1.67.2.37 - Kassel, Martinskirche, Entwurf zur Einrichtung einer Fürstengruft, Grundriß, Aufriß und Schnitt



1.67.2.37 - Kassel, Martinskirche, Entwurf zur Einrichtung einer Fürstengruft, Grundriß, Aufriß und Schnitt


Inventar Nr.: L GS 14645
Bezeichnung: Kassel, Martinskirche, Entwurf zur Einrichtung einer Fürstengruft, Grundriß, Aufriß und Schnitt
Künstler: Hugo Schneider (1841 - 1925), Architekt
Datierung: 1896
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, koloriert
Träger: Papier
Wasserzeichen: -
Maße: 61,3 x 78,2 cm (Blattmaß)
Maßstab: bezifferter Maßstab mit Maßeinheit "M", "1:33 1/3"
Beschriftungen: oben links: "13" (Farbstift in Rot)
oben links: "Entwurf zur Einrichtung einer Fürstengruft / im südlichen Thurm der St. Martinskirche / zu Cassel." (Feder in Schwarz)
oben rechts: "c. 9790/96." (Graphit)
unten links: "CASSEL 1896 / H. SCHNEIDER." (Feder in Schwarz)
unten links: "Gesehen / Kassel 9/11 1896 / der Regierungs-Baurath / Waldhamen" (Feder in Blau)
in der Darstellung: "Grundriß in Höhe a-b"; "Lageplan"; "Thür zur Gruft. / Ansicht von der Gruft aus. Ansicht von der Vorhalle aus."; "Schnitt c-d"; "Schnitt e-f" (Feder in Schwarz)


Katalogtext:
Fünf Jahre nach Vollendung der Türme befaßte sich Hugo Schneider mit dem Plan, Särge von Angehörigen des Hauses Hessen in einer neuen Aufstellung im Erdgeschoß des Südturms zusammenzuführen. Das Blatt erfaßt in sechs Einzeldarstellungen alle notwendigen Details für eine ausgearbeitete Präsentation der Idee: einen Lageplan, in dem der Südturm als Ort der "Fürstengruft" hervorgehoben ist, zwei Ansichten der Holztür zum Gruftraum, einen Grundriß desselben einschließlich der einzubringenden Gestelle zur Aufnahme der Särge und zwei Schnitte durch den Raum, in denen auch ein (nicht farbig angelegter) Entwurf für die Ausmalung der Wände und des Gewölbes dargestellt ist.
In den quadratischen Raum, den ein Kreuzrippengewölbe mit ringförmigem Schlußstein überfängt, sollten entlang der Wände hölzerne Stellagen für die Särge der Verstorbenen der hessischen Landgrafenfamilie eingebracht werden. Der in der Nordwestecke des Raumes liegende Eingang und das in der Südwand gelegene Fenster unterbrechen die Abfolge der Gestelle.
Die nähere Gestalt der Gestelle läßt sich den Schnitten gut entnehmen: Kräftigen Kanthölzern sollten demnach gedrehte Halbsäulen an den sichtbaren Seiten vorgeblendet werden, die Kanten der einzelnen Böden mit kleinen Ornamenten regelmäßig geschmückt werden. Die Köpfe der tragenden Balkenkonstruktion ruhen einerseits auf den genannten Kanthölzern und sind andererseits in die Wand eingelassen. In drei bis vier Etagen sollten die Särge hier eine neue Anordnung finden, wobei sich die größeren nach Errichten der Stellagen nicht mehr hätten einschieben lassen. Schneider plante also offensichtlich, das Gerüst etagenweise um die Särge herum zu errichten. Als Ausmalung des Raumes sah Schneider Ornamentbänder und Arabesken zumindest an der Südwand, eine Kreuzigungsgruppe an der Ostwand vor, das Gewölbe sollte einen Sternenhimmel und Wappen erhalten.
In den breiten Spitzbogen der Verbindungstür zwischen südlichem Turmraum und westlicher Vorhalle der Martinskirche wollte Schneider eine Holzwand einbringen, die in ihrer Mittelachse eine zweiflügelige Tür aufnimmt. Die Türflügel weisen jeweils ein niedriges unteres und ein langgestrecktes oberes Kassettenfeld mit gefältelten Füllungen auf, wie sie auch links und rechts der Tür als Gliederung der feststehenden Holzwand wiederholt sind. Oberhalb der Tür sind zwei Fensteröffnungen mit Kleeblattbogen eingebracht, die mit Eisenwerk in Gestalt eines stilisierten Baumes vergittert sind. Im Zwickel zwischen den Kleeblattbögen sowie links und rechts der Fensterzone sind geschnitzte Tondi vorgesehen. Die Rückseite der Wand ist deutlich einfacher gehalten bzw. auch weniger detailreich gezeichnet, da etwa die Fenstergitter fehlen.
Es ist davon auszugehen, daß der Entwurf in der vorliegenden Form oder nur leicht modifiziert zur Ausführung kam, denn 1896 begann man mit der Instandsetzung und Neuordnung der Landgrafengruft unter dem Kapellenanbau der Martinskirche. Im Verlauf der Arbeiten, die 1898 abgeschlossen waren, wurden die Särge der nicht regierenden Mitglieder des Hauses Hessen in das Untergeschoß des Südturms überführt (Walter 1994, S. 166).
Stand: September 2007 [LK]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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