2.3.23.20 - Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Corps de Logis, Beletage, Schlafzimmer nach Norden (Raum 52), Dekorationsentwurf, Ansicht und Schnitt



2.3.23.20 - Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Corps de Logis, Beletage, Schlafzimmer nach Norden (Raum 52), Dekorationsentwurf, Ansicht und Schnitt


Inventar Nr.: SM-GS 1.3.880
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Corps de Logis, Beletage, Schlafzimmer nach Norden (Raum 52), Dekorationsentwurf, Ansicht und Schnitt
Künstler: Julius Eugen Ruhl (1796 - 1871), Zeichner
Datierung: 1822
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, rot, gold, braun und blau laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: -
Maße: 32,2 x 46,5 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßstab Fuß
Beschriftungen: unten: "Schlafzimmer nach Norden" (Feder in Schwarz)
unten rechts: "Ruhl" (Feder in Schwarz)
oben rechts: "63"
verso: "1458 a/2" (Graphit)
verso: "4" (Graphit)


Katalogtext:
Zwei Dekorationsentwürfe für das Schlafzimmer nach Norden, so die Titel der Zeichnungen (s. a. VSG 1.3.879), sind von Eugen Julius Ruhl, wohl nach den Vorgaben des leitenden Architekten bei der Neugestaltung der Schloßräume, Johann Conrad Bromeis, angefertigt worden.
Bereits in den Entwurfszeichnungen von Heinrich Christoph Jussow sind die beiden spiegelbildlich angelegten Räume in den Apsiden in der Beletage des Corps de Logis als Schlafzimmer ausgewiesen. Dabei waren die Betten an den inneren Längswänden in rechteckigen Alkovennischen untergebracht, was auch in der vorliegenden Zeichnung veranschaulicht wird. Von einem Kabinett und einen Garderobenraum aus konnten die Schlafzimmer durch seitlich der Bettstatt gelegene Zugänge erreicht werden.
Die von korinthischen Pilastern gerahmte Bettnische ist mit einer blau-weiß gestreiften Wandbespannung ausgekleidet, deren oberer Abschluß von einem drapierten Querbehang mit Fransensaum gebildet wird. Holtmeyer beschreibt dagegen eine Wandbespannung aus grüner Seide mit goldenen Weinlaubmustern (Holtmeyer 1910, S. 326), die durch das historische Photomaterial auch nachzuweisen ist, was zeigt, daß die vorliegende Zeichnung ein Entwurf während des Arbeitsprozesses, nicht der Ausführungsentwurf ist.
Das längs zur Wand stehende Kastenbett hebt sich von dieser durch die rote Farbgebung von Bezug und Bettvorhängen ab. Wie in einer anderen, von Leonhard Müller angefertigten Entwurfszeichnung (VSG 1.3.878) für das südliche Schlafzimmer wird das Bett durch eine runde Baldachindraperie inszeniert, die von angestellten Pfosten getragen wird. Die Stoffunterseite der mit Fransen gesäumten Vorhänge ist andersfarbig abgesetzt und auf die Farbe der Wandbespannung abgestimmt. Auch der drapierte Überhang mit den reichhaltigen Applikationen in Form von Lorbeerkränzen und Palmwedeln und einer verbindenden Ranke nimmt diesen Farbwert auf. Die Bettstatt selbst, die auf einer zweistufigen Estrade präsentiert wird, ist reich mit Beschlagwerk dekoriert. So sind die zur Mitte hin einschwingenden Längsseiten von einer breiten Girlande geschmückt und die Füllbretter mit einer liegender Flußgottheit sowie einer Nymphe dekoriert. Die angestellten Pfosten sind als plastisch vortretende Rutenbündel ausgeführt, die von Widderköpfen bekrönt werden. Neben dem Bett steht ein kleines Tischchen, auf dem eine antikisierende Vase plaziert ist.
Wie der von Müller ausgeführte Entwurf steht auch die hier vorliegende Schlafzimmergestaltung in der Tradition des Empire. Auf der Grundlage der berühmten Bettform, die für Madame Recamier in Paris entwickelt worden war, wurde sowohl bei der Auswahl und Präsentation des Stoffes wie auch bei der Verzierung des Bettes mit dem Gegensatz von Material und Farbe gespielt.
Wie der Erläuterung in dem Entwurf von Jussow (GS 5739) zu entnehmen ist, wird die Wand durch korinthische Pilaster gegliedert. Ein reich profiliertes Gesims aus Eierstab und Modillons bildet den Übergang zur Decke. Die zweiflügeligen Türen zeigen in den Füllungsfeldern floralen Dekor aus Ranken und Blattkränzen und sind mit reliefierten Türstürzen und Supraporten versehen, die als Volutenspangen erscheinen. Diese Elemente der wandfesten Ausstattung lassen sich mit einigen abweichenden Details (Türfüllungen) anhand des historischen Photomaterials auch nachweisen. Die mobile Ausstattung dagegen ist in dieser Form offensichtlich nicht ausgeführt worden.
Neben dem Entwurf für die Wandgestaltung der Bettseite liegt ein ebenfalls von Ruhl angefertigter Entwurf für die gegenüberliegende rundbogige Wand vor (VSG 1.3.879).
Stand: August 2007 [MH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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