
Wasserzeichen: "C & I HONIG"
Maße: 32,5 x 53,8 cm (Blattmaß)
Maßstab: unbezifferter Maßstab ohne Maßeinheit
Beschriftungen: verso: "S. 9 und (Ballhaus)" (Graphit)
verso: "N = 2" (Rotstift)


Katalogtext:
Aus dem Nachlaß von Heinrich Ludwig Regenbogen stammt das vorliegende Blatt, das eine Innenwand mit breiter, verglaster Bogenöffnung zeigt. Die rückseitige Beschriftung "S. 9 und (Ballhaus)" begründete die Zuordnung zum Ballhaus, das unter Johann Conrad Bromeis aus dem Theaterbau Jérômes entstand. Aber auch die Zugehörigkeit zum Nachlaß Regenbogen schien ein Hinweis darauf zu sein. Regenbogen trat 1824 den Posten des Hofbaukondukteurs in Wilhelmshöhe an und beerbte in dieser Funktion Leonard Müller. Unter seiner Aufsicht stand somit auch der Umbau des Ballhauses. Die Darstellung läßt sich aufgrund der geringen Raumhöhe jedoch keinesfalls dem Ballsaal zuordnen. Auch das Büffetzimmer und die Orchesterloge scheiden wegen der Höhe der Bogenöffnung von nahezu 4 m bzw. einer andersartigen Deckengestaltung (der Tonnenwölbung in der Orchesterloge) aus.
Bei der von aufgesockelten Säulen unterteilten Bogenöffnung handelt es sich um eine gläserne Trennwand mit nachträglich eingetragenen Türöffnungen. Die untere Sockelzone läßt einen für die Wandgestaltung dieser Zeit typischen hölzernen Lambris vermuten. Die Maße der Bogenöffnung, die aufwendige Binnengliederung sowie die seitliche Wandgliederung mittels aufgesockelter Doppelsäulen sind deutliche Anzeichen für eine repräsentative Architektur, die als westlicher Wandaufriß des heutigen Thronsaals (Raum 102) in der Beletage der südwestlichen Apsis des Weißensteinflügels identifiziert werden kann.
Der ursprünglich abgetrennte, durch zwei seitliche Türen zugängliche Apsisraum (s. GS 5750), erschließt sich heute über eine breite Bogenöffnung. Obwohl die Agraffe nur am inneren Bogenscheitel zu finden ist, muß es sich um die westliche, den rechteckigen Raumabschnitt begrenzende Wand handelt, da der Bogen an der Fensterseite direkt an das Fenstergewände stößt. Das Scheitelornament ist möglicherweise beim Ausbau der Trennwand entfernt worden. Hinter der Überlegung, die beiden Räume voneinander zu trennen, stand das Projekt um die Verlegung des Treppenhauses in den apsidialen Anraum im Südwesten und die Errichtung einer neuen bogenförmigen Haupttreppe vom Erdgeschoß in das zweite Obergeschoß. Neben diesem Entwurf gehört auch die gerahmte, zur Vorlage angelegte Zeichnung (VSG 1.3.950), die in ihrer Darstellung leicht von dem vorliegenden Blatt abweicht, zum Bad Homburger Bestand. Die beiden Entwurfsalternativen finden sich auch auf zwei Blättern in der Plankammer in Potsdam (SPSG, Plankammer, Inv.Nr. 19855 u. 19856). Die Darstellung auf Inv.Nr. 19856 zeigt die hier vorliegende Variante mit den beiden in das Bogenfeld eingestellten korinthischen Säulen, deren Kapitelle Teil einer reicher gestalteten oberen Zone sind. So sind die Felder zwischen den Kapitellen mit gekreuzten Hölzern dekoriert und den schmalen Streifen bis zum Bogenansatz ziert ein Rankenornament. Auf dem Potsdamer Blatt sind unterhalb der Darstellung mit der bogenförmigen Wandöffnung der Aufriß der im Erdgeschoß an gleicher Stelle eingezogenen Trennwand sowie der zugehörige Grundriß abgebildet. Da das vorliegende Blatt am unteren Rand beschnitten wurde, lassen sich auch hier entsprechende Darstellungen vermuten.
Ein weiteres Blatt (VSG 1.3.907) zeigt die Wand mit einem Blick in das Treppenhaus und der sich dort emporwindenden Treppe, die noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bestand.
Im Jahr 1829 sollte der Einbau einer rundbogig geführten Treppe auch im Kirchflügel erfolgen (StAM Best. 7b 1, Nr. 367, 3.11.1829). Eine gleichartige Lösung in der Apsis wurde ebenso angedacht wie eine Errichtung in der Mittelachse (Potsdam, SPSG, Plankammer, Inv.Nr. 19768). Die Ausführung unterblieb dann allerdings.
Stand: August 2007 [MH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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