1.70.1.1 - Kassel, Garnisonkirche, Entwurf, Grundriß



1.70.1.1 - Kassel, Garnisonkirche, Entwurf, Grundriß


Inventar Nr.: GS 14602
Bezeichnung: Kassel, Garnisonkirche, Entwurf, Grundriß
Künstler: Heinrich Christoph Bröckel (1693 - 1773), Architekt
Datierung: 1751
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, grau, gelb und rot laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: Krone über Wappenschild mit Lilie, unten anhängend Anker und "WR" in Ligatur
Maße: 33,4 x 47,4 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab ohne Maßeinheit
Beschriftungen: oben mittig: "Erster Grund-Riß des kurtzen Projects" (Feder in Braun)
oben mittig: "Fabricant Cass seiner Behausung" (Feder in Braun)
unten mittig: "Gang vor der Kirche" (Feder in Braun)
unten rechts: "im December 1751. / del: HCBröckel" (Feder in Braun)
rechter Rand: "die Feüer Gaße an der Stattmauer" (Feder in Braun)
in der Darstellung: "Sacristey", "Chor", "der Thurm" (Feder in Braun)
in der Darstellung, unten mittig: Zahlen (Feder in Schwarz)
verso: "241" (Graphit)
verso: "75" (Farbstift in Schwarz)


Katalogtext:
Im Dezember 1751 fertigte der Militärbaumeister Heinrich Christoph Bröckel nach den Vorstellungen des Landgrafen Wilhelm VIII. Grundrißentwürfe für den Bau der Kasseler Garnisonkirche an, die er als Schnitte auf unterschiedlichen Gebäudehöhen anlegte. Die erste Zeichnung präsentiert den Saalraum des Kirchenschiffs auf Sockelniveau.
Bröckel konzipierte einen längsrechteckigen Bau mit östlichem Hauptzugang und einem in den Saalraum eingestellten Westturm. Auffällig ist ein Ungleichgewicht bei der Fassadengliederung zwischen der neunachsigen Nordseite und der Südseite, die durch den geschlossenen östlichen Mauerabschnitt nur sechs Fensterachsen aufweist. Bröckel nahm mittels dieser Struktur auf die vorhandene, enge Umbauung des geplanten Kirchenbaus Rücksicht, die eine Durchfensterung des östlichen Teils der Südwand nutzlos gemacht hätte.
Bei der Bauausführung wurde von dem Plan eines in den Raum eingestellten Turmes abgerückt und statt dessen die Kirche durch ein zusätzliches, vom Kirchenraum durch Mauern abgetrenntes Turmjoch im Westen verlängert. Neben der vorliegenden Zeichnung muß ein weiterer Entwurf Bröckels existiert haben, der eben diese verlängerte Variante zeigte. Der Titel der Zeichnung deutet auf zwei Alternativentwürfe hin, von denen Bröckel hier die kurze Variante präsentiert, die bei Wilhelm VIII., der eine 'große Lösung' anstrebte, offensichtlich keine Zustimmung fand.
Die Verlängerung des Kirchenbaus zog in der Folge eine Veränderung der Fassadengliederung der Südwand nach sich. In diesem Zusammenhang wurden den sechs Achsen der Kirchenschiffwand zwei weitere, im östlichen und westlichen Mauerabschnitt, hinzugefügt und deren Aufteilung verändert (s. Aufrißzeichnung GS 14607). Das an das Turmjoch anschließende Fenster ist in den 60er Jahren des 19. Jahrhundert geschlossen worden, vermutlich durch eine Verlegung des Treppenlaufs vor dieses Fenster der Nordwand.
Abweichend von dem Entwurf Bröckels kam auch eine andere Turmkonstruktion zur Ausführung. Die eingezeichneten Grundmauern lassen auf die Planung eines die Fassade beherrschenden, massiven Baus schließen, der jedoch nur bis zur Dachtraufe realisiert werden konnte. Mit der Errichtung eines Uhr- und Glockentürmchens durch Simon Louis Du Ry im Jahr 1780, für den in der Graphischen Sammlung ebenfalls Entwurfszeichnungen vorliegen (GS 14612, GS 14613 u. GS 14615), wurde ein kostengünstigerer Ersatz geschaffen.
Das Blatt ist 1950 vom Hessischen Staatsbauamt mit zehn weiteren Zeichnungen der Garnisonkirche in den Bestand der damaligen Staatlichen Kunstsammlungen Kassel gelangt.
Stand: September 2004 [MH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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