2.3.24.25 - Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, nördlicher Verbindungsbau, Entwurf für die Beletage, Grundriß



2.3.24.25 - Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, nördlicher Verbindungsbau, Entwurf für die Beletage, Grundriß


Inventar Nr.: SM-GS 1.3.893
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, nördlicher Verbindungsbau, Entwurf für die Beletage, Grundriß
Künstler: Johann Conrad Bromeis (1788 - 1855), Architekt, Entwurf
Heinrich Ludwig Regenbogen (1802 - 1885), Zeichner, Ausführung
Datierung: 02.06.1829
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, laviert
Träger: Büttenpapier, auf Unterkarton montiert
Wasserzeichen: -
Maße: 62,8 x 99,2 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab ohne Maßeinheit
Beschriftungen: unten rechts: "2/6 29" Regenbogen" (Feder in Braun)
unten rechts: "vdt Br. 16/6 29" (rot)
oben links: "Belle Etage, vom 2ten Verbindungsbau zu Wilhelmshöhe" (Feder in Schwarz)
verso: "N: 2" (Farbstift in Rot)
verso: "S. 2" (Graphit)


Katalogtext:
Nachdem die drei Schloßgebäude zunächst durch geschwungene Terrassen mit Durchfahrten verbunden worden waren, wurde in der 'westphälischen' Zeit der nördliche Verbindungsgang als Vollgeschoß ausgeführt. Vermutlich ist keine Raumunterteilung angestrebt worden, sondern es entstand ein durchgehender Gang, der zu den Apsiden des Kirchflügels und des Corps de Logis hin ebenfalls apsidiale Abschlüsse erhielt (GS 5762). Erst Kurfürst Wilhelm II. ließ nach seiner Rückkehr die Verbindungsbauten um zwei weitere Geschosse aufstocken und beauftragte Oberhofbaumeister Johann Conrad Bromeis mit der Planung. Nach allerhöchster Intension sollte "Jeder dieser Verbindungs-Bauten vom Grunde aus massiv erbauet und ohne das Souterrain drey Stockwerke hoch werden" (StAM, Best. 7b 1, Nr. 352, 6.5.1829). Einem Kostenvoranschlag zufolge sollte der nördliche Verbindungsbau in der Beletage und im zweiten Obergeschoß "vier heizbare Piecen wovon drey jede mit zwey Fenstern und eine mit drey Fenstern versehen seyn soll" erhalten (StAM, Best. 7b 1, Nr. 352, 6.5.1829).
Die von Heinrich Ludwig Regenbogen angefertigte, mit dem Datum vom 2.6.1829 sowie einem Sichtvermerk von Oberhofbaumeister Bromeis versehene Zeichnung, gibt die Planung für diese Vorhaben wieder. Das Blatt zeigt die Beletage des nördlichen Verbindungsbaus, wobei die bereits bestehenden Mauerzüge des Kirchflügels und des Corps de Logis schwarz ausgewiesen und die projektierten Teile braun markiert sind. Die Aufteilung des Innern sollte durch eingezogene Fachwerkwände erfolgen, wobei die Gerüste sich kreuzender Hölzer in auffälliger Darstellung als symbolhaftes Zeichen erscheinen. Hinter dem Treppenzugang vom Kirchflügel liegt zunächst ein schmaler Vorraum, an den sich parkseitig ein Korridor anschließt, von dem aus vier unterschiedlich große Räume zu erreichen sind. Die geschwungene Form der Verbindungsbauten begründet die leicht trapezförmige Grundfläche der Räume, die zum Korridor hin durch die vom Gang zu bedienenden Öfen in Form abgeschrägter Ecken weiter eingeschränkt wird.
Eine Schwierigkeit bei der Verbindung von nördlichem Flügel- und Verbindungsbau bestand in der Zugänglichkeit der beiden Bauteile. Die Zeichnung zeigt, daß in der Beletage eine gradlinige Erschließungstreppe einen Niveauunterschied ausgleichen mußte. Es gab jedoch auch Überlegungen, an dieser Stelle eine halbkreisförmige Treppe nach dem Vorbild der Anlage im Südflügel zu konstruieren (s. VSG 1.3.907). Baukondukteur Regenbogen bemängelte den Zustand, daß "von der ersten oder zweiten Etage des 2ten Schloßflügels auf die erste oder 2te Etage des 2ten Verbindungsbaus zu kommen, jedes mal erst die mittlere Treppenarm hinunter steigen und sodann vor dem Treppen-Podest nach dem Verbindungsbau wieder hinauf steigen müßten" (StAM, Best. 7b 1, Nr. 352, 28.10.1829). Da in der Beletage des nördlichen Flügels jedoch nicht die gleiche Tragfähigkeit für einen solchen aufwendigen Treppeneinbau vorlag, wären weitreichende Umbauten inkl. des Abbruchs eines Teils des Umfassungsmauerwerks notwendig gewesen. Regenbogen schlug daher eine leichtere Konstruktion vor: "[...] statt der alten geradlinigten Treppe an deren Stelle eine masive oder steinere halbkreisförmige neue im unteren Sale, und eine dergleichen hölzerne im oberen Sale, nach dem im beifolgenden Plane gemachten Angabe" (StAM, Best. 7b 1, Nr. 352, 28.10.1829). Bromeis wurde im folgenden zwar aufgefordert, einen Kostenvoranschlag für die Umformung des Treppenhauses vorzulegen (StAM, Best. 7b 1, Nr. 367, 3.11.1829), die Pläne sind dann jedoch vermutlich aus Kostengründen nicht umgesetzt worden (am 23. März 1830 erfolgte die "allerhöchste mündliche Resolution", dieses Projekt hätte zu unterbleiben).
In dem zur Apsis des Corps de Logis entstehenden östlichen Zwickelraum ist in Graphit nachträglich eine Wendeltreppe skizziert, die auch von dieser Seite einen Zugang der oberen Geschosse gewährleisten sollte. Wie der bei Holtmeyer publizierte Grundriß des Erdgeschosses zeigt (Holtmeyer 1910, Taf. 140), wurde die Wendeltreppe schließlich nicht an dieser Stelle, sondern am entgegengesetzten Ende des Verbindungsbaus eingebaut, wo sie vermutlich bis in die zweite Etage des Gebäudes führte. Ein Vergleich beider Geschoßgrundrisse zeigt eine weitgehende Übereinstimmung in der Raumaufteilung. Drei der Zimmer sind zur besseren Nutzbarkeit allerdings nochmals unterteilt worden.
Stand: August 2007 [MH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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