1.1.2.2 - Kassel, Bauaufnahme der Stadt mit Festungsanlagen, Lageplan



1.1.2.2 - Kassel, Bauaufnahme der Stadt mit Festungsanlagen, Lageplan


Inventar Nr.: GS 14516
Bezeichnung: Kassel, Bauaufnahme der Stadt mit Festungsanlagen, Lageplan
Künstler: Philipp Wilhelm Leopold (1722 - 1785), Zeichner, fraglich
Datierung: um 1755
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, Braun und Rot, rot, rosa, grau, grün und gelb laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: Krone über Wappenschild mit Lilie, darunter Bienenkorb und "IV"
Maße: 73,5 x 101,8 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "Fus" und "ruthen"
Beschriftungen: unten rechts: "PLAN / VON der STADT / CASSEL" (Feder in Schwarz)
unten rechts: "gez. v. Haack?" (Graphit)
in der Darstellung, links oben und unten: Numerierung und Bennenung der Straßen, Plätze und Gebäude (Feder in Schwarz und Braun)
verso: "Plan v. d. Festung Kaßel" (Graphit)
verso: "Plan v. Caßel noch als Festung." (Feder in Braun)
verso: "II A 9" (Graphit)


Katalogtext:
Der Plan gibt ein sehr detailliertes und durch umfangreiche Legenden zu den drei Stadtteilen ergänztes Bild von der Stadt mit ihrer Befestigungsanlage und einem Teil des Aueparks. Da das Palais des Prinzen Wilhelm in der Frankfurter Straße (B) als "Landt Graffen behausung" und das Palais Bellevue (C) als "Erb Printzen behausung" bezeichnet werden, muß der Entstehungszeitpunkt nach dem Regierungsantritt Landgraf Wilhelms VIII. liegen. Das Fehlen der 1757 begonnenen Garnisonkirche wiederum gibt einen terminus ante quem.
Wie bei Stadtplänen des 18. Jahrhunderts üblich, ist die private Bebauung lediglich summarisch durch Angabe der Baublöcke gezeigt. Dagegen werden alle kirchlichen, herrschaftlichen, öffentlichen und miltärischen Bauten durch Einzeldarstellung und Farbgebung hervorgehoben. Außerhalb der Festungsanlagen werden von der Umgebung nur der Verlauf der Straßen und Wege sowie im Bereich der Oberneustadt einige Grundstücksgrenzen und Merkmale der Topographie dargestellt.
Von besonderem Interesse ist der dargestellte Bereich des Aueparks, in dem Baubestand und Planung nebeneinander stehen. Dabei kommt der korrekten Wiedergabe der in dieser Zeit noch vorhandenen Nebengebäude in der Nähe des Marmorbades ein besonderer Quellenwert zu, da diese Bauten in den Stadt- und Parkplänen der Zeit in der Regel zugunsten der jeweils aktuellen Idealplanung weggelassen wurden (vgl. die Darstellung der Bauten durch Ghezzy, Marb. Dep. 254,6).
Im vorliegenden Fall hat der Zeichner das dreipaßförmige Bassin, das Ausgangspunkt der ausstrahlenden Parkachsen sein sollte, stellenweise über die vorhandenen Gartenteile und Gebäude gelegt. Dabei diente überraschenderweise der sog. Stockholmer Plan als Vorlage (Reuther 1975, S. 31-34, Abb. 31; Becker 1996, S. 40f., Abb. 12), der um 1755 nicht mehr aktuell und durch ein verändertes Projekt von Johann Georg Fünck ersetzt worden war (Becker 1996, S. 44 u. Abb. 12).
Der Titel in der rechten unteren Ecke ist mit einer Kartusche in Rocailleform, die von einem Löwen gehalten wird, aufwendig gestaltet. Die dort sichtbaren militärischen Attribute Helm, Degen und Eisenhandschuhe sollten offenbar noch um ein Kanonenrohr ergänzt werden, dessen Graphitvorzeichnung unter dem Löwen zu erkennen ist. Die hier ursprünglich befindliche Signatur wurde später radiert und läßt sich nicht mehr eindeutig entschlüsseln, könnte aber als diejenige von Philipp Wilhelm Leopold gedeutetet werden.
In dessen Plänen finden sich ebenfalls rechts unten angeordnete aufwendige Kartuschen oder figürliche Darstellungen (vgl. GS 14515,17 u. GS 14515,19). Auf einem Plan der Festung Ziegenhain ist ein auf einem Kanonenrohr stehender und die Kartusche mit der Legende haltender Löwe zu sehen, der große Ähnlichkeit mit demjenigen des vorliegenden Blattes zeigt (Brohl 1995, Abb. S. 121 oben). Des weiteren lassen sich die an mehreren Stellen verteilten detaillierten Legenden vergleichen. So kann als Zeichner des Stadtplans mit einiger Sicherheit Philipp Wilhelm Leopold angenommen werden und nicht der sowohl auf dem Blatt wie im alten Inventar der Graphischen Sammlung genannte "Haack", auf dessen angeblich "sehr ähnlichen Plan von Wilhelmshöhe, gez. 1764" (VSG 1.3.1072) hingewiesen wird (vgl. das Inventarblatt im Ordner "Kassel [...] II./A. Stadtpläne vor 1800" in der Graphischen Sammlung; der Plan wird dort deshalb "um 1760" datiert).
Stand: September 2004 [GF]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 03.01.2018


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